Geprägt vom Aufbruchswillen: Nachkriegskunst in Stolberg

Von: eho
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Sie stellten die Ausstellung von Werken der beiden regionalen Kunstpioniere der Nachkriegszeit Hanns Pastor und Hubert Werden in der Villa des Museums Zinkhütter Hof zusammen: Burkhard Werden (links) und Eckhard Creutz. Foto: Dirk Müller

Stolberg. Zwei regionalen Vorreitern der deutschen Nachkriegskunst widmet die Reihe „in memoriam“ in Stolberg jetzt ihre fünfte Ausstellung: Hanns Pastor (1917-2009) und Hubert Werden (1908-2005). Organisiert wird die Reihe, die vorwiegend an künstlerische Größen erinnert, die in Stolberg zumindest entscheidende Schaffensjahre verbracht haben, von den Galeristen Christa und Karl-Heinz Oedekoven.

Die Schau findet wieder statt in der ehemaligen Direktionsvilla im Museum Zinkhütter Hof. Die Eröffnung ist am Sonntag, 25. Oktober, um 12 Uhr.

Pastor gehörte in den 50er und 60er Jahren zu den Pionieren der abstrakten Malerei in Deutschland. Mit Karl Fred Dahmen, Karl Otto Götz, Herbert Kaufmann, Fritz Martin, Hubert Werden und Raoul Ubac zählte er damals zu den „jungen Stürmern“, die zum Teil auch in Frankreich große Anerkennung genossen.

Ein gut erhaltenes Originalplakat einer Pariser Ausstellung „Dahmen Pastor Werden“ aus dem Jahr 1956 liefert jetzt im Zinkhütter Hof dafür ebenso den Beweis wie die handschriftliche Wertschätzung von Fernand Léger für Hanns Pastor, der in seinem Pariser Atelier gearbeitet hat.

Der gebürtige Eschweiler Werden und der in Jülich zur Welt gekommene, in Köln aufgewachsene Pastor gaben nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs neuen Visionen Bilder – und die waren überwiegend abstrakt. Aber nicht nur! Eckhard Creutz, ehemaliger Kulturdezernent in Stolberg und persönlicher Wegbegleiter Pastors, präsentiert als Kurator dieses Teils der Doppelausstellung ausschließlich Werke, die Pastor während seiner Stolberger Zeit zwischen 1947 und 1955 geschaffen hat. Dazu gehört beispielsweise neben einer abstrakten Winterlandschaft auch ein Bild „Aus unserer Wohnung“ – der Blick aus dem heimischen Fenster auf eine Kirmesszene. Auch das Dokument eines Künstlers, der sich in einer Umbruchzeit auf der Suche befand.

Umfangreicher Nachlass

Die jungen Avantgardisten der Region, die sich zum „Aachener Künstlerbund“ und 1952 zur „Neuen Aachener Gruppe“ zusammenschlossen und im Suermondt-Museum ihre ersten Ausstellungen hatten, luden Pastor regelmäßig zu ihren Präsentationen ein. Zu der Gruppe gehörten Künstler wie die Stolberger Karl Fred Dahmen und Fritz Martin und die Aachener Hubert Werden und Rolf Faber.

Werdens Sohn, der Physiker Burkhard Werden, hat den gut 500 Werke umfassenden Nachlass seines Vaters gesichtet und eine Auswahl getroffen, die das ganze Spektrum repräsentiert: von einer zarten Porträtzeichnung aus den 30er Jahren über Temperamalerei auf dem ersten verfügbaren Packpapier nach dem Krieg über die Rasterbilder und Tanzstudien bis hin zum pointiert-reduzierten Alterswerk.

1968 beendete dann Peter Ludwig mit seiner Pop-Art die Vorherrschaft der abstrakten Kunst in Aachen, während die Stadt gleichzeitig ein Zentrum der Fluxus-Bewegung wurde, gespeist von Initiativen aus dem Bereich der Hochschule.

Hanns Pastor arbeitete fortan in Aachen neben seiner künstlerischen Tätigkeit als Kunsterzieher am Viktoria- und Rhein-Maas-Gymnasium, Hubert Werden am Pius- und am Kaiser-Karls-Gymnasium. Beider Werk ist geprägt von der Kraft und dem Willen zum Aufbruch.

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