Aachen - Gesucht: Aachens nächster Generalmusikdirektor

Gesucht: Aachens nächster Generalmusikdirektor

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Über 80 Dirigenten haben sich für seine Nachfolge beworben: Aachens Generalmusikdirektor Kazem Abdullah. Sein Vertrag endet am 31. Juli 2017, den er nicht verlängern möchte. Der Nachfolger tritt sein Amt am 1. August 2018 an. Foto: Andreas Steindl/Ralf Roeger
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Erklären das Verfahren, nach dem die Stadt Aachen einen neuen GMD sucht: Kulturdezernentin Susanne Schwier...
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...und Theater-Verwaltungschef Udo Rüber.

Aachen. Über 80 zum Teil namhafte Dirigenten haben sich auf den Posten des Aachener Generalmusikdirektors beworben. Ab dem 1. August 2018 soll der oder die Auserwählte dann Kazem Abdullah beerben, der seinen Fünf-Jahres-Vertrag, der bereits am 31. Juli 2017 endet, auf eigenen Wunsch hin nicht verlängert.

Wir ließen uns jetzt von Kulturdezernentin Susanne Schwier und dem Verwaltungsdirektor des Theaters Aachen, Udo Rüber, einmal erklären, mit welchem Verfahren die Stadt Aachen nach einem Nachfolger sucht.

Das Anforderungsprofil liest sich wie die geballte Attributenliste eines Supermannes der Musikbranche: Das reicht von der „mehrjährigen Berufserfahrung als Dirigent/in im Konzert- und Opernbereich und organisatorische Erfahrung in der Leitung eines Orchesters“ über „ein hohes Maß an Ausstrahlung gegenüber dem Orchester“ und der Aufgeschlossenheit „gegenüber neuen Formen des Musiktheaters sowie dem barocken Repertoire (alte Musik) und ein persönliches Interesse an der Pflege zeitgenössischer Musik auch im Konzertbereich“ bis zum „Verständnis für die Notwendigkeiten eines budgetierten und plafonierten Theater- und Musikbetriebes“ (plafoniert = nach oben hin begrenzt).

Nicht zuletzt die Fähigkeit, „auch dem Publikum gegenüber eine persönliche Ausstrahlung entwickeln, um neue, insbesondere auch jüngere Konzertbesucher zu gewinnen“.

Eine Liste mit 17 solcher Anforderungen erreichte 105 einschlägige, in Deutschland ansässige Agenturen, die infrage kommende Künstler vertreten. Auf eine bundesweite Ausschreibung, etwa über Stellenanzeigen in Zeitungen, wurde, anders als bei Marcus Bosch und Kazem Abdullah, diesmal verzichtet. „Da hatte sich auch die Blockflötenlehrerin aus der Grundschule beworben“, erzählt Susanne Schwier. Udo Rüber: „Es waren Leute dabei, die gar nicht wussten, was ein GMD ist.“

Im Dezember nahm sich die Findungskommission die Liste der 80 Bewerber ein erstes Mal vor die Brust. „In der nächsten Woche soll sie auf acht bis zehn verdichtet werden“, sagt Susanne Schwier. Die sollen dann im Mai und Juni zu Gastdirigaten eingeladen werden.

Zwei bis drei kommen anschließend in die engere Auswahl, mit denen ganz Besonderes geplant ist, damit sie ihr Können und ihre Fähigkeiten beweisen, ehe einer/eine von ihnen das Amt des GMD am 1. August 2018 übernehmen kann. So wird die Saison 2017/18 erst einmal zu einer Interimsspielzeit, in der der Erste Kapellmeister Justus Thorau die Aufgaben des GMD übernimmt.

Die Findungskommission: Sie besteht aus Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU), Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck, Verwaltungsdirektor Udo Rüber, Kulturdezernentin Susanne Schwier, Kapellmeister Felix Giglberger, Orchestervorstand Arnd Sartor, Theater-Personalrat Uwe Schulz, Theater-Ausschussvorsitzender Josef Hubert Bruynswyck (CDU) sowie sechs Vertretern der Ratsfraktionen von CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke und Piraten. Die geballte Politik also gepaart mit musikalischem Sachverstand.

Zwei externe ausgesprochene Musikexperten sollen nächste Woche dazustoßen. Die Kulturdezernentin rechtfertigt die Zusammensetzung so: „Wir suchen einen Menschen für diese Stadt.“ Und dabei spielten nicht nur künstlerische Fähigkeiten eine Rolle, sondern auch ganz andere, allgemein menschliche wie Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit.

Sie selbst sieht sich durchaus auch nicht unbedingt als sachverständig in Sachen Musik, gibt Susanne Schwier gerne zu und vertraut den Fachleuten in der Kommission. Allerdings für die Beurteilung der nichtmusikalischen, aber gleichwohl wichtigen Fähigkeiten des Kandidaten wie dem Umgang mit einem festgelegten Budget sieht sie sich kompetent. Im Übrigen gleiche die Zusammensetzung der Kommission der üblichen Personalfindung auch in ganz anderen Bereichen. Die Politik stimmt immer mit.

Die zwei bis drei zuletzt Verbliebenen haben ab September 2017 eine finale Hürde zu nehmen: Sie sollen eine Opernproduktion, bei der sie das Werk selbst vorschlagen, auf die Beine stellen, das heißt über Wochen mit dem Sinfonieorchester, mit Sängerinnen, Sängern und den Chören zusammenarbeiten. „Das war der Wunsch des Orchesters“, sagt Schwier, „zu erfahren: Wie fordert er/sie uns, wie eint er/sie uns?“

„Ein guter Strauß von sehr guten Leuten steht parat“, sagt Udo Rüber, und die Dezernentin ergänzt: „Aachen hat sich noch stets als Sprungbrett bewährt.“ Offenbar ein als attraktiv empfundener Standort in der Branche. Und die Ansprüche an den Neuen/die Neue sind nicht gerade bescheiden: Neue, „witzige“ (Schwier) Formate analog zu den RWTH-Konzerten sollen ausprobiert, die Chormusik weiterentwickelt, das „Haus breit aufgestellt“ werden, möglichst in Kooperation mit der freien Szene. Schwier: „Es soll mehr Musik in der Stadt geben.“ Und bei all dem soll das Sinfonieorchester eines auf keinen Fall sein: „Elitär!“ Man darf gespannt sein, welche hochmusikalische, hochkommunikative und -kooperative Koryphäe diese Anforderungen alle erfüllen kann.

Wo Kazem Abdullahs Karriere weitergeht, ist nicht bekannt.

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