Erich Kästners Kinderkrimi im Das Da Theater

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Junger Klassiker: Kästners „Emil und die Detektive“ im Das Da Theater Aachen. Foto: Achim Bieler

Aachen. Okay, das mit der „Parole Emil“ klappte nicht sofort. Wahrscheinlich waren die Kinder bei der Premiere von „Emil und Detektive“ im Das Da Theater am Samstag so in die über 80-jährige Geschichte vertieft, dass sie zunächst ihren Einsatz verpassten.

Denn fesselnd war Erich Kästners Kinderkrimi ohne Frage in der Inszenierung von Regisseur Achim Bieler. Wer seinem Sprössling Kästner-Bücher angedeihen lassen will, weiß: Kein leichter Stoff selbst für kindliche Vielleser. Wenige Autos, dafür in Emils Heimatstadt Neustadt noch Pferdebahnen, Jungs mit Schiebermützen und Männer mit Melonen auf dem Kopf, 140 Mark entsprachen einem Monatslohn und Telefon hatten nur wenige Haushalte – wie soll sich das heute ein Sechsjähriger vorstellen? Und dann erst diese Sprache.

Trotzdem verzichtete Bieler – zum Glück – auf eine Modernisierung. Mit einem einfachen, aber wirkungsvollen Trick holte Bieler die Jungen und Mädchen und auch die vielen Männer und Frauen ins Berlin der 1920er Jahre, in dem Emil aus Neustadt mit einer Horde Jungs dem Dieb Grundeis hinterher jagt, der ihm im Zug eben jene 140 Mark gestohlen hatte. Er ließ die Geschichte von drei Polizisten, die in der Asservatenkammer alle nötigen Requisiten für die Geschichte mit einem Schildchen versehen, spielen.

Dabei konnte sich Lena Sommer ganz auf ihre Rolle als Emil konzentrieren. Und machte das hervorragend. Besonders ihre comichafte Art, sich anzuschleichen oder zu boxen wurde mit schallendem Gelächter quittiert.

Bernhard Schnepf und Mario Thomanek übernahmen hingegen nicht weniger als zehn beziehungsweise 13 Rollen, schlüpften durch eine Mütze, einen Schal, eine Jacke direkt auf der Bühne in die nächste Figur. Besonders beeindruckend war das, als Gustav mit der Hupe seine Freunde vorstellte. So schnell konnte Emil kaum die Hände schütteln, wie wieder ein „neuer“ Junge hinter der Litfaßsäule hervorsprang. Kompliment an beide für ihre Konzentration und Wandlungsfähigkeit.

Letzteres bewies wie schon so oft auch das Bühnenbild von Frank Rommerskirchen: Ein Regal und zwei Bänke mutierten während der einstündigen Vorstellung zu allem, was gebraucht wurde: Zug, Straßenbahn, Taxi, Hinterhof, Tresen – und vor allem Garderobe, hinter der sich Thomanek und Schnepf wieder ein anderes Kostümteil überstreifen konnten. Die Songs von Christoph Eisenburger haben erneut das Zeug, zu Aachener Kinderschlagern zu werden. Spätestens dann klappt auch der Zuschauer-Einsatz: „Parole Emil!“ Eindeutiges Urteil einer minderjährigen Zuschauerin: „Gleich noch mal!“

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