Giora Feidman begeistert im Vogelsang-Kino

Von: Vera Junker
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„Warum kann ich nicht mit Israelis und Palästinensern in einem Raum sitzen wie hier mit den Deutschen?” Solche Sätze des jüdischen Klarinettisten Giora Feidman begeisterten das Publikum im Vogelsang-Kino ebenso wie seine Musik. Foto: Vera Junker

Schleiden. Schwarzer Anzug, rote Fliege, entspannte Gesichtszüge. Eine freundliche Begrüßung der Eintretenden, ein paar Autogramme und Fotos.

Doch nicht jeder, der das neue „Kulturkino” in Vogelsang betritt, nimmt die fast unscheinbar wirkende Person, die 20 Minuten vor Konzertbeginn an der Eingangstür steht, wahr. Und doch sind knapp 1000 Zuhörer am Samstagabend wegen dieses Mannes gekommen: Giora Feidman.

Ein Virtuose im Umgang mit der Klarinette. Ein Musiker, der in den großen Konzertsälen und an vielen historisch bedeutenden Orten gespielt hat. Der mit der jüdischen Klezmer-Musik die Zuhörer fesselt. Giora Feidman ist auch ein Musiker, der einfach und ganz bescheiden erklärt: „Es macht keinen Unterschied, ob ich in einer Philharmonie, in der Carnegie Hall oder hier in Vogelsang spiele. Was zählt, ist das Mikrofon, meine Seele und die Musik.”

Absolute Stille im Saal

Welche tiefe Verbindung er zu „seinem” Instrument besitzt, beweist Feidman eindrucksvoll. Mit der russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg unter der Leitung von Juri Gilbo begeistert Feidman von der ersten Sekunde an. Nach orchestraler Einleitung mit der Streicherserenade e-Moll, Op. 20 von Edward Elgar stimmt Feidman die ersten Töne an und schreitet musizierend durch den Saal auf die Bühne.

Im großen Kino herrscht absolute Stille, viele suchen den Künstler mit einem Blick über die Schulter, lassen ihn in der Folge nicht mehr aus den Augen. Feidman und die Kammerphilharmonie St. Petersburg, mit der er bereits seit 16 Jahren zusammenarbeitet, ziehen das Publikum in ihren Bann. Das lässt sich leicht auf den Gesichtern ablesen: Verträumt und in sich versunken schauen viele. Um zu staunen und zu schmunzeln, wenn Feidman seine Finger zu neuen Höchstleistungen antreibt, die Rhythmen wechselt oder fast frech wirkende musikalische Kontrapunkte setzt.

Er vermag es, ohne besondere Show ein Band zu seinem Publikum zu erspielen. Feidman ist authentisch, lebt und liebt die Musik, daran lässt er in keiner Sekunde Zweifel aufkommen. Mit Gestik und Mimik ist er höchst präsent.

Er freut sich über die Energie, die im Kino in Vogelsang zu spüren ist und wünscht sich, dass die Aufarbeitung der Geschichte, wie sie in Vogelsang und Deutschland geschieht, auch in anderen Teilen der Welt passieren möge. In den Saal hinein fragt er: „Warum kann ich nicht mit Israelis und Palästinensern in einem Raum sitzen wie hier mit den Deutschen?” Und fügt gleich hinzu: „Die Menschen sollen lernen von diesem Ort.” Der Applaus, den Feidman für diese Worte erhält, ist fast ebenso groß wie der für seine Musik.

Zu dieser gelangt er spielerisch zurück. Sein Ton, seine Interpretationen auf der klassischen Klarinette, aber auch auf der Bassklarinette, sind überzeugend. Egal ob in melancholischen, leisen Momenten oder bei schwungvollen, temporeichen Melodien: Feidman erreicht seine Zuhörer. Das Repertoire, das er in Vogelsang präsentiert, ist breit gefächert. Er versteht es, Klassik mit Jazz-Elementen und traditioneller jüdischer Musik zu verbinden. Eine Mischung, die ihren Ausdruck unter anderem in der Klezmer-Rhapsody findet.

Begeisterter Applaus

Der Konzertabend im Vogelsang-Kino, die erste große Veranstaltung nach der Eröffnung, wird wohl vielen in Erinnerung bleiben.

Eindringlich und ehrlich präsentiert Giora Feidman sich und seine Musik. Das exzellente Orchester ist nicht nur Begleitung, sondern Mitspieler und Gegenpart zugleich. Das Orchester und Feidman schaffen eine Symbiose, die anhaltenden und begeisterten Applaus erhält.
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