„Galgenvögel“: Theater K serviert das letzte Stück in der Bastei

Von: Grit Schorn
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Mit dem turbulenten Stück „Galgenvögel“ verabschiedet sich das Aachener Theater K aus der ehemaligen Bastei-Bar: mit (von links) Mona Creutzer, Barbara Portsteffen, Laura Thomas und Anna Scholten. Foto: Gerd Plitzner

Aachen. In der Buffo-Komödie „Galgenvögel“ von Georges Feydeau (1862-1921) wird die Doppelmoral des gehobenen Bürgertums witzig und grotesk entlarvt. In farbenprächtigem Cinemascope-Format bringt das Aachener Theater K das komödiantische Spektakel mit Schnulzetten und Gedichten von Max Dauthendey auf die Bühne.

Das Premierenpublikum hatte sichtlich Spaß – so auch an der „Mitwirkung“ der echten Fenster im Theatersaal. Die exaltierte Diva Pepita und ihr Mann Plumard, einstiger Kräuterhändler, führen ein Luxusleben in elegantem Ambiente – hier sogar mit drei hübschen Zofen in hinreißenden Roben und lasziven Stellungen. Kesse Galgenvögelchen eben, die die Handlung durchaus vorantreiben. Und die auch zu rachsüchtigen Erinnyen werden können . . .

Hübsch klamottig inszeniert von Annette Schmidt, kann sich die aberwitzige Handlung wie auch die Mimen-Riege voll entfalten. Die „Galgenvögel“ entpuppen sich als skandalhungrige Gesellschaft, die ihre täglichen Aufregungen aus der Zeitung bezieht. Wie Aasgeier stürzen sich alle auf die Meldung über einen flüchtigen Mörder. Als der Sprachlehrer Lemercier hinzukommt, weil er Pepita, die Dame des Hauses, begehrt, geht es bald zu wie im Tollhaus.

Denn der brave Lemercier reist unter falschem Namen, der zufällig auch der Name des Mörders ist. Ein wertvoller Schmuck, ein nässendes Taschenhündchen und ein Polizist, der köstlich von Regisseurin Annette Schmidt mit Bärtchen und tiefer Stimme gespielt wird, vervollständigen das Spektakel. Grandios das umtriebige Paar Pepita und Plumard, das von Mona Creutzer und Anton Schieffer trefflich verkörpert wird. Jochen Deuticke als falsch verdächtigter Unhold ist ebenso präsent wie Martin Päthel als Hausfreund Taupinier.

Entzückend wandlungsfähig

Die Szene, in der der verängstigte Taupinier den vermeintlichen Mörder milder stimmen will, indem er sich ebenfalls als Gewalttäter präsentiert, hätte Szenenapplaus verdient. Barbara Portsteffen, Anna Scholten und Laura Thomas entzücken als wandlungsfähiges Zofen-Trio. Ismael Hawramy überzeugt als Conférencier.

Später konnte das geneigte Publikum im einst „verruchten“ Foyer Rouge der ehemaligen Bastei-Bar noch feiern, trinken und Musik hören: Das bekannte Anirahtak & Jürgen Sturm-Duo trat erstmalig gemeinsam mit Saxofonist Boris Bausback auf. Mit Mackebens unvergesslichem Lied „Bei dir war es immer so schön“ und natürlich mit „Bye bye Bastei“ (nach dem Song „Bye bye Blackbird“) klang der Abend aus.

Zwischen Nostalgie und Aufbruchstimmung bewegt sich das beliebte Theater im alten Gemäuer der Bastei, die vielleicht zum Abriss freigegeben wird. Doch zunächst gibt es ein abwechslungsreiches Programm bis zur Sommerpause. Danach wird man wohl in der Soers ein vorübergehendes Domizil beziehen. Die Theater-K-Karten werden dann neu gemischt.

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