Festival „Spannungen”: Liebesschmerzen am idyllischen Rursee

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Heimbach. Seit 14 Jahren wirkt Heimbach mit seinem einwöchigen Festival „Spannungen - Musik im Kraftwerk Heimbach” wie ein Magnet auf Spitzenmusiker und Musikfreunde aus nah und fern.

Auch in diesem Jahr ist es Lars Vogt, dem Gründungsvater und künstlerischen Leiter des Fests, sowie dem ausrichtenden Kunstförderverein Kreis Düren wieder gelungen, eine illustre Schar erstklassiger Musiker an den Rursee zu ziehen. Allzu abenteuerliche Besetzungen sind diesmal allerdings nur punktuell eingestreut. Klassische Standardformationen vom Duo bis zum Klavierquintett geben den Ton des dennoch abwechslungsreichen Programms an.

Auch das Eröffnungskonzert beschränkte sich auf Werke in Trio- und Quartettstärke. Darunter bekannte Highlights wie Brahms Klavierquartett in c-Moll op. 60, aber auch die wesentlich seltener zu hörenden Fantasiestücke für Klaviertrio von Robert Schumann oder die „Episodi e Canto perpetuo” des lettischen Zeitgenossen P?teris Vasks. Da auch Vasks seine „schwere Reise durch Elend, Enttäuschung und Leiden der Liebe entgegen” emotional nicht weniger intensiv zum Klingen bringt als Brahms seinen tiefen Liebeskummer in seinem Klavierquartett, erhielt der Eröffnungsabend einen ungewöhnlich pointierten romantischen Schwerpunkt.

Intensität bestimmte alle Vorträge. Brahms mit besonders heißer Nadel gestricktes Quartett verleitete stellenweise sogar zu einer verbissen aggressiven Haltung, die manche melancholische Sentenz überrollte. Selbst das melodiengesättigte Andante kam nicht richtig zur Ruhe. Eine sehr konsequente, wenn auch etwas einseitig auf Druck getrimmte Interpretation durch Lars Vogt, Isabelle Faust (Violine), Volker Jacobsen (Viola) und Gustav Rivinius (Violoncello).

Verhaltener gingen Gergana Gergova (Violine), Tanja Tetzlaff (Violoncello) und Lauma Skride (Klavier) die acht Elegien aus Vasks Trio an. Die fahlen Klänge, die erstarrenden Zeitverläufe in Reminiszenz an Messiaens „Quartett vom Ende der Zeiten” wurden eindrucksvoll ausgespielt. Auch den wenigen schroffen Attacken blieb man nichts an Nachdruck schuldig. Allein die dynamisch langsam an- und abschwellenden letzten Teile ließen sich noch weiträumiger vorstellen.

Bevor Lars Vogt, Hans-Joachim Güttler vom Arbeitskreis Spannungen und Ulrich Hartmann von RWE Power als Hausherr des Jugendstilkraftwerks das Eröffnungspublikum begrüßten, setzten Lauma Skride, Isabelle Faust und der Cellist Alban Gerhardt mit Robert Schumanns Fantasiestücken die ersten romantischen Akzente des Abends. Eine Interpretation ohne emotionalen Überdruck und zugleich eine dankbare Begegnung mit einem eher vernachlässigten Werk.

Am Mittwochabend wird das Festival mit Werken von Bruch, Krenek, Berg und Brahms fortgesetzt. Zu den Ausführenden gehören Nils Mönkemeyer (Viola), Sharon Kam (Klarinette), Alban Gerhard und Gustav Rivinius (Violoncello) sowie nicht zuletzt Lars Vogt.
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