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Er gilt als „David Beckham der Violine”

Von: unserer Mitarbeiterin Susanne SchrammDavid Garrett: Virtuoso. Ab Freitag, 16. November, im Handel. Elf Titel, Spielzeit: 33 Min. Erscheint bei DEAG Music im Vertrieb von Warner Music.
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Köln. Die Liste der Konferenzräume im Souterrain des „Marriott”-Hotels liest sich wie eine Rezeptur für die Weihnachtsbäckerei: Nougat, Cacao und Cocos, Vanille, Noisette und Mocca. Zwischen Trüffel und Crocant, im Raum Marzipan, hat an diesem Mittag vorübergehend David Garrett seine Zelte aufgeschlagen.

So ganz passt das nicht, denn der 27-Jährige ist gebürtiger Aachener, und das verlangt eigentlich nach Printen.

Doch „nicht so ganz passend” passt ausgezeichnet zu Garrett, dem Weltklasse-Violonisten, der mit zehn Jahren seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte, mit zwölf gemeinsam mit Menuhin auf der Bühne stand und mit 13 als damals jüngster Solist bei der „Deutschen Grammophon” unter Vertrag genommen wurde. Von ihm schwärmte das BBC-Music Magazine „Er hat das Zeug zur Legende”.

Die angehende Legende trägt geflickte Jeans, ein verwaschenes Hemd und einen grauen Wollschal. Die schulterlangen, blonden Haare sind unter der Baseballkappe zum Pferdeschwanz gebunden, die schwarzen Turnschuhe gut eingelaufen, und die strahlend weißen Zähne blitzen aus einem Stoppel-Dickicht hervor, das garantiert älter ist als die vorgeschriebenen drei Tage.

Ein sympathischer, großgewachsener Typ mit lässiger Aura. Einer, den man eher bei einem Auftritt der „White Stripes” im Publikum vermuten würde, als - umgeben von befrackten Philharmonikern - auf der Bühne eines Konzertsaals. Gerade das macht Garrett für seine Fans so attraktiv: Er ist jung, unkonventionell und überaus talentiert. In Asien hat man ihn den „David Beckham der Violine” genannt.

„Ich wehre mich nicht”, sagt er dazu gelassen. Wobei er das eigentlich müsste, denn aus der Nähe betrachtet wirkt er eher wie eine Kreuzung aus Sascha und Kurt Cobain, das auf Hochglanz polierte Rebellen-Image des britischen Kickers trifft es nicht.

Als Garrett zum ersten Mal davon sprach, ein „Crossover”-Album - also eines, das verschiedene musikalische Stilrichtungen zusammenbringt - veröffentlichen zu wollen: „Da sagten alle ,Eine ganz schreckliche Idee! Das ist ja völlig unvermarktbar!” Er hat sich durchgesetzt. „Virtuoso”, so heißt das Album, erscheint morgen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz.

Es ist eine mutige Mischung aus populären Klassikstücken, Rockmusik, Film-und Musicalmelodien sowie eigenen Kompositionen mit einem sehr eigenen Profil. Ennio Morricone steht gleichberechtigt neben George Bizet, Metallica trifft auf Zigeunermusik und Rimskij-Korsakoff auf die „West Side Story”.

Von den drei Eigenkompositionen sind zwei weiblichen Wesen gewidmet: „Ich schreib´ gerne für die Mädels”. Dabei muss es Garrett einstweilen belassen: „Ich bin zurzeit Single. Wie soll ich das auch machen? Ich bin ja nicht mal für zwei Wochen irgendwo!” Von zwölf Monaten im Jahr ist er derzeit elf unterwegs: „Früher, als ich noch zur Juillard School ging, war das genau anders herum”.

Wenig Zeit für den ein Jahr älteren Bruder Alexander, mit dem er eine Wohnung in New York teilt, und wenig Zeit für Vater Georg Paul, Mutter Dove-Marie und die kleine Schwester Ilena, die immer noch in Aachen leben.

Dort lernte der Vater, ein Rechtsanwalt und Hobby-Violinespieler, der später auf die Auktion von Streichinstrumenten umsattelte, seine spätere Frau kennen. Die Balletttänzerin, die aus Washington stammt, hatte ein Engagement am Aachener Theater: „Eigentlich komisch. Mein Vater ist kein großer Ballettfreund. Danach ist er, glaube ich, nie wieder ins Ballett gegangen”.

Zur Geige kam Klein-David mit vier Jahren: „Mein Bruder hatte eine, es war wie mit dem Fahrrad, das ältere Brüder haben. ,Das will ich auch!” Während der Bruder später Jura in Harvard studierte, blieb David der Violine treu: „Dass ich Musiker werden wollte, wusste ich mit vier. Und dann wieder mit 19, 20. Dazwischen hatte ich das vergessen. Violine zu spielen, wurde für mich zur Gewohnheit. Die Leute haben gesagt, dass ich gut darin bin, ich konnte viel reisen, musste nicht so oft in die Schule.”

Dafür, dass er sich ganz bewusst für diese Karriere entschieden habe, sagt er, hätte es erst eine vierjährige Phase der Selbstfindung gebraucht: „Erst dann wusste ich, dass ich das wirklich will, von innen heraus.”

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