Glucks „Orphée et Eurydice“ im Theater Aachen

Von: Sabine Rother
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Glänzend: Kapellmeister Justus Thorau (links) und Konzertmeister Felix Giglberger wollen mit Glucks „Orphée et Eurydice“ die Zeit des Barock aufleben lassen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ist die Geige nun alt oder neu? Felix Giglberger, seit 2008 Erster Konzertmeister im Sinfonieorchester Aachen, lacht. „Im Prinzip beides“, sagt er. „Es ist eine zurückgebaute Geige, die so reagiert und klingt wie ein altes Instrument.“

Und deshalb ist sie auch im Einsatz, wenn am kommenden Sonntag im Großen Haus des Aachener Theaters Christoph Willibald Glucks Oper „Orphée et Eurydice“ erklingt. Justus Thorau, Erster Kapellmeister am Theater Aachen, hat die musikalische Leitung – und eine Mission: „Ich möchte mit dem Sinfonieorchester und den Solisten zeigen, wie spannend Barockmusik sein kann und welches Erlebnis es ist, sie auf Originalinstrumenten zu hören.“

Doch so leicht ist das gar nicht, denn Originalinstrumente oder „zurückgebaute“ Exemplare verlangen den Musikern eine andere Spieltechnik ab. „Die Druckverhältnisse sind bei der alten Bauart niedriger“, erklärt Giglberger. „Konventionelle Instrumente sind sehr viel lauter.“

Er selbst hat nach seinem Musikstudium in München und Berlin eine Sonderausbildung für diesen Bereich durchlaufen. „Man wird sensibler und braucht eine entspannte Körperlichkeit. Man kommt der Musik näher“, sagt er. Das Musizieren in dieser Weise verlange natürliche Bewegungen. Für den Geiger ist das sogar weit gesünder, weil seine Haltung natürlicher ist als bei einem modernen Instrument. Damit alle eingesetzten Musiker den gleichen Klang entwickeln können, wurden zusätzliche Instrumente angeschafft oder geliehen.

Thorau hat sich für die Fassung der Gluck-Oper aus dem Jahr 1774 entschieden, die der 60-jährige Komponist als „Tragédie-opéra“ den Bedürfnissen des Pariser Publikums anpasste – und damit viel Applaus erntete.

Das liebende Paar, Amor und der Chor singen dabei in französischer Sprache, es gibt eine große Ballettmusik, den bekannten „Reigen seliger Geister“ und schmelzende Arien. Die Partie des Orpheus wird nicht mehr von einem Kastraten oder Countertenor, sondern von einem Tenor gesungen, der allerdings über gute Höhen verfügen sollte. In Aachen, wo das Werk zum ersten Mal auf die Bühne kommt, wechseln sich dabei die Sänger Patricio Arroyo und Soon-Wook Ka ab. Eurydice singen Katharina Hagopian und Panagiota Sofroniadou, Amor Jelena Rakic und Soetkin Elbers. „Alles klingt lebendig und durchsichtig“, schwärmt Giglberger.

Das Werk galt bereits bei seiner Wiener Uraufführung 1762 als „Reformoper“, weil Gluck und sein Librettist Ranieri de‘ Calzabigi es sich vorgenommen hatten, die Oper, die zunächst in italienischer Sprache gesungen wurde, bewegter zu gestalten – der Wandel vom „Seccorezitativ“, das nur vom Generalbass begleitet wird, zum „Accompagnati“, wo ihn das Streichorchester unterstützt, macht viel aus. „Ein bisschen wie Mozart“, meint Thorau. In Wien hatte Gluck persönlich die Inszenierung betreut. In seinen Aufzeichnungen seufzt er über den stimmschönen, aber schauspielerisch nicht besonders begabten Orpheus-Sänger Joseph Legros, der eine Weile brauchte, um den kummervollen Schrei des Orpheus, der die tote Eurydike beklagt, so natürlich hinzubekommen, dass die starke Emotion zugleich den inneren Prozess der Trauer spiegelte. Aber Gluck brauchte den Liebling des Publikums. „Die Sänger wurden gefeiert wie die heutigen Bühnenstars“, sagt Thorau.

Die Aachener Inszenierung, die von Regieassistentin Tamara Heimbrock betreut wird, ist halb-szenisch angelegt. Der Zuschauer hat also jederzeit die Möglichkeit, Musiker und Akteure fast wie in einer Arbeitssituation zu beobachten. Der Opernchor muss die wilden Furien, die Freunde des Orpheus und die singenden Paradiesbewohner sängerisch darstellen. Reduziert ist gleichfalls die Ausstattung: Eine Wand signalisiert den Eingang zur Unterwelt.

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