Fantasie-Fresko auf zwölf Quadratmetern

Von: Eckhard Hoog
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Monumental: Rund zwölf Quadra
Monumental: Rund zwölf Quadratmeter misst das Bild, das der Aachener Maler Eric Peters als Auftragsarbeit für das Russische Museum St. Petersburg in sieben Monaten angefertigt hat. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ein selten traumhafter Auftrag erreichte den Aachener Maler Eric Peters vor gut sieben Monaten aus Russland: Ein Bild sollte er malen für das Ludwig-Museum im Russischen Museum St. Petersburg. Thema, Größe, Stil, Farbe, Material - alles völlig egal.

Hauptsache: Ein echter Peters gelangt an die Newa. Die Gemälde des gebürtigen Stolbergers sind nämlich äußerst rar und zumeist schon in die USA verkauft, da ist die Farbe noch gar nicht getrocknet. Ganze 59 seiner überwiegend riesigen Werke präsentierte der Marmorpalast in St. Petersburg im letzten Jahr. Bei der Eröffnung musste die Straße vor dem Museum gesperrt werden, das Publikum feierte den so genial malenden Künstler aus dem fernen Aachen wie einen Pop-Star.

Die einzige Lösung

Den größten Wunsch des Museums konnte Eric Peters allerdings nicht erfüllen: wenigstens ein Bild in St. Petersburg zurückzulassen - sämtliche Werke sind in Privatbesitz. Einzige Lösung: ein Auftragswerk. Sieben Monate hat er nun in seinem Atelier an der Aachener Bismarckstraße daran gearbeitet, Tag für Tag, von morgens bis abends - mit gelegentlichen Abstechern zu anderen Malgründen, versteht sich. Jetzt ist es fertiggestellt, wir durften es als erste im Original sehen. In diesen Tagen reist Joseph Kiblitzky, Direktor im Russischen Museums St. Petersburg, nach Aachen, um das Gemälde zu begutachten.

Der erst Eindruck: überwältigend monumental. Riesig, zwölf Quadratmeter groß. In der Mitte balanciert ein Nashorn auf einer Kugel, umkreist von drei weiblichen asiatischen Gesichtern über altflämischen Kragen. Fünf Leoparden umspringen kreisförmig die ganze Szenerie und erinnern entfernt an Dalís hechtende Tiger in dessen berühmtem Bild „Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen”. Titelmäßig kann es Peters durchaus mit Dalí aufnehmen: „Der Kollaps der Weltenfunktion - Antestad - Progression of the Art” nennt er sein Werk. Wobei „Antestad” ein Kunstwort ist und „Vorstadium” meint.

Vor der Anmut, Kraft, Eleganz und Schönheit der federnden Raubkatzen tritt die hintergründige Symbolik für den Betrachter erst einmal vollkommen zurück - die Malerei selbst, technisch hochvirtuos gespritzt, getupft, breit und spitz gepinselt, bannt den Blick. Die feinen Details kontrastieren dabei voller Spannung mit der krustigen, mit farbigen Lichtpunkten versehenen Oberfläche des selbst geschöpften Papiers, das zusammen mit Matten aus dem Landschaftsbau in mehreren Schichten den gut zehn Zentimeter dicken Malgrund bildet. Kein anderes Material könnte diese wuchtig-grobe Wirkung eines archaisch anmutenden Freskos entfalten.

Weisheit des Laotse

Die Leoparden bilden genau besehen eine Mischung aus Kreis und Spirale und nehmen Bezug auf eine Weisheit des chinesischen Philosophen Laotse: „30 Speichen umgeben die Nabe: In ihrem Nichts besteht des Wagens Werk.” Heißt so viel: Wie das Rad besteht die Welt zum größten Teil aus - nichts. Der wahrnehmende Mensch setzt sie für sich selbst sinnvoll zusammen. Und erkennt womöglich, dass unten der sechste Leopard fehlt, der Kreis aber über die Blicke der springenden Wesen geschlossen wird.

Peters stellt Fragen nach der Wirklichkeit von Realität, vereinigt in seinem gedanklichen Hintergrund Quantenphysik und chinesische Philosophie, sieht im Zusammenhang des asiatischen Gesichts mit dem flämischen Kragen die „Vermischung der Welt” und in dem eigentlich unmöglichen Kraftakt des Nashorns das utopische Streben nach künstlerischer Perfektion.

Aber um all das muss sich der Betrachter nicht kümmern, man muss es auch nicht verstehen, um sich von der Ästhetik des Bildes fesseln zu lassen.

Damit es transportabel wird und überhaupt durch die Tür seines Ateliers passt, hat der Künstler das Gemälde ganz brutal mit der Kreissäge in drei Teile zersägt und auf der Rückseite wieder zusammengeschraubt. Insofern ist die Realität am Ende doch viel mächtiger als all die Gedanken, die man sich darum macht......

Im nächsten Jahr gibt es eine große Peters-Schau in Houston, Texas. Anschließend könnte sich eine Ausstellungstournee durch europäische Museen ankündigen. Aber darüber will der Meister noch nicht sprechen.
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