Glaube, Liebe, Hoffnung auf Japanisch

Von: Verena Müller
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Die „Madame Butterfly” ist für
Die „Madame Butterfly” ist für sie eine echte Herausforderung: Irina Popova (links) und Yikun Chung (rechts) mit Regisseur Alexander von Pfeil auf der Bühne im Theater Aachen, wo die Puccini-Oper am Sonntag Premiere hat. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein Koreaner singt und spielt einen amerikanischen Marineoffizier, der in Japan Urlaub macht, eine Bulgarin eine japanische Geisha, die mit ihrer Tradition und Religion bricht - und beide singen auf Italienisch, an einem deutschen Theater. Verwirrend. Aber eigentlich auch total unerheblich.

Denn das, was sich in Giacomo Puccinis Oper „Madame Butterfly” zuträgt, könnte ebensogut auf der Grenze zwischen anderen Kulturkreisen und an den emotionalen Grenzen anderer Liebender passieren.

Die Geschichte: Leutnant Pinkerton verliebt sich in Nagasaki in Cho-Cho-San. Für ihn ist die Geisha ein hübscher Schmuck, ein Spielzeug. Für Cho-Cho-San bedeutet Pinkerton dagegen alles. Auch ein besseres Leben, in Amerika. Die beiden heiraten, dann kehrt Pinkerton in seine Heimat zurück. Drei Jahre später wird Cho-Cho-San erst klar, wie sehr sie sich in Pinkerton getäuscht hat. Das gemeinsame Kind will er ihr wegnehmen, als er mit seiner neuen Frau, einer Amerikanerin, in Nagasaki zu Besuch ist. Cho-Cho-San begeht Selbstmord.

Die Geisha mimt Irina Popova. Seit 2005 ist sie am Theater Aachen; sie sagt, dass es eine ihrer (vielen) Traumrollen sei. „Ich liebe japanische Filme und habe wirklich alles, was ich an Informationen rund um Japan und die Oper bekommen konnte, aufgesaugt”, sagt die Sopranistin. Die Zuflucht in eine neue Welt und die dann folgende Enttäuschung der Figur könne sie gut nachvollziehen. „Das war bei mir kurz nach der Wende ähnlich.

Viele Bekannte meinten, der Kapitalismus sei gut, aber nach den ersten Wochen im Westen habe ich gemerkt, wir sind doch alle gleich, wir sagen nur Dinge anders.” Während Cho-Cho-San alle Extreme zwischen Liebe, Glauben, Hoffnung und Verzweiflung durchlebt, scheint bei Pinkerton nicht klar zu sein, wann er wie tief geliebt hat. Yikun Chung dagegen glaubt, die Figur durchdrungen zu haben. „Es ist ganz einfach. Es ist so ähnlich wie mit jungen Leuten, die eine stürmische Urlaubsliebe haben, aber zuhause, in ihrem alten Kulturkreis, ist schnell alles vergessen.”

Der Tenor, ebenfalls seit 2005 in Aachen, räumt ein, diese Rolle nie gespielt haben zu wollen. Lieber hätte er mal den Bajazzo gesungen. „Weil man gleichzeitig weinen und singen können muss.” Aber den Pinkerton? „In Italien haben alle großen Tenöre Angst davor”, sagt Chung. Er muss es wissen, schließlich sang er - ebenso wie Popova - schon auf unzähligen Bühnen Europas. Bei den Proben sei ihm dann aber aufgegangen, dass die Oper eine der schönsten Puccinis sei.

Während für Chung die größte Herausforderung in der langen Pause vor der Arie besteht - „meine Stimme muss warm bleiben” - ist Popovas Herausforderung, dass sie so gut wie keine Pause hat. „Ich komme auf die Bühne und verlasse sie dann nicht mehr”, sagt sie. „Aber ich habe bulgarische Stimmbänder.”

Ausdauer also. Angelegt ist die Geisha als 15-jähriges junges Mädchen, entsprechend jünger muss auch die Stimme klingen. „Es ist schwierig, die Grenze zu finden, damit es nicht lächerlich wird”, sagt sie. Immerhin ist sie mehr als doppelt so alt, wie die Geisha zu sein vorgibt. Ob’s gelingt, wird sich am Sonntag bei der Premiere zeigen. Die musikalische Leitung hat Daniel Jakobi.

Premiere: Sonntag, 19. September, 18 Uhr. Weitere Termine: 26./30. September, 7./9./16./22./30. Oktober, 1./12./20. November, 8./26. Dezember, 22./28. Januar, 5./12. Februar und 20. März.
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