Aachen - Generalmusikdirektor Kazem Abdullah verlässt Aachen

Generalmusikdirektor Kazem Abdullah verlässt Aachen

Von: Hermann-Josef Delonge
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Nach fünf Jahren soll Schluss sein: Aachens Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, hier auf einem Foto aus dem November 2011 bei seinem Probedirigat mit dem Sinfonieorchester. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der nächste öffentliche Auftritt von Kazem Abdullah mit dem Aachener Sinfonieorchester steht am Samstagabend an. Puccinis „Tosca“ im Theater Aachen, der Generalmusikdirektor wird dirigieren. Der Termin ist sehr gut gebucht, „Tosca“ ist ein Selbstläufer im Opernrepertoire.

Alles ganz normal also? Wenn es nach dem GMD und dem Orchester geht: ja. „Wir haben das Ziel, gemeinsam weiter gute Arbeit für das Publikum hier in Aachen abzuliefern“, sagte Abdullah am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung. Kurz zuvor hatte er das Orchester darüber informiert, dass er nach Ablauf seines Fünfjahresvertrags „neue Herausforderungen“ angehen möchte.

Das Engagement des US-Amerikaners in Aachen endet damit offiziell am 31. Juli 2017, mit Ablauf der nächsten Spielzeit. Abdullah und Aachens Kulturdezernentin Susanne Schwier bestätigten gestern auf Nachfrage entsprechende Informationen unserer Zeitung. „Ich hatte und habe eine sehr schöne Zeit in Aachen: mit diesem hervorragenden Orchester und seinen tollen Musikern, mit dem ausgezeichneten Team im Hintergrund“, sagte der 36-jährige Dirigent. Das klingt fast wie eine Bilanz, auch wenn es dafür eigentlich noch zu früh ist. Gut anderthalb Jahre hat Abdullah in Aachen immerhin noch vor sich. Also: „Wir wollen die positive Entwicklung des Orchesters fortsetzen.“ Eine Erwartung, die er mit dem Orchester teilt. „Kazem Abdullah hat uns informiert, und wir sind wie er fest entschlossen, dass wir bis zu seinem Abschied weiter in guter Atmosphäre miteinander arbeiten werden“, sagte Arnd Sartor vom Orchestervorstand auf Anfrage.

Dass Engagements von Generalmusikdirektoren nach nur einer Vertragsperiode enden, ist nicht unbedingt eine Besonderheit. Trotzdem darf man davon ausgehen, dass ein Entschluss wie dieser nicht von heute auf morgen gefällt wird und dass dem intensive Gespräche vorausgegangen sind. Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck und Verwaltungsdirektor Udo Rüber formulierten es so: „Selbstverständlich akzeptieren wir die Entscheidung von Kazem Abdullah, verstehen aber, dass ein so junger und begabter Dirigent sich neuen künstlerischen Herausforderungen stellen möchte. Wir sind gespannt auf noch viele Konzerte und Opernvorstellungen unter seinem Dirigat bis 2017 hier am Theater Aachen.“

Konkrete Pläne für die Zukunft hat Abdullah nach eigenen Angaben noch nicht. Ob er zurück in die USA gehen oder in Europa bleiben wird? „Das wird man sehen. Ich will mich da noch nicht festlegen“, sagte der GMD.
Die Stadt muss nun die Suche nach einem Nachfolger auf den Weg bringen. Den Posten eines Generalmusikdirektors besetzt man nicht innerhalb von ein paar Monaten. Die Kulturdezernentin wird zunächst die politischen Gremien in Kenntnis setzen. Die Stelle soll dann nicht zwingend ausgeschrieben werden. Schwier schwebt vor, möglicherweise geeignete Kandidaten direkt anzusprechen. Das könnte bis zum Frühsommer geschehen, im Laufe der ersten Hälfte der Spielzeit 2016/17 könnten dann Gastdirigate in Aachen die Auswahl weiter einengen.

Auch Abdullah hatte solche Gastdirigate bestritten, bevor sich die von der Stadt eingesetzte Findungskommission Mitte November 2011 für den damals 32-Jährigen entschied. Der Posten war offiziell ausgeschrieben worden, rund 100 Dirigenten hatten sich darauf beworben. Im Gegensatz zu heute gab es allerdings mehr Zeit, die für ein mehrstufiges Auswahlverfahren genutzt werden konnte.

Abdullah trat dann ein gutes halbes Jahr später die Nachfolge von Marcus Bosch an, der zur Spielzeit 2012/13 ganz nach Nürnberg wechselte. Das Aachener Orchester musste sich auf einen ganz anderen Stil und Charakter einstellen: nach dem die Öffentlichkeit suchenden Bosch mit seiner Vorliebe für das deutsche Fach der eher zurückhaltende Abdullah, der für tschechische Komponisten, die Zweite Wiener Schule und Werke seiner Landsleute schwärmt. Den besonderen Herausforderungen als Nachfolger Boschs war er sich aber bewusst. „Ich kenne die Pflichten eines Generalmusikdirektors, die nicht direkt mit der Musik zu tun haben, sehr genau“, sagte er im Dezember 2011 in einem Interview mit unserer Zeitung.

Doch aktuell steht die Musik im Mittelpunkt, mit „Tosca“ am Samstagabend. Vielleicht dann doch keine ganz normale Vorstellung.

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