Aachen - Erstes Sinfoniekonzert mit Beethovens „Eroica“

Erstes Sinfoniekonzert mit Beethovens „Eroica“

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
8538926.jpg
Anspruchsvoller Start in die neue Konzertsaison: das Aachener Sinfonieorchester mit Chor und Generalmusikdirektor Kazem Abdullah im Eurogress. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit drei extrem anspruchsvollen Schlüsselwerken aus zwei Jahrhunderten stellte Generalmusikdirektor Kazem Abdullah gleich zum Auftakt der neuen Konzertsaison sich und das Aachener Sinfonieorchester auf eine harte Probe.

Zwei Werke aus der frühen Moderne konfrontierte Abdullah beim ersten Sinfoniekonzert im nahezu voll besetzten Eurogress mit Beethovens „Eroica“, die er in voller Länge präsentierte, also inklusive aller Wiederholungen. Dass Beethovens symphonische Verbeugung vor Napoleon dennoch nur wesentlich mehr Zeit beanspruchte als gewohnt, lag an dem geradezu sportiven und dynamischen Zugriff, mit dem Abdullah die vier ausgedehnten Sätze mit vorwärtsdrängender Energie vorantrieb.

So kraftvoll er die Musik anging, so unpathetisch und schlank blieb das Klangbild. Und selbst der „Trauermarsch“ verlor durch die intelligente Phrasierung seine drohenden Längen. Dass die Aachener Sinfoniker den Parforce-Ritt ohne nennenswerte Pannen klangschön und weitgehend präzis bewältigten, spricht für das hohe Spielniveau des Orchesters.

Spitzenleistungen fordert auch Claude Debussy für sein weniger bekanntes Ballett „Jeux“ ein. Eine skurrile Dreiecksgeschichte auf dem Tennisplatz, die nicht zu den Publikumslieblingen des Komponisten zählt. Nicht verwunderlich, beschert Debussy den Hörern und Musikern mit dem 18-minütigen Werk seine formal und motivisch wohl komplexeste Orchesterpartitur, vollgespickt mit Tücken, von denen sich Abdullah und seine Musiker ungeachtet der unbequemen Tempo- und der klanglichen Farbwechsel nicht beeindrucken ließen. Mit souveräner Umsicht brachte man das Werk leuchtkräftig zum Klingen. Ein denkbar gutes Zeugnis für den Dirigenten und sein Orchester.

Nicht ganz so glücklich gelang Igor Strawinskys „Psalmensymphonie“. Der starke Bläsersatz erfordert einen adäquaten Chor. In dieser Hinsicht wirkte der an die Rückwand gequetschte, von An- dreas Klippert einstudierte Sinfonische Chor Aachen trotz der Unterstützung durch den Opernchor ein wenig verloren.

Er konnte sich gegen die Bläser-Phalanx kaum in Szene setzen, so dass auch die nötige holzschnittartig scharfkantige Rhythmisierung des Textes nicht zum Tragen kam. Das Ergebnis war ein durchweichter Vortrag mit romantisierenden Entgleisungen, dem es an der nötigen trockenen Distanz mangelte. Was in diesem Fall auch für das Orchester gilt. Allerdings ist Abdullah nicht der erste und erst recht nicht der einzige Aachener Musikchef, der sich an Strawinskys Meisterwerk die Zähne ausgebissen hat.

Das ändert freilich nichts an dem ovationsartigen Beifall für den glänzenden Beethoven-Beitrag.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert