„Elias” ohne sentimentale Ausrutscher

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Mit einer rundum gelungenen Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys populärstem Chorwerk, dem Oratorium „Elias”, haben Thomas Beaujean und seine Cappella Aquensis in der voll besetzten Michaelskirche am Reformationstag den Trauermonat eingeläutet.

Beaujean setzte starke dramatische, geradezu opernhafte Akzente und milderte damit wohltuend die etwas frömmelnd weihevollen Zwischentöne des Werks. Zugleich entschärfte er damit den heiklen Widerspruch zwischen den brutalen Machenschaften des eifernden Propheten und der klingenden Sanftmut etlicher Passagen.

Bariton Martin Berner glänzt

Mit seiner vorzüglich einstudierten Cappella Aquensis, unterstützt vom Chor der Aachener Musikschule, erhielten die Chorblöcke beeindruckende Größe. Und dabei gefiel die Chorvereinigung durch rhythmische Vitalität, Intonationssicherheit und eine erfreulich ausgewogene Balance zwischen Damen- und Herrenstimmen.

Die opernhafte Geste verstärkten die beiden männlichen Solisten. So Martin Berner, ehemaliges Ensemblemitglied des Aachener Theaters, in der Titelrolle. Wie schon zuvor in anderen Aachener Aufführungen gestaltete er sie mit mächtiger Stimme und emotionalem Nachdruck. Der „Elias” gehört zweifellos zu den Glanzpartien des begabten jungen Baritons.

Und auch mit dem Tenor Andreas Scheidegger, der in Aachen vor fünf Jahren den „Titus” im Stadttheater sang, griff Beaujean auf einen stimmstarken Opernsänger zurück, der die relativ kleinen Beiträge mit leuchtenden Höhen erfüllte.

Lyrischere Kontrapunkte setzten, ebenfalls vorzüglich besetzt, Claudia von Tilzer mit ihrem glockenklaren Sopran und Marion Eckstein mit ihrer glutvollen Altstimme. Sentimentale Ausrutscher vermieden beide, so dass Beaujean ein Solistenquartett zusammenstellte, das rundum überzeugen konnte.

Für den filigranen und schwierigen Orchesterpart verpflichtete Beaujean das Aachener Sinfonieorchester. Nach einer verwackelten Einleitung passte sich das Orchester dem hohen Gesamtniveau der Aufführung an, so dass die Begeisterungsstürme des Publikums in der Michaelskirche mehr als verdient waren.

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