„Einsteins Musicbox“: Mehr augenzwinkernd als bierernst

Von: Pedro Obiera
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So begeistert man auch ein junges Publikum für klassische Musik: „Einsteins Musicbox“ mit dem Aachener Sinfonieorchester in der voll besetzten Aula des RWTH-Hauptgebäudes. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es ging – natürlich – um die Liebe bei der vierten Begegnung des Aachener Sinfonieorchesters mit musikinteressierten Studenten der RWTH. Eine Konzertreihe, die unter dem Titel „Einsteins Musicbox“ mehr augenzwinkernd als bierernst Verbindungen zwischen den gestrengen Wissenschaften und den sinnlichen Gefilden der Musik herstellen will.

Das gelingt nicht immer ohne rhetorisch gewagte Umwege, die TH-Kanzler Manfred Nettekoven, der zusammen mit Konzertdramaturg Christoph Lang durch das reichlich bestückte Programm führte, mit Hilfe einiger Kollegen aus verschiedenen Fachbereichen freilich nicht in Verlegenheit bringen konnten. So bereits zum Auftakt nach dem gewichtigsten Beitrag des Abends, Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“, als die starken Gefühle des berühmten Liebespaars durch Erkenntnisse zur sensorischen Messung des individuellen Körpergeruchs biologisch fundiert wurden.

Auf Tschaikowskys Geniestreich folgte mit Franz Liszts symphonischer Dichtung „Les Préludes“ das zweite Schwergewicht des Abends, einer nicht minder emotional aufgeladenen Hymne auf die Episoden des Lebens als „Vorspiele“ zum Tod. Beide Werke dirigierte Generalmusikdirektor Kazem Abdullah effekt- und druckvoll.

Es folgte ein Reigen kleinerer Stücke. Nach der Pause zunächst eine etwas grobe und wenig charmante Interpretation von Johann Strauss‘ Walzer „Rosen aus dem Süden“, bevor die französische Sopranistin Camille Schnoor mit einem eindringlich gestalteten Vortrag von Mozarts schwieriger und äußerst komplexer Konzert-Arie „Ch’io mi scordi di te?“ das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Ein originelles Werk, das der gerade einmal 21-jährige Mozart nicht nur mit einer Orchesterbegleitung versah, sondern auch mit einem verspielten Klavierpart, den Karl Shymanovitz adäquat meisterte. Einen zweiten glänzenden Beweis ihres Könnens lieferte das junge Mitglied des Opernensemble am Theater Aachen mit Lehárs Hit „Meine Lippen, die küssen so heiß“ aus „Giuditta“, den sie auch körperlich exaltiert gestaltete.

Der unverwüstliche brasilianische Ohrwurm „Tico-tico“ und Alexander Borodins Polowetzer Tänze aus der Oper „Fürst Igor“ rundeten das Programm ab, wobei Nettekoven die Vorlage aufgriff, um am Beispiel des studierten Chemikers Borodin über atypische Berufsbilder und –entwicklungen zu räsonieren. Das äußerst aufmerksame, junge studentische Publikum in der ausverkauften Aula des RWTH-Hauptgebäudes reagierte jedenfalls wie schon in den Vorjahren mit großer Begeisterung.

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