Gelungener Einstieg mit der „Auferstehungs-Symphonie“

Von: Pedro Obiera
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Justus Thorau führt das Sinfonieorchester Aachen durch Gustav Mahlers „Auferstehungs-Symphonie“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. In der Geschichte des Aachener Eurogress spielt Gustav Mahlers monumentale „Auferstehungs-Symphonie“ eine besondere Rolle. Vor fast genau 40 Jahren, am 4. September 1977, weihte Gabriel Chmura die Halle mit diesem Koloss ein, vor einigen Jahren stellte Marcus Bosch damit die Akustik der frisch renovierten Halle auf eine harte Probe.

Da liegt es nahe, das 40-jährige Jubiläum der Halle mit diesem symphonischen Schlachtross zu begehen. Eine große Herausforderung für Justus Thorau (31), der die angelaufene Saison als kommissarischer Generalmusikdirektor betreuen wird und sich ehrgeizige Aufgaben vorgenommen hat.

Kurz gesagt: Der Einstand ist gelungen. Das ist eine Auszeichnung, hatten doch seine Vorgänger Kazem Abdullah und selbst Marcus Bosch mit Mahler durchaus ihre Probleme. Von den akustischen Bedingungen des Eurogress ganz zu schweigen. Zur Akustik ist zu sagen: Die Mauern hielten im nahezu ausverkauften 1. Sinfoniekonzert der massiven Beschallung stand. Immerhin dreht Mahler spätestens am Ende des gewaltigen Final-Satzes den Lautstärkeregler für das riesig besetzte Orchester und den mit vier Aachener Chören üppig bestückten Vokalpart mächtig auf. Es war klug von Justus Thorau, dass er die dynamischen Schleusen so spät wie möglich öffnete, so dass es ihm gelang, über die längsten Strecken die Schön- und Feinheiten des anderthalbstündigen Werks zum Klingen zu bringen.

Eine geschickte Taktik, auch wenn das Klanggemälde des Jüngsten Gerichts im Finale ein wenig brav wirkte und dem ersten Satz eine Prise Aggressivität fehlte. Allerdings, das zeigten vor allem Boschs und Abdullahs vorherige Aufführungen der klanglich besonders problematischen 6. Symphonie, hält der Eurogress einem allzu offensiven Zugriff nicht stand. Somit garantierte Thorau einen durchweg kultivierten und kontrollierten Gesamtklang.

Keine Probleme bereiteten ihm der Ländler-Charakter des Andantes, die Motorik des dritten Satzes mit ihrem Perpetuum-Mobile-Charakter und die entrückte Sphäre des „Urlichts“, das Katja Starke mit ihrer samtweichen Alt-Stimme „feierlich, aber schlicht“, wie es Mahler vorgibt, vortrug. Das zeugte von einer sorgfältigen Einstudierung, verbunden mit einem hohem Engagement des spielstarken Orchesters, so dass die Hoffnung berechtigt ist, dass Justus Thorau in seiner Interims-Saison den hohen Qualitätsstandard des Orchesters halten kann.

Es spricht auch für Thorau, dass er die Eruptionen des Schlussteils mit Nachdruck, aber ohne verkrampften Überdruck unter Kontrolle hielt. Vier Aachener Chöre waren ihm dabei behilflich: der Opernchor und der Sinfonische Chor Aachen, Ars Cantandi und Cappella Aquensis, so dass nicht nur die von Elena Pierini geleiteten städtischen Chöre zum Zuge kamen, sondern auch zwei von Thomas Beaujean und Hermann Godland betreute Spitzenchöre der Region. Zu nennen ist noch die mit engelsgleicher Schwerelosigkeit singende Sopranistin Suzanne Jerosme, die sich ideal mit der warmen Stimme von Katja Starke verband.

Das Publikum reagierte mit lang anhaltendem Beifall begeistert und wohl auch erleichtert auf das anspruchsvolle und rundum gelungene Debüt des jungen Dirigenten, der sich den großen Schatten seiner Vorgänger bewusst ist, mit seiner Mahler-Interpretation jedoch bereits andeutete, dass er eigene künstlerische Akzente setzen will. Und das ist gut so.

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