Flirrende Pixel: Intergalaktische Show von Radiohead in Köln

Von: Susanne Schramm
Letzte Aktualisierung:
Sirene im Rausch: Thom Yorke i
Sirene im Rausch: Thom Yorke in Köln.

Köln. Am höchsten Punkt des Innenraums wölbt sich das Dach der Lanxess-Arena 42 Meter über dem Boden. Der Bühnenaufbau ist weniger als halb so hoch, er erstreckt sich nur bis zum Kranz der Logen. Es reicht, um gigantisch zu sein.

Hinter Thom Yorke, Ed Oe_SSRqBrien, Phil Selway, den Brüdern Colin und Jonny Greenwood und Zusatz-Drummer Clive Deaner ragt eine Wand auf, die dicht mit Leuchtdioden bestückt ist. So dicht, dass sie beinahe lebendig wirkt. Pulsierende Poren, flirrende Pixel, schimmernd, leuchtend, beständig die Farbe wechselnd. Fast wie menschliche Haut.

Die Stahlkonstruktion dahinter bleibt den Blicken der 11.000 Fans verborgen. Im Juni ist sie in Toronto zusammengestürzt, Tontechniker Scott Johnson (33), Freund und Kollege der Band, kam ums Leben, drei weitere Crew-Mitglieder wurden verletzt. Der Gig in Toronto wurde abgesagt, ebenso wie Konzerte in Deutschland, Italien und der französischen Schweiz. Ende September wurden die Auftritte auf der Berliner Wuhlheide nachgeholt.

Montagabend spielen Radiohead in Köln. Das leise Grauen, das sich in den Blick auf die blinkende Fassade mischt, verschwindet rasch angesichts der intergalaktischen Multimedia-Show, mit der die Briten mehr als zwei Stunden lang aufwarten. Die Protagonisten wirken wie an Bord eines UFOs gebeamt.

Zwölf bewegliche Videoleinwände gleiten im Scannerflug an der Diodenfront auf und nieder, quadratischen Spiegelscherben gleich, die sich zu immer neuen Verbänden formieren, vertikal, diagonal, horizontal. Sie schneiden die Akteure in Stücke, zeigen trommelnde Hände, Lippen, die sich bewegen, Hände an Griffbrettern oder auf Tasten.

Perfekt zum Angriff der Körperfresser passt die Musik. Eine epische Supernova, ein komplexer Klangsturm, der die Grooves zerhackt und die elektronischen Schlaufen miteinander verzwirbelt, ein Turbo-Mix aus fragilen Momenten, hypnotischem Beat-Sog und der markanten, hoch frequenten Stimme von Yorke.

16 Stücke und drei Zugaben-Sets mit acht weiteren Songs währt der Zustand rauschhafter Entgrenzung. Nur wenn nach „Paranoid Android” 11.000 Menschen beginnen, mit den Füßen zu trampeln, wenn die Schrauben aus den Absperrungen in den Innenraum fliegen und der Boden bebt, kann man kurz, und ganz real, Angst bekommen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert