Fahrt ins Ungewisse: „Tschick” im Mörgens

Von: Guido Rademachers
Letzte Aktualisierung:
Unterwegs: Robert Seiler (l.)
Unterwegs: Robert Seiler (l.) und Felix Strüven. Foto: Carl Brunn

Aachen. Nach 90 Minuten schaltet Felix Strüven die Scheinwerfer eines durchgesägten Uralt-Renaults aus. Seine Geschichte ist zu Ende erzählt. Hinter ihm zeigt ein Video ruhige Wellenbewegungen in einem Swimmingpool, der zum Elternhaus des von Strüven gespielten Maik gehört. Maik ist 14 Jahre alt und „wohlstandsverwahrlost”.

Klassenkamerad Tschick erscheint gelegentlich betrunken zum Unterricht, er stammt aus einer russland-deutschen Familie - ohne Wohlstand, aber ebenso verwahrlost. Beide sind totale Loser für ihre Mitschüler, besonders für die „superporno” aussehende Tatjana. Bis Tschick ein Auto knackt und Maik zu einer Fahrt einlädt.

Die Wellenbewegungen hören auf. In Rückblenden erscheinen kurz Stationen der Fahrt, auf der es ein paar Tage lang nur unmittelbar das Leben, nur Gegenwart zu geben schien und die mit einem Horrorunfall endete. Maik erzählt, wie er in den Pool springt und untertaucht. „Man kann zwar nicht ewig die Luft anhalten. Aber doch ziemlich lange.” Black.

Wolfgang Herrndorfs Roadroman „Tschick” (2010) schaffte den Sprung in die Bestsellerlisten und in der Bühnenfassung unter die derzeit meistgespielten Stücke. Lilli-Hannah Hoepners Inszenierung im Mörgens geht deshalb so gut auf, weil sie nah am Erzählton des Textes bleibt. Die auf Rollbretter gehievten Renaultteile reichen ihr für die Bühne vollkommen aus.

Fließend gehen Erzählungen in Spielszenen über. Sie werden mit wenigen markanten Gesten mehr angerissen als ausgespielt. Felix Strüven und Robert Seiler (Tschick) zeigen große Jungen, die nicht recht wissen, wohin mit sich und den Händen. Emilia Rosa de Fries ist als Müllkippenmädchen Isa ernst und direkt, in verschiedenen Erwachsenenrollen darf sie tief in die Klamaukkiste greifen.

Ein prima Abend für 14-Jährige, denen erfreulich pädagogikfrei für ihre Crash-Fahrt durch unbekanntes Lebensterrain Mut gemacht wird. Und für 40-Jährige, die er daran erinnert, was sie mit 14 einmal vom Leben wollten.

Termine: bis 30. November.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert