Feine Klänge im Bergmannshaus

Von: Stefan Schaum
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Hohe Fenster sorgen für ein Spiel aus Licht, auch die feine Akustik begeistert die Festivalmacher: Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter (links) und Prof. Hans-Christian Schweiker sind fasziniert von der Akustik der Umformerhalle. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. An die Musik hat hier vor gut 100 Jahren kein Mensch gedacht. Als in Alsdorf das Fördermaschinenhaus des Eduardschachtes entstand, wollten die Architekten ein Herzstück der neuartigen Elektroförderung errichten. Gebaut haben sie offenbar auch einen Konzertsaal. Denn nun zeigt sich, dass das alte Gebäude eine Akustik hat, die ihresgleichen sucht.

Seit 2011 findet im heutigen Energeticon das Kammermusikfestival „Mai Klassik“ statt. Eine Liebesgeschichte, wenn man so will.

Der Musiker Prof. Hans-Christian Schweiker hat das Festival auf den Weg gebracht, weil ihn der Ort schier überwältigte. Als der Dozent der Hochschule für Musik an Tanz Köln vor Jahren in Alsdorf ein Konzert erlebte, war er optisch sofort von der Bergmannskulisse beeindruckt. „Aber da dachte ich, dass der Raum nie und nimmer gut klingen kann.“ Nach den ersten Tönen war er baff. Und erklären kann er sich bis heute nicht, warum die alte Halle klingt, wie sie klingt. Jedenfalls: „Sie klingt fantastisch!“ Und so fand sein lang gehegter Traum eines Kammermusikfestivals endlich eine Heimat.

Sicher war es ein Wagnis, dass diese Heimat in Alsdorf lag. Kammermusikalisch hatte die Stadt bis dato schließlich nichts zu bieten. Doch die Resonanz war schon bei der Premiere groß – und im vergangenen Jahr war die „Mai Klassik“ erstmals ausverkauft. Auch die Zahl der Abonnenten nimmt deutlich zu. Das ist wohl das zweite Geheimnis. „Hier ist alles sehr familiär, hier stimmt die Nähe. Während eines Konzertes ist alles eine Einheit. Die Musiker, das Publikum, alles.“ Und wenn er Kollegen anruft und zum Konzert nach Alsdorf einlädt, sagen die nicht selten: „Da waren wir zwar noch nicht – aber wir haben schon so viel Gutes darüber gehört.“

Abendgarderobe braucht niemand

Dass dort „Vorstandsvorsitzende neben Kanalarbeitern Platz nehmen“, wie Schweiker sagt, ist der dritte Grund für den Erfolg. Abendgarderobe braucht hier niemand. Im alten Bergmannshaus ist die Kammermusik eine entspannte Sache. „Wir wollen nichts Verkopftes, Abgehobenes“, sagt Schweiker, der in seinen humorigen Moderationen die Schöpfer der großen Werke vorstellt. Und das waren ja nicht selten arme Schlucker. Das Herz, die Wärme, die Nähe – auch das spielt hier bei den Konzerten eine große Rolle.

Selbst Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter – eigentlich ein Jazz-Fan – ist durch das Festival auf den Geschmack an der Klassik gekommen. „Hier wird ein emotionaler Zugang zu den Werken hergestellt, den ich so noch nicht erlebt habe.“ Und wenn die Zuhörer am Ende eines Konzertabends stehend applaudieren, „hat man auf der Bühne glatt das Gefühl, dass hier gleich alles zusammenkracht“. Aber da hat das rustikale Bergmannsgebäude sicher schon ganz anderes ausgehalten.

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