Erlebnisreich: In Kerkrade hat die Zukunft begonnen

Von: Eckhard Hoog
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Blick in das dreiteilige neue Museum Columbus – Cube – Continium in Kerkrade: Von zwei Galerien aus blickt man auf die Erde im Columbus. Foto: Dagmar Meyer-Roeger
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Die ganze lichte Architektur des Bau-Ensembles überzeugt. Foto: Dagmar Meyer-Roeger
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Im Desing-Museum Cube ist unter anderem ein Sarg mit Wald-Dekors zu bestaunen. Foto: Dagmar Meyer-Roeger
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Interaktion wird im ganzen Museum auch für die Kleinen großgeschrieben. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Kerkrade. In Kerkrade hat die Zukunft bereits begonnen: Nirgendwo sonst auf der Welt ist es möglich, die Erde aus jener Perspektive zu betrachten, die bislang allenfalls 500 Menschen vergönnt gewesen ist: den Astronauten.

Das Columbus macht es möglich: das erste „umgekehrte“ Planetarium auf dem Globus – die große Attraktion des neuen dreiteiligen Zukunftsmuseums Columbus – Cube – Continium am Kerkrader Museumplein. Seit dem vergangenen Wochenende ist das auch architektonisch herausragende Gebäudeensemble für die Allgemeinheit geöffnet – und hat die Besucher sogleich fasziniert.

Was isst die Menschheit künftig?

Geröstete Büffelwürmer, Mehlwürmer und „Grashoppers“ – Heuschrecken, allerdings ohne Beinchen – waren zur Feier des Tages die kulinarischen Atttraktionen auf der obersten Etage des Cubes: des ersten und einzigen Designmuseums der Niederlande, baulich ein silbrig glänzender Würfel mit futuristischer Ausstrahlung.

Bis ins Kleinste durchdacht erweist sich das Konzept des dreiteiligen Museums, die essbaren Insekten gehörten, zumindest am ersten Wochenende, auf programmatische Weise dazu: Hier, so das Signal, geht es um Zukunftsfragen – und welches Problem rückt da näher in den Fokus als dieses: Was wird die unablässig wachsende Menschheit künftig einmal essen? Noch allerdings ist es zum Glück nicht so weit, dass uns Büffelwürmer wenig appetitlich zwischen den Zähnen klemmen müssen . . .

Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft: Den viel beschworenen Strukturwandel anschaulich zu machen, das haben die niederländischen Nachbarn in Rekordzeit hinbekommen – Geschwindigkeit ist keine Hexerei: In nicht einmal einem Jahr ist der ganze Komplex für 22 Millionen Euro aus dem Boden gestampft worden, im Mai standen hier noch die Kräne in einem schlammig-vermatschten Umfeld; das Columbus, das halbkugelförmig aus dem Boden ragt, war da noch kaum mehr als ein Gerüst. Daran erinnert nichts mehr – ein großzügiges, lichtes Entrée nimmt die Besucher freundlich auf; schon jetzt wird eine jährliche Zahl von 150.000 angepeilt. Verkehrstechnisch passt das bestens: vorne der Bahnhof, hinten die Buslinie, vorbildlicher durchdacht könnte die Lage kaum angebunden sein.

Von der Problemstellung über den ersten Entwurf bis zur Realisierung – auf fünf Etagen präsentiert der Cube exemplarisch die Entwicklung designerischer Produkte, vom Brainstorming bis zum Prototyp. 3D-Drucker spucken die Teile schließlich aus.

Der bunte Sarg mit hoffnungsfrohem Wald-Dekors ist dabei längst nicht mehr nur Zukunftsmusik – zwei Eröffnungsausstellungen, „Designing the world“ und „Disign Identities“, präsentieren im Cube internationales und euregionales Spitzendesign mit Topstücken aus fünf der bedeutendsten Designmuseen der Welt und rund 50 Exemplare bahnbrechenden Designs aus Deutschland und den Niederlanden.

Dazu gehört die Leica T als erste Kamera mit komplettem Alu-Gehäuse, die ringförmige Duschbrause, die 40 Prozent Wasserersparnis ermöglicht, und ein asymmetrischer Regenschirm, der selbst Windgeschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern schadlos übersteht. Kurz: Beispiele für designerische Lösungen von nachhaltiger Wirkung und Bedeutung.

Architektonisch fällt der Cube selbst unter diese Kategorie – entworfen vom Rotterdamer Architektenbüros Shift Architecture Urbanism, könnte er ein neues Wahrzeichen der Stadt Kerkrade werden. Ein balkenförmiges Gebäude von 80 Meter Kantenlänge verbindet die einzelnen Teile des Komplexes.

Im Columbus liegt einem die Welt buchstäblich zu Füßen – diese wunderbare blaue Murmel, schwebend in einem unendlichen schwarzen All. Die Besucher überblicken sie auf zwei gläsernen Galerieböden – ein erhabenes Erlebnis. „Im Columbus geht es nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger ökologische Prinzipien zu predigen“, sagt Programm-Manager Gène Bertrand, „sondern zu zeigen, wie schön die Welt ist.“

Ausstellung über Smartphones

Das Continium setzt unter dem bestehenden Namen das bewährte Konzept fort, auf spielerische Weise den Einfluss von Technik und Wissenschaft auf das ganz alltägliche Leben zu vermitteln. Neben der Dauerausstellung von Objekten zu Themen wie Bergbau, Maastrichter Glas und Keramik zeigt hier die erste Wechselausstellung die Entwicklungsgeschichte des Smartphones.

Angefangen mit der Erfindung des Seismoskops durch den chinesischen Philosophen und Mathematikers Zhang Heng 132 n. Chr. – des ersten Erdbebenmelders und Sensors der Welt. Bis heute weiß kein Mensch, wie das kugelige Gefäß mit acht Drachenfiguren an den Seiten tatsächlich funktionierte. Ausgesprochen plastisch inszeniert mit einem lebensgroßen Alexander Graham Bell, des schottischen Urvaters des Telefons, spricht die Schau auch die jüngsten Besucher an. Interaktive Stationen laden dazu ein, die Infos auf spielerisch-attraktive Weise zu vertiefen.

Ob allerdings die Gestaltung der Eintrittspreise tatsächlich das Gelbe vom Zukunfts-Ei ist, das mag jeder Besucher für sich beurteilen. Für jedes der drei Häuser muss man nämlich extra Eintritt zahlen, und wenn man dann noch die Besuche kombiniert – zum Beispiel mit 3D-Filmen, die im Columbus im National Geographic 3D-Theater neben der Erdsicht auch noch gezeigt werden (zum Beispiel über „Jerusalem – Erkundungszug durch die Heilige Stadt“ oder „Sea Monsters – ein prähistorische Abenteuer“), dann wird die Situation schnell unübersichtlich. Eine vierköpfige Familie erreicht mal locker eine Eintrittssumme von gut 80 Euro. Ganz schön happig – zumindest für deutsche Verhältnisse.

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