Fritz Eller: Ein Baumeister großer Vielfalt und Originalität

Von: Bernd Mathieu
Letzte Aktualisierung:
14076248.jpg
Architekt, Baumeister, Professor: Fritz Eller wird am Dienstag 90. Auch seine Kinder Klaudia, Philipp, Erasmus und Marc sind Architekten. Erasmus hat Vaters Büros in Düsseldorf, Berlin und Moskau übernommen. Foto: Mathieu
14075648.jpg
Düsseldorf: Der kreisförmige Landtag ist Fritz Ellers wichtigstes und wahrscheinlich auch bekanntestes Bauwerk. Er hat damit ein einzigartiges und sehr exklusives Parlamentsgebäude geschaffen, das bis heute Maßstäbe setzt. Foto: dpa
14075661.jpg
Köln: Imhoff-Stollwerck-Schokoladenmuseum am Rhein. Foto: imago
14075667.jpg
Aachen: Aus der Schirmfabrik wird das Ludwig Forum für Internationale Kunst. Foto: AZ/AN-Archiv
14075672.jpg
Der Baumeister und die Stifter: Fritz Eller mit Irene und Peter Ludwig. Foto: AZ/AN-Archiv
14075663.jpg
Bochum: die Gebäude der Ruhruniversität. Foto: dpa
14075659.jpg
Aachen: Technologiezentrum an der Dennewartstraße. Foto: M. Jaspers

Aachen. Die Liste der Projekte, Entwürfe, Gebäude und der Arbeiten seines Büros sowie der Zusammenarbeit mit anderen Büros ist lang, sehr lang. Und sie umfasst klangvolle Namen.

Der Aachener Architekt und Baumeister Fritz Eller hat mit dem Büro Eller, Maier, Walter und Partner (vorher Eller, Moser, Walter und Partner) zahlreiche Wettbewerbserfolge erzielt, die für Kreativität, Phantasie, Vielfalt, Originalität und gleichzeitig das Notwendige stehen. Sie gehen in den Bauwerken dieser Architekten eine elegante und schöne Verbindung ein. Mit ihnen hat Fritz Eller ein wichtiges Stück deutscher Baugeschichte geschrieben.

Fritz Eller wird am Dienstag 90 Jahre alt. Der Besucher im Haus Gut Muffet, das der Architekt 1957 aufwendig um- und angebaut hatte, als er von Kaarst mit seiner Familie nach Aachen zog, begegnet einem jung gebliebenen Menschen mit klugem Kopf, vielen präzisen Erinnerungen, wesentlichen Analysen und fachspezifischen Perspektiven.

Der Österreicher aus Tirol ist seit 62 Jahren mit seiner Frau Trude verheiratet. Beide wohnten in Schwaz in der selben Straße. Aufmerksam wurde er auf sie, als er Student und sie 15 war. „Ich musste warten, bis sie 18 wurde, dann durfte ich sie zum ersten Mal zum Ball einladen, so streng war das damals.“ Vor allem Trude freute sich über den Umzug von Kaarst nach Aachen. Fritz Eller: „Hier gibt es zwar keine Berge, aber wenigstens Hügel.“

Fritz studierte Architektur an der Technischen Hochschule Graz, und nach seinem Examen 1953 gab es in Österreich keinen Job für ihn. Mit seinen Studienkollegen Robert Walter und Erich Moser wechselte er auf Empfehlung seines hoch verehrten Herrn Professors in das angesehene Architekturbüro Hentrich-Heuser nach Düsseldorf.

Erstes Projekt dort war die Restaurierung von Schloss Jägerhof (heute Museum). Auch die Arbeit des Architekten fand auf der Baustelle statt, parallel kümmerte sich Fritz Eller abends und nachts um den Entwurf das BASF-Hochhauses in Ludwigshafen. Sein Büro gewann den Wettbewerb für das erste bundesdeutsche Hochhaus-Projekt nach dem Zweiten Weltkrieg – 100 Meter hoch.„Im August waren wir nach Düsseldorf gekommen, im Dezember gewannen wir den ersten Preis.“

