Köln - „Fettes Brot“ stürmen mit Turbo-Antrieb die Bühne

„Fettes Brot“ stürmen mit Turbo-Antrieb die Bühne

Von: Susanne Schramm
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Geben alles und feiern temperamentvoll: Fettes Brot mit Björn Warns, Martin Vandreier (Mitte) und Boris Lauterbach. Foto: Thomas Brill

Köln. Wenn‘s nicht so schön wär‘, dann wär‘s zum Heulen. Der Tourauftakt von Doktor Renz (Martin Vandreier), König Boris (Boris Lauterbach) und Björn Beton (Björn Warns) am Samstagabend in Köln gerät zum Triumph. Nix mit „Wackelige Angelegenheit“.

Statt dessen ein vollmundiges „Kannste kommen“, und schon beim dritten Stück „Erdbeben“ stehen auch die auf den Rängen bis hoch unters Dach und feiern mit dem Dreigestirn des deutschen HipHop dessen eruptive Wiederauferstehung. „3 is ne party“ heißt das neue Album nach fast fünf Jahren Studiopause.

Generalprobe in Düsseldorf

Der Titel ist Programm. Heulen müssten die Kölner im Publikum deshalb, weil das Trio tags zuvor eine Art Generalprobe abgehalten hat. Ausgerechnet in Düsseldorf, dazu noch in einem kleinen Club, im „ZAKK“, und, fast schon intim, vor 300 Fans. Aber ehe die Dom-städter die Taschentücher auspacken, lassen sie sich lieber fragen: „Schon mal einen Rapper geküsst?“ Und sind dabei, wenn Fettes Brot 14 000 Fans in der Lanxess-Arena erklären, wie es geht. Da kann man 300 vorwitzige Düsseldorfer locker verschmerzen.

Mit „Wackelige Angelegenheit“, „Kannste kommen“, KussKussKuss“ und zehn anderen Songs hat das Riesen-Drei-Rad des Rap die komplette Packung von der neuen Scheibe im Gepäck. Und da das – trotz vieler erhellender Kommentare („Die Liebe ist eine unserer Kernkompetenzen“), Breakdance-Einlagen und effektvoll verwendeten Requisiten wie Bierbüchsen, Pappnasen und einem mit Drum-sticks bespielbaren Einkaufswagen – für gut zwei Stunden nicht annähernd ausreicht, ist noch satt Platz für jede Menge Schmankerl.

Dabei erweist sich, dass „Josephine“ von der neuen CD gegen „Emanuela“ nicht ankommt – auch wenn die schon acht Jahre älter ist. Aber noch längst nicht abgelegt – so, wild, wie die Arena dabei auf und nieder wogt, als sei es ein gigantisches Fahrgeschäft, das gerade auf Turboantrieb geschaltet hat. Turbo ist auch der Sound, es gibt megamächtig was auf die Ohren. Dank Verstärkung im hinteren Bühnenbereich hagelt es Bass-Sounds und Beats, Knöpfe und Klöppel laufen heiß, die Samples sausen und brausen, die Cuts knallen volle Kanne rein, und das, was remixed wird, kommt nicht aus Reagenzgläschen im Schullabor sondern direkt aus der Profi-Hexenküche.

Fast genau zur Halbzeit servieren die drei Frontmänner mit „Jein“ einen weiteren unverzichtbaren Baustein der eigenen Legendenbildung. Kann man aber noch toppen. Mit einem Medley, das auch den Fantas („Sie ist weg“), Das Bo („Türlich, türlich) und Falco („Rock Me Amadeus“) die Ehre erweist, und in einem Affenzahn über die Bühne geht. Auch Laser, die Gitter und Schranken aus Licht formen oder wie von einem Bolzen abgeschossen quer durch die Arena jagen, oder „Nordisch By Nature“ mit neckischer „What Shall We Do With A Drunken Sailor“-Einlage tragen zur galaktisch guten Laune bei. Mit „Echo“, einer geradezu erholsamen Ballade vom neuen Album und einem Platzwechsel – auf die andere, vis-á-vis der Bühne gelegene, Hallenseite – läuten sie kurz vor 23 Uhr den Zugabenteil ein. Manche Rapper möchte man tatsächlich küssen.

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