Geschwungene Liebesmelodie siegt übers Kampfthema

Von: Alfred Beaujean
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Aachen. Das 6. Aachener Meisterkonzert vermittelte eine Bekanntschaft mit der Russischen Nationalphilharmonie. Sie präsentierte sich, wie bei russischen Klangkörpern üblich, in größter Besetzung.

Wer eine dicke Klangwolke erwartet hatte, sah sich bald eines Besseren belehrt. Dirigent Vladimir Spivakov ist bekanntlich ein renommierter Geiger, der schon von seiner Herkunft nichts von dröhnendem Al-fresco hält. Das wurde bereits deutlich bei der Wiedergabe von Tschaikowskys „Romeo und Julia”, diesem genialen Frühwerk. Die drei Ausdrucksebenen - der Choral des Pater Lorenzo, die espressiv überbordende, weit geschwungene Liebesmelodie, die gegen das erregte Kampfthema antritt - wurden überaus differenziert herausgearbeitet. Nirgends, auch nicht in den dramatisch gespannten Durchführungsteilen, gab es bloßen Lärm.

Chopins erstes Klavierkonzert musste umbesetzt werden, war doch die vorgesehene junge russische Pianistin Olga Kern erkrankt. An ihrer Stelle spielte Evgenia Rubinova, die alles andere als Ersatz war. Mit ungemein flexiblem Anschlag, differenzierter Agogik, dabei ohne jeden Anflug von Manierismus, stellte sie Chopins Frühwerk hin, sorgsam begleitet von Spivakov und seiner Russischen Nationalphilharmonie. Dass er das Orchester bei Chopin in ungeminderter Besetzung spielen ließ, zeugt von der Klangqualität des Ensembles. Natürlich gab es eine Chopin-Zugabe.

Sergej Rachmaninoffs letztes Orchesterwerk, die „Symphonischen Tänze” von 1940, machten den Beschluss. Dass es achtzig Jahre nach der Tschaikowsky-Ouvertüre entstanden ist, unterstreicht die Abseitsstellung des Komponisten, der nie ein Neuerer sein wollte. Umso unverständlicher die Reaktion eines Teils des Publikums, das in der Pause die Flucht ergriff. Von Tänzen kann hier kaum die Rede sein, steht doch eher das Symphonische im Vordergrund. Spivakov leuchtete auch dieses Werk sehr subtil aus, dem raffinierten Klangmagier das gebend, was ihm gebührt. Es gab am Ende eine Reihe von Zugaben.

Das Publikum beruhigte sich erst nach einem Satz aus Tschaikowskys Nussknacker-Suite.

Nächster Termin

Das nächste Meisterkonzert im Aachener Eurogress findet am Samstag, 27. März, um 20 Uhr statt. Dabei gibt die Pianistin Grimaud einen Klavierabend mit Werken von Mozart, Berg und Liszt.
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