Filigrane Figuren und feine Farben

Von: Eva Rother
Letzte Aktualisierung:
kunstbild
Stellen in der ehemaligen Reichsabtei aus: Inge Schmidt (links) und Ines Hock. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ein schmales Farbband schlängelt sich in sanften, unregelmäßigen Schwingungen an den Wänden des barocken Mittelsaals der ehemaligen Reichsabtei Aachen-Kornelimünster entlang. In der Mitte des Raums sind in einem offenen Karree schmale Holzstelen gruppiert, manche doppelt, ineinander verschlungen; in der Mitte ziert eine Figur keck ein verknoteter Lappen.

Farbband und Rauminstallation illustrieren das Programm der neuen Ausstellung in der Sammlung Kunst aus NRW: „Von Farben und Figuren.” Die Kölner Künstlerinnen Ines Hock und Inge Schmidt ergänzen sich in ihrem sensiblen, zurückhaltenden Umgang mit Farbe (Ines Hock) und Gestalt (Inge Schmidt).

Man mag im Zusammenhang mit Inge Schmidt kaum von „Bildhauerei” sprechen. Zu grob scheint dieser Begriff für ihre zarten, filigranen Arbeiten. Aber dennoch sind die „Schnittstücke” im Festsaal an der Kreissäge entstanden. Die harten Einschnitte, manchmal durch helle Farblasuren gemildert, lösen sich im Licht- und Schattenspiel zu eleganten Lichtrhythmen.

Durch den Schnittstücke-Wald blickend ergeben sich immer neue Bildausschnitte von Ines Hocks Farbband. Sie hat Acrylfarbe auf Folie aufgetragen, diese vor Ort geschnitten und an der Wand zusammengesetzt. So kann das Werk in einen Dialog mit seiner besonderen Umgebung treten und nähert sich selbst der Bildhauerei an. Für ihre reinen Farbbilder verwendet Hock Ölfarbe, die sie in mehreren sehr dünnen Schichten aufträgt. Es sind keine grellen Farben, kein pastoser Farbauftrag, sondern Atmosphäre stiftende, sehr nuancenreiche „Traumfarben”.

Auf ganz zurückhaltende Art entfalten großformatige Bleistiftzeichnungen, gerahmt, aber ohne Glasabdeckung, eine verblüffend räumliche Wirkung. Kleine Striche, eingesunken in das Büttenpapier, ergeben eine buchstäbliche Stofflichkeit, die manchmal an Rips oder Moiree erinnert und einen Rhythmus im Raum schafft.

Der Raum steht bei der Bildhauerin Schmidt im Fokus ihres Interesses. Dabei ist ihr ganzes Tun völlig unprätentiös und unaufdringlich. Sehr bescheidene, „arme” Materialien wie Kiefern- oder Fichtenholz, Plastikfolie, Kordel oder (Well-)Pappe verbindet sie zu überraschenden Figuren und Formen. Scheinbar provisorisch stehen bogenartige Konstrukte oder Pappkästchen, die einem Vogel-Häuschen ähneln, herum; aufgebockt auf einer hölzernen Platte ist eine Vielzahl kleiner Objekte versammelt, die Neugier, Entdeckerfreude und Spürsinn der Betrachter einfordern.

Die Ausstellung wird am Samstag, 8. Mai, um 16 Uhr in der ehemaligen Reichsabtei eröffnet und ist bis zum 4. Juli zu sehen. Öffnungszeiten: Di u. Mi 10 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr; Sa 15 bis 18 Uhr; So 12 bis 18 Uhr.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert