Aachen - „Fluch der Tantaliden“ im Mörgens: Die Götter „rappen“

„Fluch der Tantaliden“ im Mörgens: Die Götter „rappen“

Von: Christina Merkelbach
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Mythologischer Rapper: Tim Knapper im Mörgens. Foto: K. Malik

Aachen. Dieser Myrtilos kommt mitten aus der Bronx. Er trägt Turnschuhe, ein Sporttrikot, die Baseball-Kappe tief ins Gesicht gezogen. Die weite Hose sitzt locker auf den Hüften. Um seinen Hals baumelt trophäengleich ein großes Lenkrad aus Pappe. Der königliche Wagenlenker aus der griechischen Mythologie, Sohn des Götterboten Hermes, wird im Mörgens zum wütenden Gangster-Rapper.

Schauspieler Tim Knapper hat aus den Sagen rund um den unglückseligen Tantalos und seine geplagten Nachfahren einen ebenso frechen wie originellen Text gereimt. Unterstützt von Florian Hertweck und dem Musiker Malcom Kemp, präsentiert Knapper alias MC Jacques Tabaque seine Version vom „Fluch der Tantaliden“. „Roap“ nennt sich diese Uraufführung des Aachener Theaters, ein Mix aus Rap und Soap. „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und „Verbotene Liebe“ sind kalter Kaffee gegen das, was im alten Griechenland geschieht. Denn dieTantaliden meucheln und morden, vergewaltigen, spinnen Intrigen und lügen um die Wette.

Dieses beispiellose Feuerwerk an fatalen Verstrickungen greifen Knapper und Hertweck durch Tempo und Lautstärke auf: In der knappen Stunde, die das Stück dauert, springen, hüpfen und tanzen die beiden über die Bühne, wälzen sich auch schon mal auf dem Boden, das Mikrofon stets in der Hand. Hertweck, im hautengen, schwarzen Ganzkörperkostüm samt Maske, gibt in einer kurzen Sequenz den selbstverliebten König Oinomaos als stepptanzenden Entertainer in bester Las-Vegas-Manier und erntet dafür viele Lacher aus dem Publikum. Malcolm Kemp liefert aus dem Computer passgenau die Rhythmen zu Knappers solidem, zwischen aggressiv und ironisch wechselndem Sprechgesang. Zwischendurch dürfen es auch düstere Elektrobässe, Gitarrenmusik oder sogar seichtes Fahrstuhlgedudel sein.

Damit der Zuschauer bei dem mythologischen Personal mit Namen wie Klytämnestra den Überblick behält, prangen sie in Comicschrift auf großen Schildern. Im Comic-Stil sind auch die Pappfiguren und die beiden Pappwolken gehalten, die das extrem reduzierte Bühnenbild bestimmen. Das passt, schließlich ist die Handlung umfangreich genug. Vom Publikum, viele Schüler mit ihren Lehrern, gibt es für die eigenwillige und sehr unterhaltsame Erzählweise der blutrünstigen Klassiker kräftigen Applaus.

Weitere Aufführungen am 7., 20., 26. und 27. Februar. Karten in allen Servicestellen Ihrer Tageszeitung.

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