Elisengalerie: Amüsantes Spiel mit Perspektiven

Von: eho
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Verblüffende Ähnlichkeit: Die Aachener Malerin Johanna Roderburg zeigt ab Freitag Bilder im Raum für Kunst. Foto: Harald Krömer

Aachen. Eine Abstellkammer ist für Johanna Roderburg wie eine Fundgrube der Kunstgeschichte – jedes Objekt ein Zitat. Der Regenschirm? Da denkt die Aachener Künstlerin sogleich an Magritte. Bei dem Besen an Filliou.

Und dann findet sich in der Besenkammer des Raums für Kunst in Aachen, der Konzeptgalerie der Sparkasse in der Elisengalerie, eine ganze Reihe weiterer, wie zufällig abgestellte Utensilien, deren eigentliche Bedeutung nur noch nicht erkannt worden ist.

Kartons, Schaufel und Handfeger. Johanna Roderburg hat das alles gemalt, auch den Lichtschalter und die Tür des Räumchens und hängt ihr Bild einfach noch dazu. „Souvenir Robert und René“ nennt sie es. Und „Main and minor points“ betitelt sie ihre Ausstellung hier, was so viel heißt wie „Haupt- und Nebenstellen“. Dabei wird die Kammer ebenso wie die ganze Umgebung der Galerie zum witzig und überraschend reflektierten Gegenstand der Malerei.

Sensationell naturgetreu

Das Schuhgeschäft in der Elisen-Galerie beehrte sie mit – einem Schuhbild. Womit sonst? Den Lotto-Kiosk mit einer Darstellung zerknüllten Papiers aus dessen Mülleimer.

Neben der Garderobe hängt ein Schal – gemalt: der Schal der Künstlerin, so sensationell naturgetreu wiedergegeben, dass man sicher meint, ihn von der Wand nehmen zu können. Zwei Bilder in der Küche der Galerie zeigen eine Küche. Und zwei Hände, die Tee in drei Tassen gießen. Einmal sind es die von Margaret Thatcher, einmal die der Künstlerin. Pressebilder wie die von der „Eisernen Lady“ inspirieren Johanna Roderburg immer wieder zu hintergründigen Bildern, die sie von zum Teil winzigen Ausschnitten gewinnt und in ihrer Malerei vergrößert. Die Utensilien der realen Küche, selbst die Kacheln finden sich verblüffend ähnlich wieder in der gemalten.

Amüsantes offenbart der Schal der englischen Kanzlerin, der jüngst in London zur Versteigerung kam, Johanna Roderburg hat ihn so originalgetreu gemalt wie ihren eigenen: Die Namen von einer ganzen Reihe afrikanischer Länder findet sich auf dem Halstuch der Lady – Erinnerung an vergangenen kolonialen Glanz und Gloria? Und auf dem mit silbernen Utensilien angefüllten Schreibtisch hatte sie auch einen Atlas liegen – um immer wieder mal nachzusehen, wie groß das Empire einmal war?

Die Bilder hängen dabei so im Raum, dass der Blick durch das wandfüllende Fenster auf all die sehr ähnlich edlen Accessoires im Geschäft darunter, in der Elisengalerie, fällt. Was ist hier noch Haupt-, was Nebenstelle?

Das Büro des Grenzlandtheaters gegenüber, der Ausstellungsraum selbst mit einer witzigen Reminiszenz an eine vergangene Schau, überraschende Durchblicke und Perspektiven aus der unmittelbaren Umgebung eröffnet Johanna Roderburgs verblüffende Malerei – und doch ist jedes Gemälde ein autonomes Bild, das auch ganz für sich selbst steht.

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