Hückelhoven - Filmtage Hückelhoven werden nicht mehr fortgeführt

Filmtage Hückelhoven werden nicht mehr fortgeführt

Von: Günter H. Jekubzik
Letzte Aktualisierung:
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45 Jahre lang war es jedes Mal ein lebendiges, fröhliches Fest der Völkerverständigung: die Institution „Belgisch-Niederländisch-Deutsche Filmtage Hückelhoven“ in der Aula des Gymnasiums. Dieses Jahr ist Schluss damit – das Abitur G8 hat den Schülern ebenso zugesetzt, wie sich das Filmsehen insgesamt verändert hat. Anbieter wie Netflix und YouTube haben vieles verändert. Foto: Gisela Münnzenberg-Wiers
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44 Jahre gehörte sie zum Organisationsteam der Filmtage Hückelhoven: Gisela Münzenberg-Wiers. Foto: Franziskushospital

Hückelhoven. 45 Jahre Filmtage Hückelhoven – das sind Hunderte Filme und Tausende Jugendliche aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland, die Kultur der Nachbarn kennengelernt haben. Die Institution „Belgisch-Niederländisch-Deutschen Filmtage Hückelhoven“ wird in diesem Herbst nicht mehr fortgeführt.

Das Organisations-Team rund um Gisela Münzenberg-Wiers musste angesichts eines Medien- und Zeitenwandels mit großem Bedauern aufgeben.

Man musste dieses lebendige, fröhliche Fest der Völkerverständigung einmal erlebt haben, um die Einmaligkeit der Filmtage Hückelhoven wirklich schätzen zu können: In der Aula des Gymnasiums wurden über Jahrzehnte keine Reden zu Europa gehalten, keine Medaillen vergeben, hier wurde Völkerverständigung mit viel Spaß und Begeisterung gelebt.

Das Organisationsteam wählte aktuelle und relevante Filme der drei Länder aus, die dann jedes dritte Wochenende im November vorgeführt und diskutiert wurden. Mehrere Generationen von Schulklassen der Region um das Dreiländereck verbrachten drei Tage im interkulturellen Austausch. Oder um es so konkret und einfach zu sagen: Sie lernten sich wirklich kennen.

Mit Fassbinder ging es los

Es ging mit Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“, Alexander Kluges „Gelegenheitsarbeit einer Sklavin“ und Wim Wenders’ „Alice in den Städten“ bei den deutschen Beiträgen los. Die doppelten Cannes-Gewinner Jean-Pierre und Luc Dardenne aus Lüttich waren in den letzten Jahren mit ihren Filmen vertreten. Die Filmauswahl war immer erstklassig und oft preisgekrönt.

Das älteste Filmfestival der Region verordnete sich noch 2015 eine Verjüngungskur, der Blick ging von der Region in die Welt hinaus. 2013 war selbst der mittlerweile auf YouTube berühmte Julian Bam dabei, damals noch als Mitglied von „JuBaFilms“. Aber der Wandel in Medienrezeption von Film im Kino zum Internet zz Hause war nicht der einzige Grund für das Ende der Filmtage Hückelhoven.

Die Aachenerin Gisela Münzenberg-Wiers war im Organisations-team seit 44 Jahren und damit am längsten dabei. Sie erzählt, dass sich der Teilnehmerkreis immer mehr verkleinert hat und mangels Förderung die Finanzierung nicht mehr möglich war. Vor allem hätte in eine adäquate Technik der Aula Hückelhoven investiert werden müssen.

Es erwies sich als immer schwieriger, die begleitenden Lehrer zu begeistern: „Natürlich ist der Generationswechsel bei den Lehrern ein Punkt. Die Einstellung, die Lehrer vor 10, 20 Jahren hatten, gibt es kaum noch.“ Das verkürzte Abitur G8 führte dazu, dass die Schüler „so voll geladen mit Unterricht, schulischen und außerschulischen Aktivitäten sind, dass nicht viel Zeit für Wochenendaktivitäten bleibt“. Aber vor allem hat sich durch Netflix, YouTube und all die anderen Anbieter „das Filmsehen in den vergangenen Jahren verändert“. Doch das Interesse an Diskussion sei nach wie vor vorhanden gewesen.

Trotzdem blieb das Team, zu dem auch der Aachener Filmkritiker Rolf-Rüdiger Hamacher gehörte, bis zum Schluss mit großer Begeisterung dabei. „Das Gefühl am Ende der Veranstaltung, Zufriedenheit über die Resonanz bei den Teilnehmern, Spaß und Freundschaft, gute Filme und gute Gespräche“, haben Gisela Münzenberg-Wiers über die Jahre die Energie gegeben, das Event zu stemmen. Auch die Auszeichnung „Begegnung 2010” der „Sparkassen-Stiftung zur Förderung der Völkerverständigung“ habe sehr gut getan.

Das Filmschaffen der beteiligten Länder sei mittlerweile transparenter und besser einsehbar geworden, „sei es über DVD, diverse Anbieter oder Besuche in den Kinos der Nachbarländer“. Gisela Münzenberg-Wiers betrachtet das Ende der Filmtage mit einem lachenden und weinenden Auge. Denn es hat sich vieles zum Guten gewandelt: „Wir sind vor 45 Jahren angetreten, eine Veranstaltung für Jugendliche durchzuführen, die das Verständnis für unsere Nachbarländer fördern und Vorurteile abbauen sollte. Das war in einer Zeit vor Europa.“

Dank eines vereinten Europas und verschiedener Generationswechsel gäbe es diese Vorurteile nicht mehr. In den letzten Jahren wurde bei den Diskussionen in Hückelhoven automatisch in die englische Sprache „verfallen“, man habe also im Laufe der Jahre eine gemeinsame Sprache gefunden, man habe gelernt den Nachbarn zu akzeptieren. „Ich hadere nicht damit, dass diese Veranstaltung nicht mehr stattfindet, sondern bin der Meinung, wir haben unsere Aufgabe erfüllt.

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