Kerkrade - Erstes Designmuseum der Niederlande entsteht in Kerkrade

Erstes Designmuseum der Niederlande entsteht in Kerkrade

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
9995033.jpg
Hier entsteht am Museumplein in Kerkrade das erste Designmuseum der Niederlande: der Cube. Gerade wurde Richtfest gefeiert. Zu dem neuen Komplex neben dem Wissenschaftszentrum Continium gehört ein kugelförmiges „Earth Theater“ – ein einzigartiges 3D-Kino – sowie ein balkenförmiges Gebäude, das alle Elemente des ganzen Komplexes miteinander verbindet. Das Ganze heißt C-City. Foto: Eckhard Hoog
9995054.jpg
Das „Earth Theater“ – hier noch ein Bild, das am Computer entstend: Die Besucher blicken in einem 3D-Kino aus der Astronautenperspektive auf die Erde. Eröffnet wird das C-City am 23. Oktober 2015. Foto: Continium

Kerkrade. Welch atemberaubende Vorstellung: einmal aus der Astronautenperspektive auf den blauen Planeten hinunterschauen, auf die Erde oder vielleicht auch auf Europa, herangezoomt auf Deutschland, die Niederlande oder noch aufregendere Gegenden dieser Welt. Ab Oktober wird dieser Traum wahr – als Simulation in einem Kino, das es so auf der Welt kein zweites Mal gibt.

Columbus heißt das cinematografisch geniale Ei, hat auch fast eine solche Form und entsteht gerade in Kerkrade, gleich neben dem bestehenden Continium. Dieses Entdeckungszentrum für Wissenschaft und Technologie bekommt neben dem Columbus noch ein weiteres „Geschwisterchen“: den Cube, das erste Designmuseum der Niederlande.

Soeben wurde am Museumplein Richtfest gefeiert. Die Eröffnung des Ensembles ist fest terminiert: für den 23. Oktober 2015. Dann steht auch das Continium, das zurzeit umgebaut wird, wieder offen.

Mit dem Bau wurde erst im September 2014 begonnen – aber Geschwindigkeit ist in dieser Hinsicht im Nachbarland offenbar keine Hexerei. C-City soll der ganze Komplex am Ende heißen, der aus drei unabhängigen, aber baulich zusammenhängenden Elementen besteht.

Verbindungselement ist ein balkenförmiges Gebäude namens „Connector“. Hans Gubbels, der Direktor des Continiums, prägte den Namen C-City – das C steht für „creative“, aber auch für „culture“, „connection“ oder „collective“. Kurz: Hier sollen die Menschen nicht nur Kultur konsumieren, sondern zusammen auch ganz neue Ideen entwickeln – vor allem im Cube.

Als große Attraktion wird sich ganz sicher der Columbus erweisen, ein sogenanntes „Earth Theater“ in Kugelform. Die eine Hälfte schaut aus dem Boden heraus, die andere ist unterirdisch verborgen. Gène Bertrand, der für die Programmgestaltung in allen drei Einrichtungen des C-City verantwortlich ist, erläutert den Aufbau, die Details und die Funktion.

Die untere Hälfte ist ein umgedrehtes Planetarium mit einer halbkugelförmigen Leinwand von 18 Metern Durchmesser, auf die zwölf Projektoren von oben ihre Filmbilder werfen. Die Besucher blicken von zwei übereinanderliegenden gläsernen Ringen hinunter auf die Erde – eben aus der Perspektive der Astronauten, wie sie sich ihnen aus ihrer Kapsel oder der ISS darstellt. Je ein Ring bietet Platz für 100 Personen. Eingespielt werden auch Aufnahmen von Astronauten, die ihre eigenen Eindrücke schildern.

In der oberen Halbkugel werden vor 200 Besuchern 3D-Filme der National Geographic Society präsentiert – 20, 40 oder 60 Minuten lange Filme über Naturphänomene zur Demonstration von Nachhaltigkeitseffekten zum Beispiel oder zu Themen wie die Entwicklung von Technologie und Wissenschaft. „Im Columbus geht es nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger ökologische Prinzipien zu predigen“, sagt Gène Bertrand, „sondern zu zeigen, wie schön die Welt ist.“

Die Geschichte der Region, zumal der Stadt Kerkrade, wird dabei auch nicht zu kurz kommen. Zum 50-jährigen Jubiläum des im Jahr 1965 angekündigten Endes des Bergbaus wird im Columbus eine virtuelle 3D-Film-Reise durch ein Bergwerk zu erleben sein und darüber hinaus der Geschichte des Bergbaus mit den Familien Kerkrader Kumpel ein Gesicht gegeben.

Der Cube, tatsächlich ein Würfel, der am Ende eine silbrige Gestalt haben wird, beherbergt nicht einfach ein „normales“ Design-Museum, sondern ein ganz besonderes seiner Art: „Es geht nicht um schöne Möbel oder andere ästhetisch gelungene Objekte“, sagt Programm-Chef Bertrand. „Es geht um ein ganz besonderes Verständnis von Design.“ Gemeint sind, wie er sie nennt „human needs“, also Dinge, die Menschen bei der Bewältigung von Problemen in der Gesellschaft benötigen.

Auf drei Etagen werden hier in sogenannten „Living Labs“, in Labors, Designer mit Studenten und betroffenen Menschen, denen das Entwickelte nutzt, zusammenarbeiten. Beispiel: um medizinische Produkte, etwa für Diabetespatienten oder Menschen, die einen Herzschrittmacher benötigen, zu kreieren. Design, verstanden als innovative Produktentwicklung, auch was die Funktion angeht, steht im Zentrum.

Genau das soll auch in den Ausstellungen demonstriert werden. Die ersten werden unter anderem von internationalen Instituten aus New York, London und Südafrika gestaltet. Beteiligt werden auch Studenten aus Genk, Heerlen, Maastricht und der Fachhochschule Aachen.

Architektonisch könnte der Cube – C-City entsteht nach einem Entwurf des Rotterdamer Architektenbüros Shift Architecture Urbanism – ein neues Wahrzeichen der Stadt Kerkrade werden: Dadurch, dass der Sockel des Würfels zurückgenommen ist, scheint der ganze Bau zu schweben. Gemeinschaftliche Funktionen von C-City sind in einem 80 Meter langen balkenförmigen Gebäude untergebracht, der ebenfalls luftig zu schweben scheint. Rund 21 Millionen Euro kostet das Projekt, wobei 14 Millionen von der Provinz Limburg getragen werden, den Rest sollen Sponsoren beisteuern.

Das Continium setzt unter dem bestehenden Namen das bewährte Konzept fort, auf spielerische Weise den Einfluss von Technik und Wissenschaft auf das ganz alltägliche Leben zu vermitteln. Das ist bislang so gut gelungen, dass es bereits zweimal mit dem Titel „Kidsproof Museum der Niederlande“ bekommen hat – eine Auszeichnung, bei der Kinder die Juroren sind und Museen auf Kinderfreundlichkeit prüfen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert