Feuerwerk der Artistik auf der Geige entfacht

Von: Thomas Beaujean
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Selbst auf der Bühne des Eurogress wurden für das Publikum Zusatzstühle aufgestellt: Der Stargeiger gastierte in seiner Heimatstadt und wurde gefeiert: David Garrett in Aachen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wann hat es das bei einem Konzert mit klassischer Musik in Aachen gegeben? Ein seit Monaten ausverkauftes Eurogress, zusätzlich geschaffene Sitzplätze auf der Bühne - und vor Konzertbeginn am Einlass Schilder mit der Aufschrift „Suche Karte”!

Mit der Verpflichtung des in Aachen geborenen und aufgewachsenen Geigers David Garrett war der Konzertdirektion Weinert tatsächlich ein großer Coup gelungen. Bei seinem Heimspiel, dem ersten nach vielen Jahren, wurde der Stargeiger und Teenie-Schwarm, der mit zwei Crossover-CDs auf vorderen Plätzen in den Charts landete und sein Rebellen-Image höchst geschickt vermarktet, vom Prager Kammerorchester begleitet. Das Ensemble arbeitet ohne Dirigenten.

Das Programm war ganz auf den Solisten zugeschnitten. Dennoch erhielt das Orchester mit zwei Beiträgen Gelegenheit, eigenes Profil zu zeigen. Mit drei aus den zehn Legenden op. 59 von Anton Dvorak zauberten die Prager zu Beginn auf sehr authentische und klanglich abgerundete Weise heimatliches Kolorit auf die Bühne.

Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104, seine letzte überhaupt, erklang in einer ausgefeilten, kultivierten, klanglich recht weich konturierten Wiedergabe, der man einen Schuss mehr an Vitalität gewünscht hätte. Da ist man heute schärfere Artikulation und stärkere Kontraste gewöhnt.

David Garrett, im dunklen Look mit schwarzer Lederhose und lässigem, mediengeschultem Auftreten, spielte Max Bruchs 1. Violinkonzert g-Moll mit großer technischer Souveränität und einer Intensität und Größe des Tons, die sich mühelos gegen das Orchester behaupten konnten.

Scheinbar spielerisch leicht

Einige überflüssige Glissandi (mit dem Finger auf einer Saite gleiten) trübten etwas den glänzenden Eindruck seines Vortrags und rückten vor allem den langsamen Satz in die Nähe des Schnulzigen. Bewundernswert die Flexibilität des dirigentenlosen Orchesters, das sich nahezu reibungslos mit dem Solisten verständigte.

Mit Pablo de Sarasates Introduktion und Tarantella op. 43 am Schluss des Konzertes gab Garrett dann dem Affen Zucker: Es gab ein Feuerwerk an violintechnischer Artistik, die der junge Geiger mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit meisterte. Das Orchester war hier nur noch Klangfolie. Dass es danach Ovationen eines enthusiastischen Publikums geben würde, war abzusehen.

Die erste Zugabe blieb auf der gleichen Linie: Paganinis zirzensische Variationen über eine Melodie, die hierzulande mit dem Text: „Mein Hut, der hat drei Ecken” bekannt ist; und als Ausklang das Schönste: die Sarabande aus der ersten Solo-Partita von Johann Sebastian Bach in einer sehr innigen Wiedergabe. Die Begeisterung des Publikums konnte nur durch den resoluten Abgang des Orchesters beendet werden.
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