Familienstück im Theater Aachen: Im Schaumbad platzen die bösen Pläne

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
11294854.jpg
Das Familienstück „Der . . . Wunschpunsch“ nach dem Buch von Michael Ende im Theater Aachen endet in einem Schaumbad: mit (von links) Annette Weitzmann, Björn Jacobsen, Hannes Schumacher und Marie Hacke. Foto: Marie-Luise Manthei

Aachen. Potzblitz – es kracht ganz schön im Reich des bösen Zauberers Prof. Dr. Beelzebub Irrwitzer. Da rummst es mal eben, als ob 007 kurz einen Abstecher ins Theater Aachen, ins diesjährige Familienstück gemacht hätte.

Indessen: Die aktuelle Generation Bond, Menschen ab sechs, nimmt‘s gelassen, reagiert hocherfreut auf den explosiven Zunder, der da videotechnisch-akustisch mit aller Macht auf die Bühne knallt. Wie schön, das kennt man doch von anders her!

Und als unablässig Ströme von weißen Gischtblasen aus einem Riesenrohr die Bühne in ein einziges Schaumbad verwandeln, da kennen Staunen und Vergnügen im jungen Publikum keine Grenzen mehr. Ein einziges Johlen und Jubeln im Saal. Die Inzenierung des Stücks „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ nach dem Kinderbuch von Michael Ende setzt ganz auf effektvollen Theaterzauber. Und der kommt bestens an.

Liebevoll gestaltete Bühne

Ein liebevoll gestaltetes Bühnenbild (Detlev Beaujean) mit viel geheimnisvollem Geblubber und waberndem Gedampfe im Zaubererlabor, kernige, lustige und seltsame Figuren, eine ziemlich plausible, recht lebendig gestaltete Handlung (Regie: Martin Philipp), fantasievolle Kostüme (Lea Reusse) und spielfreudige Darsteller, denen das Ganze selbst offensichtlich sehr viel Spaß macht – all das macht die 75-minütige Vorstellung zu einem spannenden Vergnügen.

Da fallen manche dramaturgische Schwachstellen – überlange Dialoge und eine nicht enden wollende Liste an Zutaten für den final hergestellten Zauberpunsch – kaum ins Gewicht.

In einem trockengelegten Schwimmbad mit Sprungbrett, Stahlleiter und haufenweise Kisten – von oben lugen ein aufblasbares Schwimmkrododil und dessen Kollege Hai herunter – alchemistet Beelzebub Irrwitzer (Björn Jacobsen) böse Blubbersubstanzen zusammen, um damit im höllischen Auftrag vorwiegend Umweltverbrechen wie das tausendfache Abmurksen von Bäumen zu begehen. Im giftgrünen Kittel wieselt er krumm wie Max Schreck in „Nosferatu“ über die Bühne – jäh irres Gelächter ausstoßend. Grusel, vergnüglicher Schauder ist durchaus angesagt.

Mit der gleichfalls giftgrünen, grell geifernden Hexe Tyrannja Vamperl (Annette Weitzmann) gründet er eine kriminelle Vereinigung, um mittels besagten Punschschaums die Welt in den Abgrund zu wünschen. Zum Glück entdecken Kater Mauritio de Mauro (Hannes Schumacher) und Rabe Jakob Krakel (Marie Hacke) als Undercover-Spione ein probates Abwehrinstrument mit Zaubereffekt, das ein dritter, schlecht frisierter Mann in Grün, der in einer der Kisten zu hausen pflegt, konspirativ zur Verfügung stellt.

Hall- und Schalleffekte verstärken den Grusel, der sich aber im wohligen Format hält. An den spannendsten Stellen ist es mucks-mäuschenstill im Parkett und auf den Rängen. Bis der Schaum schließlich in Bergen über die Bühne quillt, gibt es allerdings auch Minuten der Unruhe – nicht immer ist auf Anhieb klar, was das kriminelle Duo in seinen wortreichen Verabredungen eigentlich genau plant. Am Ende äußert sich aber die Begeisterung der Premierenbesucher einhellig in ohrenbetäubender Zustimmung.

Björn Jacobsen sollte sich schon mal nach einem Casting für einen vergnüglichen Horrorfilm für Menschen ab sechs umsehen, in dem ironisches Augenzwinkern gefragt ist – er wäre die Idealbesetzung. Als Partnerin zu empfehlen: Annette Weitzmann – als Hexe ein Gedicht, so schrecklich wie witzig.

Hannes Schumacher ist ein Bild von Kater – selten solch ein Einfühlungsvermögen in die Seele eines schnurrenden Krallentiers gesehen. Marie Hacke als berlinernder Rabe und Unterweltwesen Ma-ledictus Made: rotzfreche Vogelgöre und diabolisches Teufelchen – welch ein Spaß. Franz Tröger ist der semimusikalisch auf Hybridinstrumenten kommunizierende Mann in der Kiste – sprich: Der bläst da schon mal in was rein. Und man versteht auch noch, was er will!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert