Element of Crime: Meister der Unverständlichkeit

Von: Thorsten Karbach
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Sven Regener in Aktion: als Frontmann von Element of Crime genauso gefragt wie als „Hausdichter” der Band. Foto: Thomas Brill

Köln. In einer Welt, in der Sparschweine in Kleiderschränken stehen, Kakteen böse und heiß sind und gleich Getränke Hoffmann kommt, lacht die Sehnsucht und sprechen Duschköpfe. Es ist diese herrlich lyrisch-abstruse Welt, in der Element of Crime das Wort führen.

Und es gibt viele gute Gründe, weshalb ein Platz in dieser Welt begehrenswert ist - oder zumindest ein Billet für eines der Konzerte der nahezu ausverkauften Tour, die nun im Kölner Palladium Station machte.

Es ist ein Abend zwischen Augenzwinkern und poetischer Ernsthaftigkeit, ein Erlebnis norddeutschen Intellektuellen-Countryfolks oder was auch immer, mit trockenen Humoreinlässen des Sängers und Trompeters Sven Regener. Musikalisch aber leisten Regener, Gitarrist Jakob Ilja, Schlagzeuger Richard Pappik, Bassist David Young und Gastmusiker Christian Komorowski an der Violine in jeder Phase Wertvolles.

„Das ging ja schon mal ganz gut. Wir machen weiter und spielen noch ein Lied”, sagt Regener - nach gerade mal einem gespielten Song.

Herzthaft unromantisch

„Kopf aus dem Fenster” heißt der, ist Opener der jüngsten Produktion „Immer da wo du bist bin ich nie” und steht für alles, was Element of Crime ausmacht - „Tu die Hände ans Steuer, wir fahren im Kreis; Glücklich ist der, der seinen Namen noch weiß; Wer nicht fahren kann, läuft, wer nicht läuft, dreht sich im Kreis.”

Noch Fragen? Ja, das muss bei Element of Crime so sein. Meister der Unverständlichkeit sind sie. Nachdenklichkeit fordern sie ein. Musik als geistiger Schlüsselreiz. Und trotzdem immer witzig, immer augenzwinkernd. „Romantik”, brüllt Regener so herzhaft unromantisch und reißt seine Trompete in die Luft, wie es siegestrunkene Fußballern tun, wenn sie den DFB-Pokal gewinnen. Der Song, der dann folgt, heißt „Deborah Müller” und ist so romantisch, wie Element-of-Crime-Songs eben romantisch sind: „Die Leute verschwunden sind, die Dienstagabend noch deinen Namen skandierten, als wärst du ein edles Pferd.”

Zwischen „Kopf aus dem Fenster” und dem finalen, sehr getragenen „Vier Stunden vor Elbe 1” liegt ein Querschnitt aus 25 Jahren Bandgeschichte und -Geschichten mitsamt vier dafür sehr kurzen Zugaben. Regener, als Buchautor für die Herr-Lehmann-Trilogie gefeiert, führt witzig durch den Abend, ohne sich in den Mittelpunkt zu rücken.

Die Musik der „reifen” Herren findet ihre Kraft in der Bedächtigkeit, denn nur die lässt ihre Texte und damit die Band erleben - in einer Welt, in der sich Euro und Markstück die Hand geben und die Straße der Verdammten Bremer Straße heißt. Zum Abschied sagt Regener: „Weiter so!” Womit versteht keiner. Egal.
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