Gefühlvoll, packend und rau: Curtis Stigers auf der Burg

Von: Stefan Schaum
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Begeisterte das Publikum auf Burg Wilhelmstein: Curtis Stigers am Saxophon, der von sich behauptet, eigentlich immer ein Jazzsänger gewesen zu sein. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Der Anzug sitzt nicht so richtig. Mindestens eine Nummer zu groß scheint er zu sein, geradezu schmächtig wirkt Curtis Stigers darin. Des Öfteren erinnert der 44-Jährige an einen kleinen Jungen, wenn er im schlackernden Jackett fingerschnippend über die Bühne von Burg Wilhelmstein tänzelt. Doch hat das durchaus seinen Charme.

Und alles andere passt wie angegossen an einem Abend, an dem sich Stigers als ein ganz Großer im Jazz präsentiert.

Der Hit: „I wonder why”

„Ich war eigentlich schon immer nur ein Jazzsänger”, sagt er gleich zu Beginn des Konzertes. Dieser Typ mit der langen dunkelblonden Mähne, der Anfang der 90er Jahre mit der Ballade „I wonder why” die Pop-Charts gestürmt hat, sei „ein ganz, ganz anderer gewesen”. Den gibt es längst nicht mehr.

Nicht nur sind Stigers´ Haare sind jetzt stoppelkurz und grau. Auch die glamouröse Welt der Popstars war nie sein Ding. Er liebt es viel mehr, mit Freunden jazzend auf der Bühne zu stehen.

In Würselen sind es Pianist Matthew Fries, Bassist Cliff Schmidt und Schlagzeuger Keith Hall, die für einen brillanten, klaren Klang sorgen und als Combo glänzend funktionieren. Zwar bleibt jedem der Musiker Platz für Soli, doch ufern diese niemals aus, sondern dienen stets dem Song.

Und den bestimmt die markante Stimme von Stigers.
Die klingt noch immer sehr viel älter, als es der Sänger tatsächlich ist. Dieses raue Timbre, dieser tiefe Klang - kein Wunder, dass der Mann zu Beginn seiner Karriere vornehmlich geschmeidig produzierte Schmachtfetzen sang.

Die hören sich heute live ganz anders an. Als Stigers etwa „I wonder why” anstimmt, ist da zunächst allein seine Stimme. Erst nach und nach kommen die Instrumente hinzu, doch akzentuieren sie bloß hier und da. So wird das oft gehörte Stück zu einem intimen Highlight eines Abends, der nicht arm an Höhepunkten ist.

Clever umarrangiert

Ob Eigenkompositionen oder clever umarrangierte und so zu eigenen gemachte Songs von John Lennon („Jealous Guy”), Joe Jackson („Fools In Love”) und Annie Lennox („Cold”) - jeder Vortrag erntet kräftigen Applaus der gut 900 Zuhörer.

Zum Saxophon, das er meisterlich spielt, greift Stigers selten. Meist steht er mit geschlossenen Augen am Mikrofon und singt. Gefühlvoll. Packend. Als er nach gut eineinhalb Stunden und zwei Zugaben von der Bühne verschwindet, steht das Publikum noch lange applaudierend davor. Nur ein Jazzsänger? Mehr muss es doch eigentlich auch gar nicht sein...
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