Europas Spitzen-Kunstmesse Tefaf: Krise sorgt für Fragezeichen

Von: Gerd Korinthenberg, dpa
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Maastricht. Rein äußerlich scheint alles wie gehabt: Über 140.000 frische Rosen, Tulpen und Ranunkeln verwandeln die noble Eingangshalle der Kunstmesse Tefaf (The European Fine Art Fair) in Maastricht auch diesmal wieder in ein duftendes Blütenmeer.

Doch in diesem Jahr gibt es nur eine Frage, die die gesamte Creme des internationalen Kunsthandels zur Messeeröffnung am Freitag umtreibt: Wie schlägt die globale Finanzkrise auf den sensiblen Kunstmarkt durch? Wie reagiert das oft millionenschwere Sammler-Stammpublikum, das sonst mit hunderten Privatjets zur Tefaf einfliegt?

Hier erwartet sie (bis 22. März) - nicht selten für zweistellige Euro- Millionensummen - jedenfalls Spitzenkunst von der Pharaonenzeit bis zum Pop-Star Andy Warhol, vom erlesenen asiatischen Objekt bis zum kostbaren Louis-XVI.-Möbel.

Eine zum Messestart vorgelegte Kunstmarkt-Studie, die optimistisch eine Marktstabilisierung durch kunstliebende neue Reiche aus China, Indien und Russland verspricht, scheint von den jüngsten rabenschwarzen Weltbank-Ankündigungen weltweiter Rezession widerlegt.

Und gerade diese oft weniger fachkundige als kauffreudige neue Klientel hat dafür gesorgt, dass sich der Umsatz innerhalb von fünf Jahren bis zum Rekordjahr 2006 nahezu verdoppelt hat, in dem weltweit Werke im Wert von 43,3 Milliarden Euro gehandelt worden sind.

Sein potentes osteuropäisches Publikum früherer Messen kann ein konsternierter rheinischer Kunsthändler nicht mal mehr per Handy erreichen: „Die Russen sind weg!”. Andere, wie Konrad O. Bernheimer als international agierender Altmeister-Spezialist aus München, zeigen sich optimistisch: „Je mehr Krise wir haben, desto mehr wird die Kunst zur Währung.”

Derzeit gebe es wohl, „nicht viele Alternativen, wo man Geld anlegen kann” - vorausgesetzt, die Objekte sind von höchster Qualität. Und hier deutet der Experte zu Recht auf die 1534 von Lucas Cranach d. Ä. mit höchster Delikatesse gemalte Bibel-Szene „David und Bathseba”, die er für 5 Millionen Euro anbietet.

„Qualität, von guten Provenienzen unterfüttert” ist auch für Anthony Meyer aus Paris als Händler Ozeanischer Kunst das beste Argument, das Werke wie sein winziges, fast surreales Schnitzamulett aus Neuguinea (50 000 Euro) zur sicheren Geldanlage in unruhigen Zeiten mache.

Mit dem Preisschild von 25 Millionen Euro zählt van Goghs „Park im Hospital Saint Paul” (1889) zu den Preisspitzen der 22. TEFAF, wobei die Gartenszene die attraktive nervöse Spannung anderer Spätwerke des Malers vermissen lässt.

Unglaublich präsent hingegen ein vergleichsweise kleiner „Engel mit Rauchfass” des spätgotischen Meisters Berhard Strigel (2,75 Millionen Euro), absolut museumswürdig das barocke „Konzert” des Utrechter Caravaggio-Adepten Dirck van Barburen zu moderaten 750 000 Euro und fast meditativ eine akribisch beobachtete Hafenszene Willem van de Veldes (1,4 Millionen Euro).

Auch die Moderne lockt mit außergewöhnlichen Stücken: Hier findet sich als Mini-Skulptur ein nie realisierter Denkmal-Entwurf Alberto Giacomettis (1946/1,55 Millionen Euro) oder das in nur einem Exemplar geschaffene höchst originelle „Schwarz-Licht-Selbstbildnis” (1986) des Pop-Stars Andy Warhol.

Die kunsthistorische Rarität hat sich ein Kunstfreund dem Vernehmen nach bereits für 4 Millionen Euro reservieren lassen. Runde 10 Millionen Dollar soll das bedrückende Meisterwerk „Mann am Waschbecken” des 1992 gestorbenen Iren Francis Bacon bringen. Erstmals seit 55 Jahren ist Chaim Soutines blutroter „Metzgerjunge” von 1919 wieder zu sehen - und für 12,5 Millionen Euro auch zu kaufen.

Design-Fans treffen in der neugeschaffenen TEFAF-Spezial-Abteilung mit Objekten von Albers bis Wagenfeld im gut fünfstelligen Euro- Bereich auf Inkunabeln des gerade 90-jährigen Bauhauses oder auf nicht ganz geschmacksichere Stühle aus dem Haushalt der Rockefellers für 100 000 Euro je Stück.

Freunde des Frivolen können in Maastricht für 1 Million Euro ein Louis-XVI.-Bett erstehen: Die um 1770 gefertigte üppige Liegestatt nutzte dazumal die Primaballerina der Pariser Oper, die nicht nur für ihre Tanzkünste stadtbekannt war.
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