Gelungenes Jugendstück im Mörgens: „Monster“

Von: Marc Wahnemühl
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„Monster“ im Mörgens: mit (von links) Karsten Meyer, Lara Beckmann, Julia Doege und Simon Rußig. Foto: Marie-Luise Manthei

Aachen. Sie ist einfach nicht normal, die Situation für die 16-jährige Ducati „Duck“ Macatarsney in Neil Greigs Stück „Monster“. Dabei wünscht sich Duck nichts sehnlicher als genau dies: normal zu sein.

Der Vater Duke, ein kiffender, chronisch kranker Ex-Biker, die Mutter war ebenfalls Bikerin und hat sich auf ihrer Ducati vor Jahren totgerast.

Das Geld ist knapp, die Wohnung oft ein Saustall. Duck (Lara Beckmann) schafft es kaum, den immer schwierigeren Spagat zwischen Haushalt, Schule und Nebenjob im Supermarkt zu meistern – ein Leben, dessen Balance äußerst fragil ist. Und das völlig aus dem Gleichgewicht gerät, als sich die Dame vom Jugendamt zur Überprüfung der Lebenssituation ankündigt. Denn Duke (Karsten Meyer) zittert nicht nur und leidet unter einem steifen Bein, jetzt ist er auch noch erblindet – eine weitere Folge seiner Multiplen Sklerose.

Duck plant, der Dame vom Amt (Julia Doege in einer Mehrfachrolle) die heile Welt vorzuspielen, doch die Zeit reicht einfach nicht, alle Abläufe einzustudieren. Und so muss Duck – wie in ihrem Schauspielkurs an der Schule – improvisieren.

Wenn das so einfach wäre: Die Ausnahmesituation wird noch prekärer, als ihr Schauspielfreund Lawrence (Simon Rußig, ebenfalls in einer Mehrfachrolle) mit einem unmoralischen Vorschlag aufkreuzt und zusätzlich auch noch Dukes norwegische Internetbekanntschaft Agnetha (auch Julia Doege) hereinschneit. Die Verwicklungen, die sich dabei ergeben, inszeniert Catharina Fillers mit viel Gefühl fürs richtige Timing und lässt den Schauspielern den Platz, aus den beiden doch sehr ernsthaften Themen – MS und Jugendliche als Pfleger für einen kranken Elternteil – einen Abend voller Humor, Wortwitz und, im besten Sinne, Slapstick zu machen.

Flott inszeniert

Die Inszenierung ist flott, mitunter auch rasant und nicht nur abwechslungsreich; sie ist auch fordernd. Duck flüchtet sich immer, wenn sie sich überfordert fühlt, in ihre Fantasie- und Traumwelt und färbt sich die Realität „widdewidde“ sie ihr gefällt – fast schon wie eine postmoderne Pippi Langstrumpf, nur ohne Goldschatz, dafür mit viel Kreativität. Dann werden die Zuschauer mit Perspektivwechseln, direkter Ansprache und inneren Monologen konfrontiert.

Das Bühnenbild lässt der Fantasie großen Raum, ein paar Glitzergirlanden sind mal Ducks eigene kleine Welt, mal ein Schrank, mal die Grenzen des Hauses. Mehr Ausstattung braucht „Monster“ nicht.

Dafür dürfen sich die Darsteller richtig austoben, der Spaß am Spiel ist ihnen deutlich anzusehen: Sie singen, tanzen, streuen Glitzer, sprechen das Publikum mal direkt, mal indirekt an, spielen sich die Bälle in mitreißenden Dialogen zu, wechseln in ihren Rollen die Perspektiven oder innerhalb eines Dialoges die Rollen oder sitzen auch mal in den Zuschauerreihen. Doch all das passt in das Stück, das 2014 den Deutschen Jugendtheaterpreis erhalten hat, und bleibt absolut nachvollziehbar.

Die titelgebenden „Monster“, die sich im Flur befinden, sind Ducatis: Motorräder, Sinnbilder für die Sehnsucht nach Freiheit. Ducks Flucht aus der Realität führt sie schließlich dorthin.

Langanhaltender Applaus für einen sehr unterhaltsamen Abend, eine Inszenierung mit vielen guten Einfällen und tollen Darstellern.

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