Faszination des banalen Alltags: Meisterfotos von Ken Heyman im KuK

Von: Eckhard Hoog
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Mit intimen, privaten Aufnahmen von Ernest Hemingway wie dieser gelang Ken Heyman 1958 der Durchbruch auch als Porträtfotograf. Das KuK in Monschau zeigt ab morgen 130 seiner Fotos. Foto: Ken Heyman
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Ihm widmete Ken Heyman eine ganze Serie: dem vierjährigen Willie, Sohn einer Prostituierten. Foto: Ken Heyman

Monschau. Der Bauer in Indonesien plackt sich ab mit einem beladenen störrischen Pferd, dem Metallarbeiter in den USA läuft der Schweiß die Stirn herunter, eine fette amerikanische Mum langt in die Popcorn-Tüte, ein nigerianischer Landarbeiter schleppt eine Ladung Holz hinter sich her, Kinder in Tokio lugen im Regen unter Schirmen hervor – lachen, blicken neugierig oder skeptisch.

All das Momentaufnahmen von völlig unterschiedlichen Menschen während des ganz banalen Alltags irgendwo auf der Welt. Eines eint sie alle: Sie gehören zur großen Familie dieser einen Menschheit. Der amerikanische Fotograf Ken Heyman, Jahrgang 1930, bereiste über 60 Länder, um die Gesichter der Menschheit für sein Projekt „The World‘s Family“ in allen Schattierungen zu dokumentieren, dazu angeregt und begleitet von der legendären Ethnologin Margaret Mead (1901-1978).

„Der große Humanismus, den solch eine Arbeit ausstrahlt, ist einfach faszinierend“, bekennt Nina Mika-Helfmeier, die Leiterin des Kunst- und Kulturzentrums der Städteregion Aachen (KuK) in Monschau. Mit rund 130 Arbeiten von Ken Heyman leitet sie jetzt ihr Jahresprogramm von vier herausragenden Foto-Ausstellungen ein.

Vier Werkgruppen

Die Schau ist gegliedert in vier Werkgruppen. Die unprätentiöse Art, mit der Heyman intensiv Atmosphäre und scheinbar unscheinbare Situationen in Schwarz-Weiß einfängt, findet sich dabei durchgängig in allen Themenbereichen wieder.

Heyman dokumentiert die Pop-Art, da erlebt die gerade erst ihre Geburtsstunde. Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, James Rosenquist, Andy Warhol, Tom Wesselmann – die späteren Heroen der Kunst und der Hochglanzmagazine, hier sind sie noch die unverbraucht, gleichwohl selbstbewusst wirkenden jungen Männer mit ganz typischen Charaktereigenschaften. Warhols spätere Obsession zur Selbstinszenierung scheint sich bereits mit dem kecken Blick in die Kamera und einer perfekt wirkenden Positionierung geradezu anzukündigen. Das sind Aufnahmen – wie eben erst geschossen.

Die erste Begegnung der beiden ist eine Geschichte für sich: Heyman, von dritter Seite gebeten, einen mittellosen Künstler zu unterstützen, lädt Warhol zu sich nach Hause ein. Der schlägt ihm vor, sein Badezimmer für 400 Dollar zu streichen. Gesagt, getan. Als Heyman tags darauf seine Wohnung betritt, findet er im Bad einen riesigen Baum und bunte Schmetterlinge vor – über alle Wände, die Decke und den Fußboden hinweg gemalt. Später brennt es in der Wohnung – der Fotograf bereut es bis heute, dass er sein Warhol-Bad nie fotografiert hat.

1963 erblickt Heyman in einem Hauseingang in einer Nebenstraße der Lower West Side in New York einen Menschen, der ihn auf Anhieb berührt – er widmet ihm eine regelrechte fotografische Doku-Serie, die an sechs Tagen innerhalb von zwei Monaten entsteht: Es ist der vierjährige Willie, Sohn einer Prostituierten, dessen Leben sich fast vollkommen auf der Straße, vor grau-schwarzen Häuserblocks abspielt.

„Es sind Momentaufnahmen, die Willies Fantasie zeigen, seine Suche nach Verständnis, seinen Kampf um Akzeptanz und Liebe, und die Freude und Aufregung, die seine Straße ihm bot“, kommentierte der Fotograf selbst so treffend seine Willie-Serie. die das kleine, und doch so große Glück im simplen Alltag auf berührende Weise eingefangen hat.

1958 gelingt Heyman der Durchbruch als Porträtfotograf mit sehr intimen, privaten Aufnahmen des als absolut störrisch und ablehnend geltenden Ernest Hemingway. Das Porträt mit der Katze ist Heymans Lieblingsbild.

Von Monroe bis Picasso

Im Laufe seiner langen Karriere fotografiert Ken Heyman über hundert bekannte Persönlichkeiten aus allen Bereichen – Politiker, Schauspieler, Schriftsteller und bildende Künstler, darunter Audrey Hepburn, Marilyn Monroe, Anthony Quinn und Pablo Picasso.

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