Fotokünstlerin Barbara Leisgen im Alter von 76 Jahren gestorben

Von: Eckhard Hoog
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Ein international hoch geschätztes Fotografen-Duo: das Aachener Ehepaar Barbara und Michael Leisgen. Barbara Leisgen ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Die Aufnahme entstand im Juni 2013 während einer Ausstellung im Eurode Bahnhof Herzogenrath. Foto: Eckhard Hoog

Aachen. Sie gehören zum Urgestein der Aachener Künstlerschaft, ihre erste Ausstellung hatten sie 1974 in der von Wolfgang Becker geleiteten Neuen Galerie – Sammlung Ludwig, seither präsentierten sie ihre Werke in ganz Europa: Barbara und Michael Leisgen.

Ihre Leidenschaft ist die Arbeit mit der Kamera – sie war es, leider: Barbara Leisgen ist am 24. April, eine Woche nach Ostern, im Alter von 76 Jahren gestorben. Das teilte uns Iva Haendly-Dassen, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins der Freunde des Ludwig Forums Aachen, am Mittwoch mit.

Seit 1970 trat das Ehepaar als Fotografen-Duo in der Kunstszene auf, sie stellten ausschließlich gemeinsam aus. Beide hatten sich kennengelernt während ihres Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, und beide hatten überaus prominente Lehrer: Barbara Horst Antes, Michael Georg Meistermann.

Beide gelten als Mitbegründer der eigenständigen Kunstgattung der Lichtkunst. Ihre Arbeiten sind in den bedeutendsten Museen Europas zu finden, etwa im Centre Pompidou in Paris, in Kunstsammlungen unter anderem in Amiens, Metz und Reims, und sie nahmen an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil. Eine große Retrospektive fand 1997 in Paris statt

Eine Auswahl ihrer Werke aus 40 Jahren gab es auch im Eurode Bahnhof Herzogenrath im Jahr 2013. Im Zentrum standen dabei ihre „Sonnenschriften“, bei denen sie das Leuchten unserer Lebens- und Energiespenderin mittels einer Langzeitbelichtung und der kontrollierten Kamerabewegung einfingen.

Aber sie zeigten weit mehr als nur ihre längst zu Markenzeichen gewordenen Lichtkunstwerke: zum Beispiel eine hintergründige fotografische Hommage an den Philosophen Walter Benjamin, der sich in seinen Schriften mit Musik und Fotografie auseinandergesetzt hat. Und als Reminiszenz an eine langsam untergehende Kultur Bilder von Heckenlandschaften in Belgien, die mehr und mehr im Verschwinden begriffen sind.

Die künstlerische Karriere indessen begann auf dem Sprungbrett der Neuen Galerie – Sammlung Ludwig. Da wohnten sie noch im belgischen Raeren, Michael Leisgen arbeitete als Kunsterzieher am Aachener Einhardgymnasium. Die unmittelbar folgende Teilnahme an der Biennale in Paris bedeutete für sie der Durchbruch. Ihr erstes großes fotografisches The- ma: die Landschaft, doch sogleich unter einer immer deutlicher werdenden, typischen Leisgen-Perspektive und einer ganz besonderen künstlerischen Motivation: das Zeichenhafte im Alltäglichen zu finden.

Das war es, was die Leisgens mit ihrer Kamera aufzuspüren suchten: eine verborgene Magie in Gegenständen, Handlungen oder einfach im geheimnisvollen Spiel von Licht und Schatten. Landschaften, Menschen, Gesichter, Spuren im Sand, die Sonne – all das geriet ihnen unter der Hand über die Sprache archaischer Zeichen in eine Art kultischen Zusammenhangs.

Die eigentümliche Magie der Fotografie, Dinge und Momente buchstäblich „bannen“ zu können, verband sich dabei symbolhaft mit der Suche nach dem Ursprung der Kunst und der Verbindung von Mensch und Natur. Paradebeispiel für dieses Streben sind eben jene „Sonnenschriften“, in denen sie mit präziser Hand die Kamera vor der Sonne bewegten, um auf diese Weise als Lichtspur Zeichen zu gewinnen.

Die Sorge um die gefährdete Natur geriet früh in den Mittelpunkt. So zeigten sie 2016 im Centre Pompidou Metz mit neun Farbfotografien unter dem Titel „Pink Depression“ aus dem Jahr 1982 den in einem Bach treibenden Körper einer pink und rot gekleideten Frau – wie Ophelia aus Shakespeares Tragödie „Hamlet“, kurz bevor sie ertrinkt. Das Künstlerpaar wollte damit auf die giftigen Abwässer einer belgischen Fabrik aufmerksam machen.

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