Faszinosum Orient im Goethe-Museum

Von: Maryam Schumacher, dpa
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Düsseldorf. Das Bild des Orients war über Jahrhunderte geprägt von Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Dieses Image hat sich grundlegend gewandelt.

In der heutigen Wahrnehmung wird manches von negativen Klischees geprägt: Petrodollars lassen Hotels aus dem Wüstensand sprießen, undemokratische Regime unterdrücken die Bevölkerung, und Krisen prägen den politischen Alltag.

Eine Ausstellung im Düsseldorfer Goethe-Museum zeigt einen Rückblick auf die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur des Orients und hält damit der heutigen Sichtweise einen Spiegel vor. Unter dem Titel „Begegnung mit dem Fremden - frühe Orientbilder im 17. bis 19. Jahrhundert” werden von Sonntag an bis zum 15. November Sammlungen von historischen Landkarten, Reisebeschreibungen und Skulpturen präsentiert.

Insbesondere finden dabei die Schilderungen des schleswig- holsteinischen Schriftstellers Adam Olearius (1599-1671) Beachtung. Er war es, der mit Expeditionen nach Russland und Persien Abenteuerreisen zu einer Wissenschaft erhob. Daneben werden auch Goethes Handschriften der Gedichtsammlung „West-östlicher Diwan” ausgestellt. Die Verse sind ein Produkt der Bewunderung Goethes für die islamische Religion und Kultur. Früh hatte er Gedichte von Hafez gelesen, dem berühmten persischen Dichter des 14. Jahrhunderts.

Die zahlreichen Ausstellungsstücke dokumentieren eine tiefe Faszination, von der die Begegnungen mit dem Orient geprägt waren. Der Kontrast zum heutigen Umgang mit dieser Weltregion könnte kaum größer sein. An die Stelle einer wissbegierigen Auseinandersetzung mit der Geschichte und der kulturellen Vielfalt treten oftmals holzschnittartige Kategorien, wie Kampf der Kulturen, Achse des Bösen und Wiege des Terrorismus.

Die Ausstellung verzichtet darauf, dies plakativ nebeneinander zu stellen. „Wir wollen den Orient als Faszinosum darstellen, nicht als Bedrohung”, sagt der Vorsitzende des Bonner Arbeitskreises selbstständiger Kulturinstitute, Prof. Volkmar Hansen. Der Arbeitskreis präsentiert die Ausstellung, gefördert wird sie vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert.

Ganz in der Vergangenheit verweilt die Ausstellung aber nicht. Zwischen den Vitrinen mit Dokumenten, Büchern und Porzellanstücken reihen sich die modernen Bilder des rheinischen Künstlers Heinz Mack (78), der im Jahr 2001 nach Iran reiste. Seine Bilder sind stark beeinflusst von iranischen Motiven und islamischen Symbolen: Das kräftige Türkisblau, die Farbe des Propheten Mohammed, wird als Grundlage für ein Bild mit geometrischen Formen genommen. Der rote Faden in Macks Werken ist die Unvoreingenommenheit gegenüber dem Fremden.

Wie für Mack, stellte schon für Olearius und Goethe der Orient ­ und besonders der Islam ­ keine Bedrohung dar. Vielmehr wird in der Ausstellung deutlich, dass der viel beschworene Dialog zwischen Abend- und Morgenland keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist, sondern schon lange andauert. Im Nachlass zum „West-östlichen Diwan” schreibt Goethe: „Wer sich selbst und andere kennt, / wird auch hier erkennen: / Orient und Okzident / Sind nicht mehr zu trennen.”
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