Generalmusikdirektor Kazem Abdullah ist „bitter enttäuscht“

Von: Bernd Mathieu
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Der Generalmusikdirektor vor dem Theater Aachen: Am Sonntag, 14. Mai, dirigiert er zum letzten Mal in diesem Haus eine Opernpremiere („Ariadne auf Naxos“). Freiwillig geht er nicht. Foto: Harald Krömer
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Der Dirigent bei der Kurpark Classix: Kazem Abdullah hat bestehende Initiativen aufgegriffen und neue entwickelt. Foto: Andreas Herrmann
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Der Start in Aachen: Kazem Abdullah bei der Vertragsunterzeichnung im Weißen Saal des Aachener Rathauses. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Aachener Generalmusikdirektor Kazem Abdullah verlässt gegen seinen ausdrücklichen Willen die Stadt Aachen. Er wäre sehr gerne geblieben und war bereit, seinen Vertrag um weitere fünf Jahre zu verlängern. Das wurde von der Stadt und Teilen des Sinfonieorchesters Aachen jedoch abgelehnt.

Der 37-jährige Amerikaner sagte unserer Zeitung, er sei deshalb „bitter enttäuscht“. Er habe aus seiner Sicht gute Arbeit geleistet. Die Stadt Aachen hatte ihm schon im Frühsommer 2015 signalisiert, dass sie beabsichtige, sein Engagement in Aachen mit seinem jetzt auslaufenden Fünf-Jahres-Vertrag zu beenden. Die Inszenierung von der angeblich so harmonischen Trennung steht nicht mehr auf dem Spielplan. Kazem Abdullah möchte bei den vielen Fragen, die ihm vom Publikum und von Medien dazu seit geraumer Zeit gestellt werden, nicht weiter um die wahre Antwort kreisen.

Ein Grund für die Nicht-Verlängerung soll vor allem eine Abstimmung des Orchesters sein, die es bereits im März 2015 gab. Dort sprachen sich angeblich zwei Drittel der Orchestermitglieder gegen eine Vertragsverlängerung mit ihrem Chef aus. Musikalisch habe man ihm zwar kaum einen Vorwurf zu machen, hieß es, aber es mangele dem Generalmusikdirektor, der 2012 von der New Yorker Metropolitan Opera (MET) nach Aachen gekommen war, an Kommunikationskompetenz.

Mit ihm, so sagt Kazem Abdullah nun, er habe nichts von der Abstimmung gewusst oder die Gelegenheit gehabt, dazu Stellung zu nehmen. Den Vorwurf mangelnder Kommunikation, der ihm in der Tat auch im Theater gemacht worden sei, habe er zur Kenntnis genommen und den Vorschlag der Kulturdezernentin akzeptiert, ab September 2015, zunächst für ein halbes Jahr, monatliche Treffen zwischen Theaterleitung, Musikdirektor, Kulturdezernentin und zu einem späteren Zeitpunkt auch mit dem Orchestervorstand durchzuführen und in diesen Gesprächen Probleme miteinander zu besprechen und zu lösen. Abdullah wurde in Aussicht gestellt, dass nach dieser Periode noch einmal über die endgültige Entscheidung zu sprechen sei.

Kazem Abdullah: „Die wenigen Gespräche, die dann stattfanden, hatten jedoch eher den Charakter einer Pflichtveranstaltung denn einer substanziellen und produktiven Begegnung.“ Er betont, dass er als Dirigent natürlich „Dinge da, wo es nötig ist“, kritisiere. „Das habe ich getan.“ Als Dirigent könne man nicht als „Dekoration“ dabeisitzen und grundsätzlich „nur nett“ sein. „Konstruktive Kritik hat sehr direkt mit der Qualität und Leistung eines Orchesters und auch von Sängerinnen und Sängern zu tun.”

 „Die Leute mögen mich, die Kritiken sind gut, ich habe neue Felder für Konzerte an Schulen, an der RWTH und anderen Plätzen geschaffen und hatte interessante international renommierte Gäste hier in Aachen, und trotzdem werde ich gefeuert, das kann ich nicht nachvollziehen“, sagt er bitter enttäuscht. Kritik akzeptiere er, aber in einer professionellem Art und Weise.

Für die Zeit nach Aachen hat der Amerikaner zunächst über einen langen Zeitraum eine Reihe fester Gastdirigate bei europäischen und amerikanischen Orchestern vereinbart. Kazem Abdullah war vor seinem Aachener Engagement für drei Jahre als musikalischer Assistent an die Metropolitan Opera in New York berufen worden. In diesem Jahr hatte er bereits ein umjubeltes Gastdirigat beim Detroit Symphony Orchestra und im April ein gemeinsames Konzert mit dem international bekannten Pianisten Martin Stadtfeld in der Türkei. Ebenfalls im April dirigierte er in Mailand mit großem Erfolg die Nürnberger Symphoniker.

„Ich führe die Arbeit hier in Aachen gut zu Ende“, sagt der Generalmusikdirektor. Dazu gehören Opern und Sinfoniekonzerte in Aachen, das Ostbelgien-Musikfest, die 9. Mahler-Sinfonie im Juli sowie „Pferd und Sinfonie“ beim CHIO.

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