Aachen - Exzellenter Tanz auf Klangstäben

Exzellenter Tanz auf Klangstäben

Von: Michael Loesl
Letzte Aktualisierung:
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Flinke Finger: Trilok Gurtu bei seinem Konzert zum Abschluss der „Across The Borders”-Reihe in Aachen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Hin und wieder „verschluckt” die Raumakustik der Aachener Kirche St. Paul tiefe Töne, und Bühnenakteure mag der Hall im Kirchengemäuer bisweilen irritieren.

Den zahlreich erschienenen Zuhörern der beiden Abschlusskonzerte der „Across The Borders”-Reihe bot das Gotteshaus am Wochenende aber eindrucksvolle Musikerlebnisse. Im Mittelpunkt standen jeweils Schlaginstrumente afrikanischen, europäischen und asiatischen Ursprungs.

Ein Unikat von geradezu monströsen Ausmaßen wurde am ersten Abend gespielt respektive betanzt. Das Xala, 4,5 Quadratmeter groß und 400 Kilogramm schwer, ist das erste tanzend bespielbare Bodenxylophon der Welt.

Mit Flamencoschuhen und Stöcken in Menschengröße brachte die Schweizer Musikerin und Tänzerin Ania Losinger dessen 24 Klangstäbe in ästhetisch und rhythmisch höchst sinnlicher Weise zum Schwingen, ohne Körpersprache und Klangergebnis zugunsten der jeweils anderen Disziplin zu vernachlässigen.

Im Zusammenklang mit der Marimba, den Gongs und der Vielzahl von Tomtoms ihres Kollegen Matthias Esers kreierte sie kunstvoll inszenierte Gegensätze, Nuancenreichtum und rhythmische sowie melodische Vielschichtigkeit.

Reich an Details, mit ineinander verzahnten Bildern, die sich ausweiteten und viel Platz für Tonhöhenvariationen boten, schufen die beiden Schweizer eine tiefe, emotionale Perkussionssprache.

Motive voller Schönheit

An die Kompositionsstrukturen des Minimal-Music-Spezialisten Steve Reich und dessen Phasenverschiebungen erinnernd, brach das Trommel- und Tanzduo auf abenteuerliche, höchst spannende Weise immer wieder aus dem Rahmen des vermeintlich limitierten Klangspektrums reinen Perkussionsinstrumentariums aus, suchte nach neuen Anknüpfungspunkten und kreierte dabei Motive voller Schönheit, Dynamik und Innovation. Ob an die Gamelanmusik Javas und Balis oder die Marimba- und Xylopho

n-Exkursionen Frank Zappas in all ihrer glorreichen Komplexität angelehnt - Losingers und Esers´ Auftritt war mit knapp 70 Minuten kurz, knackig und exzellent.

Ganz anders breitete sich am Folgeabend der Weltmusik- und Tabla-Tausendsassa Trilok Gurtu mit seinen vier Begleitmusikern in St. Paul aus. Endloses Fusion-Geknödel, das von jeder x-beliebigen Jazzkombo hätte kommen können, zog den Abend unschön und unnötig in die Länge.

Physisch anwesend, aber körperlich kaum spürbar spielte sich die Gurtu-Band mit zirkusreifer Artistik ins Aus, massierte dabei den Kopf und hinterließ ein schales Bauchgefühl. Anachronistische Keyboardsounds der Marke 80er Jahre verkitschten eine Ballade mitsamt Mundharmonikaklängen in Richtung Traumschiffschwelgerei, und wenn der so genannte Meisterperkussionist seine Band zur Improvisation anhielt, wurde aus der weltumspannenden Bandbesetzung eine einzige globale Suppenküche mit allen Weltmusik-Wischiwaschi-Versatzstücken, die dem Klischee entsprechend dazugehören - Didgeridoo, indische Bambusflöte, Djemb.

Dabei kann Gurtu ganz anders, wenn er sich auf seine Stärke, das Tabla-Spiel, konzentriert und den indischen Minipauken furiose Perkussionsgewitter entlockt, was an diesem Abend leider nur allzu selten geschah.

Stattdessen bevorzugte er die Rolle des klassischen Schlagzeugers, warf zwischendurch abgestandene Thekenwitzeleien ins Publikum und gefiel sich in der Rolle des musikalischen Küchenchefs, dessen Cousin keine Nuancen und Details, sondern einen schlechtverdaulichen globalen Mischmasch kredenzte. Gut gemeint ist eben nicht immer auch gut gemacht.
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