Es ging eben schnell, und schnell folgten unter seiner Mitarbeit weitere Wettbewerbserfolge, unter anderem für Boehringer Ingelheim, Hochhaus der Bayer-Verwaltung in Leverkusen und Dreischeibenhaus (Thyssen) in Düsseldorf 1957. Als Fritz Eller 1962 ein Laborgebäude für BASF geplant hatte und realisierte, kamen Professoren der RWTH Aachen, schauten sich um und luden ihn zu einem Vortrag nach Aachen ein. Der damals 35-Jährige, der „Böses geahnt hatte“, wurde zum Professor und Lehrstuhlinhaber für Entwerfen von Hoch- und Industriebauten berufen. „Damals wurde man noch berufen, man bewarb sich ja nicht.“ Gleichzeitig war er Direktor des Instituts für Schulbau an der TH. 30 Jahre arbeitete er schließlich als Professor an der TH.

1964 gründete er mit seinen ehemaligen Kommilitonen die Bürogemeinschaft Eller Moser Walter und Partner in Düsseldorf, die sich schnell bundesweit und später international einen Namen machte. Der erste Auftrag war damals zugleich die größte Baustelle Europas: die auf der grünen Wiese entstehende neue Ruhr-Universität Bochum, eine Initiative des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Franz Meyers und seines legendären Kultusministers Paul Mikat.

Die Architekten mussten eine komplette Uni planen mit Hörsaalzentrum, Verwaltung und Gebäuden für Geistes-, Natur-, Ingenieurwissenschaften und Medizin. „Und es musste auch hier natürlich schnell gehen, da damals nur 60 Prozent der NRW-Studierenden in ihrem Bundesland studieren konnten, das gefiel Meyers und Mikat überhaupt nicht.“ Nordrhein-westfälische Hochschulen gab es damals nur in Köln, Bonn, Münster und Aachen.

Es folgten unter anderem Aufträge für die Hochschulen in Duisburg (die Rundbauten der Gesamthochschule werden im Volksmund „Keksdosen“ genannt), Dortmund und Wuppertal. Eller war in einem Partnerschaftsprojekt an den Planungen für das Europa-Center in Berlin gegenüber der Gedächtniskirche beteiligt, zu Zeiten des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt. Auch die alte Unilever-Firmenzentrale in Hamburg hat er mit geprägt.

Sein für ihn persönlich wichtigstes Werk ist der NRW-Landtag in Düsseldorf. Mit seinem Büro gewann er 1979 den Wettbewerb so überzeugend, dass von der Jury nur der erste Preis vergeben wurde. Der Landtag am Rhein ist Fritz Ellers Meisterwerk. „Unser Ziel war ein Landtag, der sich dem Bürger öffnet.“

Er besteht aus Kreisen. „Vorgegeben war die Idee, das Plenum des Parlaments in Kreisform zu bauen“, erklärt Eller sein Vorgehen. „Und diese Form haben wir auf die Fraktionssäle und die Ausschusssäle übertragen. Das setzte sich fort bis zu den Räumen der Abgeordneten, die ja in Nähe zum Plenarsaal sein sollten.“

300 Millionen D-Mark hat das Parlamentsgebäude gekostet, ohne wesentliche Kostenüberschreitung. „Eine Geschichte wie bei der Elbphilharmonie war damals völlig undenkbar und ausgeschlossen.“

Das Schokoladenmuseum in Köln, das Technologiezentrum in Aachen und der Umbau der Schirmfabrik Brauer in das Ludwig Forum für Internationale Kunst sind weitere Marksteine in Fritz Ellers so bemerkenswerter Biografie. Es sollte eben kein Museum, sondern ein Forum sein, betont Eller auch heute noch und ist froh, dass der neue Leiter Andreas Beitin diesen Gedanken wieder belebt. Und er bedauert, dass das Bauhaus für Europäische Geschichte in Aachen per Bürgerbegehren von der architektonischen Landkarte gefegt wurde.

„Dieses so avantgardistische Projekt wäre eine sehr schöne Sache geworden, es hätte Aachen gut getan.“ Unsere Gesellschaft habe keinen Mut mehr, in die Zukunft hinein zu denken, etwas zu schaffen, was unserer Zeit und der Sicht auf die Zukunft einer Stadt entspreche. „Auch Aachen hat den Mut verloren, es wird keiner mehr wagen, ein solches Projekt zu initiieren.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert