Frauenpower im Das Da Theater: Ayckbourns „Doppeltüren”

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Immer wieder neue Ideen hat der britische Dramatiker Alan Ayckbourn, Jahrgang 1939, für seine vielgespielten Stücke, die oft tragikomische Einblicke in Familienverhältnisse geben. Mit „Doppeltüren” zieht er das Publikum in einen Zeittunnel in einem Nobelhotel.

Im Aachener Das Da Theater konnten die Zuschauer eine spannungsreiche Zeitreise miterleben.

Schon Frank Rommerskirchens Bühne, die großstädtische Weite und die Enge der gefährlichen Doppeltüren vereint, hat etwas Unheimliches. Man schreibt das Jahr 2024, als die attraktive Prostituierte Paula die Hotelsuite 647 betritt. „Geile Hütte”, vermerkt sie, unaufhörlich Kaugummi kauend, und will nur ihren „Job” machen. Mit zwei alten Herren hat sie allerdings nicht gerechnet. Doch keiner von beiden will ihre Dienste. Während der zynische Julian kurz entschwindet, gesteht ihr der grauhaarige Reece gleich zwei Morde. In seinem Auftrag hat Julian die erste und auch die zweite Ehefrau von Reece aus dem Weg geräumt. „Das war nötig für die Karriere.”

Das soll 1991 gewesen sein, im Geburtsjahr von Paula. Sie soll das Geständnis mitnehmen und weiterleiten. Paula gerät in Todesangst, zumal der unheimliche Spitzbart Julian wieder auftaucht und sie bedroht. Mit dieser überaus plastischen Krimi-Szene spielt sich Michaela Spänle als junge Domina bereits in die Herzen der Zuschauer. Bei ihrer Flucht durch die „falsche” Tür gerät sie wiederum in die Suite 647 - der Zeittunnel ist eröffnet! Sie trifft auf Ruella, die zweite Frau von Reece. Aber die soll doch längst tot sein!?

Ein abenteuerliches Karussell dreht sich spannungsgeladen, oft auch witzig und herrlich boulevardesk: Schlägt eine Tür ins Schloss, wird eine andere geöffnet. Als auch noch die zweite ermordete Frau, Jessica, auftaucht, wird allen im Theater klar: Das Trio verbündet sich, nur Frauenpower kann jetzt noch helfen, sich aus der Zeitfalle zu befreien.

Stimmig, einfallsreich und überaus unterhaltsam ist die Inszenierung von Tom Hirtz, der die Schauspieler in 100 Minuten ohne Pause zu Höchstleistungen bringt. Da wären die etwas nervigen Stroboskop-Blitze und das ständig wiederkehrende dumpfe Dröhnen gar nicht nötig. Denn die Spannung steigt auch so, zumal Julian immer wieder auftaucht, um zu morden. Ganz schön böse wirkt Tobias Steffen in dieser Rolle.

Und der reumütige Reece, von Philipp Scholz fein grauhaarig dann doch als Gentleman gespielt, findet zu sich selbst. Köstlich lebensecht verkörpert Mike Kühne den Hoteldetektiv Harold. Ebenso gefällt Mona Luana Schneider als Jessica. Und Rebecca Selle imponiert als Ruella, eine kluge und besonnene Frau, die Paula hilft und ins Herz schließt. Dem Zeittunnel entrinnt schließlich auch Paula, auf eine so verblüffende Weise, dass sie hier nicht verraten werden darf. Verdienten Riesenapplaus bekamen die gelungene Inszenierung und das Ensemble.

Termine im Das Da Theater an der Liebigstraße bis 11. November, Donnerstag bis Sonntag, 20 Uhr. Karten: Tel. 0241/161688.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert