Festival „Spannungen“ erfolgreich zu Ende gegangen

Von: Pedro Obiera
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Sie beeindruckte mit neuen Werken als Gast-Komponistin der „Spannungen“: die Schottin Helen Grime. Foto: Gudrun Klinkhammer

Heimbach. Nach einem der ganz großen Kammermusikwerke Franz Schuberts, diesmal dem ebenso großartigen wie selten zu hörenden Oktett in F-Dur, schloss das Jugendstilkraftwerk in Heimbach seine Pforten als Gastgeber des Kammermusikfestivals „Spannungen“ am malerischen Rursee.

Im nächsten Jahr können sich Lars Vogt, der künstlerische Leiter des einwöchigen Fests, der austragende Kunstförderverein Kreis Düren und die gesamte „Spannungen-Familie“ auf ein rundes Jubiläum freuen. Seit 20 Jahren erfüllen dann bekannte und weniger bekannte Schätzchen des Kammermusikrepertoires eine Woche lang das immer noch aktive Kraftwerk. Eine Dimension, die sich der Initiator Lars Vogt bei der Planung seinerzeit nicht hat träumen lassen.

Die Anziehungskraft auf Besucher und Musiker der ersten Liga aus allen Regionen und Nationen ist ungebrochen und das Repertoire unerschöpflich. Und selbst wenn Ausnahmewerke wie etwa Messiaens „Quatuor pour la fin de temps“ schon dreimal in Heimbach erklungen sind, sorgen die wechselnden Besetzungen immer wieder für Überraschungen.

Obwohl die Programmplanung bewusst bunt ausgerichtet ist, haben sich in diesem Jahr zwei Schwerpunkte abgezeichnet. Un-ter dem Thema „Aufbruch“ wurden etliche Jugendwerke bekannter Komponisten wie Schönberg, Webern, Bartók, Rachmaninow und Korngold vorgetragen, die stilistisch, mit Ausnahme des jungen Mendelssohn, noch wenig mit dem später ausgeprägten Personalstil der Meister gemein haben.

Und selbst späte Werke Schuberts wie das Oktett und vor allem die Fantasie in f-Moll für Klavier zu vier Händen zeigen Schubert als Meister, der in seinem Todesjahr noch zu neuen Ufern aufbrechen wollte, was dessen früher Typhus-Tod jedoch jäh verhinderte.

Helen Grime begeistert

Der Ruhm, oft erst der Nachruhm vieler Komponisten lässt vergessen, dass viele ihrer Lebensläufe Biografen von Flüchtlingen sind. Dankbar darf man für die Erinnerung an die kürzlich verstorbene Berliner Komponistin Ursula Mamlok sein, die als Jüdin Deutschland verlassen musste und erst vor acht Jahren in ihre Berliner Geburtsstadt zurückkehrte. Bei ihr gibt es noch vieles zu entdecken.

Das gilt auch für die junge schottische „Composer in Residence“ Helen Grime, die in Heimbach unter anderem mit der Uraufführung einer Sonate für Oboe und Klavier begeisterte, die der Heimbach-Debütant Lucas Macías Navarro und der Pianist Huw Watkins aus der Taufe hoben. Eine Komponistin, die sich in England und Amerika großer Bekanntheit erfreut, für Deutschland jedoch noch zu entdecken gilt.

Ohne die Qualität der Interpretationen begäbe man sich mit den originellen und anspruchsvollen Programmen auf ein risikoreiches Glatteis. Mittlerweile gehören etliche Spitzenmusiker wie die „Tetzlaffs“, der Cellist Gustav Rivinius, die Geigerinnen Antje Weithaas und Isabelle Faust oder die Klarinettistin Sharon Kam zu den ganz treuen Stützen des Fests, das durch neue Kräfte zusätzlich belebt wird. Ein Aufmarsch einer Musikerelite, der an dieser Stelle nur annährend hinreichend gewürdigt werden kann.

Von nennenswerten Programm- oder Besetzungsänderungen blieb das Fest diesmal verschont. Der Umzug der öffentlichen Proben und der Vortragsveranstaltungen in die Burg Hengebach hat noch zu manchen Orientierungsproblemen geführt, die im Jubiläumsjahr 2017 behoben sein dürften. Und damit darf man sich auf eine Wiederbegegnung vom 19. bis 25. Juni 2017 freuen.

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