Gisbert zu Knyphausen und Jesper Munk begeistern

Von: tka/ssc
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Er lässt Lieder sprechen: Gisbert zu Knyphausen in der Aachener Citykirche. Foto: Andreas Steindl
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Er hat den Blues: Jesper Munk begeisterte 300 Fans im Alsdorfer Energeticon. Foto: Stefan Schaum

Aachen/Alsdorf. Zwei ganz besondere Konzerte konnte das Publikum des Kulturfestivals X der Städteregion Aachen am Wochenende erleben: Jesper Munk im Alsdorfer Energeticon und Gisbert zu Knyp-hausen in der Aachener Citykirche.

Gisbert zu Knyphausen ist kein Dampfplauderer – aber er hat viel zu erzählen: in seinen Songs. Er ist kein Entertainer oder der sprichwörtliche bunte Hund – der Mann in schwarzem Hemd, dunkler Jeans und schwarzen Lederschuhen lässt seine Lieder sprechen. Und bei seinem ausverkauften Konzert in der Aachener Citykirche St. Nikolaus erleben 450 Zuschauer und vor allem Zuhörer, wie sehr es lohnt, den Worten des Wiesbadeners, der tatsächlich Gisbert Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen heißt, zu lauschen.

Er sagt selbst, dass es die Melancholie ist, die dem Liedermacher nahesteht und viele seiner Texte prägt. Aber Melancholie ist bei Gisbert zu Knyphausen nie ohne Hoffnung. „Die Welt ist grässlich und wunderschön“ heißt es recht früh bei dem mehr als anderthalbstündigen Konzert im Song „Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten“. Und so ist neben der Melancholie ausreichend Platz für Fröhlichkeit – vor allem der Besucher. Ungewöhnlich sind sie in der Vielzahl, die Texte des 38-Jährigen, der Einfluss beispielsweise von Bands wie Elements of Crime ist immer gegenwärtig.

Furios und kraftvoll

Gisbert zu Knyphausen ist solo mit der Akustikgitarre in der Citykirche zu Gast. Der Hall, den das Kirchenschiff erzeugt, ist sein Freund, die Freunde seiner Musik sind begeistert. Es werden gleichermaßen neue Songs des für Oktober angekündigten Albums wie ältere Stücke – etwa „Kräne“ und das vom Publikum gewünschte „Morsches Holz“ – gespielt.

An seine Freundschaft zum jung gestorbenen Nils Koppruch erinnert er unter anderem mit einem Lied aus der gemeinsamen Zeit als Band Kid Kopphausen, an eine Iranreise mit dem einzigen englischsprachigen Titel des Konzerts. Dazwischen schaut er schüchtern auf den Boden, wenn der Applaus lang auf seine Lieder antwortet.

Nicht zu fassen, dieser Schlacks. Gerade mal 24 Jahre alt ist Jesper Munk, und an seinem Kinn sprießt Flaum, aus dem so bald kein Bart wird. Doch dieses Bübchen hat den Blues. Und wie! Munks Auftritt im Alsdorfer Fördermaschinenhaus ist ein rundum furioses, ein kraftvolles Ding.

Scheu schlurft Jesper Munk auf die Bühne, lächelt schief und wuschelt sich durchs Strubbelhaar. Als er sich dann hinsetzt – zunächst allein ans abgewetzte Keyboard – ist nach den ersten Songzeilen klar: So singt keiner, der aus Kalkül auf Retro-Sound setzt. So klingt man nur mit alter Seele.

Ohne Spur von Schnickschnack entwickelt Munk einen Klang, den Bands wie die Strokes in jüngerer Zeit auch nicht besser hinbekommen haben. Mal solo, mal begleitet von Mauro Pandolfino (Gitarre), Sassehbaloh Söllner (Bass) und Clemens Graf Finck von Fickenstein (Schlagzeug) fleht, schreit und donnert sich Munk durch ein 90-minütiges Programm aus Soul, Rock und Blues, viel Blues. In kompletter Bandbesetzung erreicht das eine ordentliche Wucht, vor allem Pandolfinos teils mit Geigenbogen gespielte Gitarrensoli krachen heftig. Und Munk zeigt bei seinem Gitarrenspiel, dass er auch bei Hendrix hier und da gut zugehört hat. Komplett wie aus der Zeit gefallen wirkt das Ganze – aber eben zeitlos gut. Und das wird gefeiert: Am Ende steht das ganze Publikum – 300 Gäste in ausverkaufter Halle – und applaudiert diesem jungen Kerl. Eine reife Leistung, Herr Munk!

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