Fabian Müller brilliert bei „Aix Piano“-Konzert

Von: Pedro Obiera
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Steht vor einer hoffnungsvollen Karriere: der junge Pianist Fabian Müller. Foto: Thomas Brill

Aachen. Abgeklärtes von Brahms, Sprengstoff von Beethoven und nahezu Unspielbares von Ligeti: Hohe Maßstäbe an sich selbst stellte Fabian Müller beim zweiten Konzert der „Aix Piano“-Reihe im voll besetzten Kammermusiksaal der Aachener Musikhochschule.

Der 25-jährige Newcomer und Student am Kölner Standort der Hochschule steht am Anfang einer hoffnungsvollen Karriere. Daran ließ seine Aachener Vorstellung keinen Zweifel.

Moderat lief der Abend mit den späten Intermezzi op. 117 von Johannes Brahms an. Introvertierte Charakterstücke, von Brahms als „Wiegenlieder meiner Schmerzen“ empfunden, die Müller teilweise schwer wie Trauermärsche anging. Es ist gewiss eine Frage des Alters, dass er noch nicht den eingedunkelten, schwebenden Ton des reifen Meisters trifft, der sich und der Welt nichts mehr beweisen will und muss.

Da eröffnen sich mit Beethovens „Appassionata“ andere Perspektiven. Müller ließ es nicht an der Explosivkraft des Werks mangeln und präsentierte Beethoven auf der Höhe seines künstlerischen Selbstbewusstseins. Die technischen Schwierigkeiten bewältigte er so souverän, dass es ihm auch gelang, die zerrissenen formalen Strukturen des Werks unter Kontrolle zu bringen und nicht in einen kopflosen Virtuosengalopp zu verfallen. Eine mehr als respektable Leistung auf beachtlichem Reflexionsniveau.

Dass György Ligetis irrsinnig komplexe „Études pour Piano“ aus den Jahren 1985 bis 2001 überhaupt „spielbar“ sind, hat Müllers Lehrer an der Musikhochschule, Pierre-Laurent Aimard, mehrfach bewiesen. Müller ist auf dem besten Wege, das Niveau seines berühmten Lehrers zu erreichen. Kompliment, mit welcher Präzision und Umsicht er die rhythmisch komplexen, zeitverschobenen Schichten der Werke selbst in delirienhaft rasenden Stücken wie der Étude Nr. 1 (Désordre) oder der „Teufelsleiter“ (Nr. 13) umzusetzen vermag.

Wer diese Stücke so brillant ausführen kann, dem stehen über kurz oder lang keine spieltechnischen Probleme im Weg. Und dass Müller die Erkenntnis, dass geistige Durchdringung und manuelle Perfektion für einen seriösen Musiker untrennbar miteinander verwachsen sind, begriffen hat, deutete er mit seiner eindrucksvollen Beethoven-Interpretation an.

Begeisterter Beifall für eine Talentprobe der außergewöhnlichen Art. Dazu gehört auch die sympathische Geste, dem Publikum nach Ligetis Hexenritten als Zugabe eine denkbar schlichte „Kinderszene“ von Robert Schumann zu schenken. Warten wir gespannt auf die CD-Veröffentlichung im März.

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