Glenn Gould geehrt

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Den 80. Geburts- und 50. Todestag des legendären Pianisten Glenn Gould im Herbst dieses Jahres nahmen der Aachener Oboist Stéphane Egeling und einige seiner Symphoniker-Kollegen zum Anlass, das 1. Kammerkonzert der Saison dem kanadischen Genie zu widmen.

Im voll besetzten Spiegelfoyer des Theaters erinnerte man an den weitgehend unbekannten Komponisten Gould, dessen frühem Streichquartett op. 1 kein einziges weiteres Opus folgte, sowie an Komponisten, die der Eigenbrötler besonders schätzte.

Da darf natürlich Goulds „Hausgott” Johann Sebastian Bach nicht fehlen. Zur Einstimmung gab es das Thema aus dessen „Goldberg-Variationen” zu hören, mit denen Gould seinerzeit Interpretationsgeschichte geschrieben. In Aachen war das Stück in einer Fassung für Solo-Bratsche zu hören. Problematisch wie alle mehr oder weniger gelungenen Streicher-Arrangements dieses Klavierwerks par excellence. Es folgte der letzte, unvollendet hinterlassene Kontrapunkt aus Bachs „Kunst der Fuge” in einem interessanten Arrangement Egelings für Englischhorn, Fagott, Posaune und Streichtrio, das den komplexen Stimmverläufen durch die klanglich disparate, an Weberns Bach-Bearbeitungen erinnernde Besetzung ein Maximum an Transparenz verlieh. Ob der angefügte Choral im Sinne Goulds gewesen wäre anstatt das Werk in seiner unvollendeten fragmentarischen Form ausklingen zu lassen, steht auf einem anderen Blatt.

Zu Goulds Favoriten zählten auch andere Meister aus Renaissance und Barock. So der Engländer Orlando Gibbons, von dem in gleicher Besetzung drei Stücke erklangen. Für die Trio-Sonate in B-Dur des jungen Händels und eine pfiffige Schlachtenmusik von Johann Fischer griff man auf originale Barock-Instrumente zurück und kam mit deren Problemen mit Anstand zurecht.

Das Hauptwerk bildete dann Goulds „Jugendsünde”, sein 30-minütiges Streichquartett, in dem er im Rahmen eines einzigen, formal recht unübersichtlichen Satzes stilistisch alles zusammenmengte, was ihn bewegte: Kontrapunktische Strenge, emotionale Expressivität, Anleihen an Beethoven, Brahms, Richard Strauss und Arnold Schönberg. Die Aachener Streicher (Vassili Voronin und Ulrike Fröhlich, Violine; Martin Hoffmann, Viola; Claudius Wettstein, Violoncello) pflügten sich mit Engagement, Spielfreude und technischer Versiertheit durch das Werk und bestätigten das hohe gestalterische Niveau. Viel Beifall für ein interessantes Kammerkonzert, das heute, 20 Uhr im Spiegelfoyer wiederholt wird.
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