„F“ wie Freude: Daniel Kehlmann stellt neuen Roman in Aachen vor

Von: Thorsten Karbach
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Gab in Aachen auch Einblick in seine Arbeitsweise: Daniel Kehlmann. Foto: Schmitter

Aachen. Fürchterlich. So nennt Daniel Kehlmann die ersten Worte, die er vor fast vier Jahren auf Papier brachte – übrigens mit dem Stift und tatsächlich auf Papier. Kaum zu glauben ist das, wenn der Schriftsteller im „Forum M“ der Mayerschen Buchhandlung in Aachen aus seinem neuen Roman „F“ liest, dieser großartigen Familiengeschichte um die Brüder Martin, Eric und Iwan Friedland, die sich ein Leben voller Lug und Trug aufgebaut haben.

Aber es ist die Wahrheit: „Ich würde meine erste Version nie jemandem zeigen. Dafür ist sie zu fürchterlich. Vergnüglich wird die Arbeit erst mit dem Überarbeiten“, sagt Kehlmann.

Seit „Die Vermessung der Welt“ 2005 zählt er zweifellos zu den besten Literaten seiner Generation – und darüber hinaus. Der 38-Jährige, geboren in München, aufgewachsen in Wien, wohnhaft in beiden Städten, zählt allein von „Die Vermessung der Welt“ rund 2,3 Millionen verkaufte Exemplare. „F“ ging direkt an die Spitze der Bestsellerlisten, der Roman wurde schon vor der Veröffentlichung auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis gesetzt – kam dann aber nicht in die engere Auswahl.

Dennoch: Die Magie dieses Buches, das beim Besuch eines Hypnotiseurs den Blick für die Friedlands schärft, ist bei der Lesung allgegenwärtig.

Wenn Kehlmann die Episode des gescheiterten Investmentbankers Eric Friedland vorträgt, dann haben seine Worte – geschrieben wie nun auch vorgetragen – diese packende Rastlosigkeit des Protagonisten. Wohin diese den Banker, seine Brüder und das Buch dann letztlich führen würden, wusste Kehlmann zunächst auch nicht.

„Ich hatte keine klare Vorstellung, wie es aussehen wird, wenn es fertig ist. Ich wollte sehen, wohin mich die Figuren führen“, erzählt er, berichtet davon, wie er „sehr obsessiv“ schrieb, was für „meine Umwelt nur schwer zu ertragen“ war.

„F“ steht an diesem Abend auch für Freude. Kehlmann verrät den Zuhörern, dass er sich nie so sehr als Schriftsteller gefühlt habe wie bei der handschriftlichen Arbeit an „F“. „Schreiben macht viel Freude, aber es ist immer auch ein panischer sorgenvoller Umgang“, sagt er auch.

In seiner Schreibtischschublade lägen mehrere aufgegebene Romane. Zu fürchterlich seien die. Kaum zu glauben.

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