Aachen/Köln - Einer der besten Jazzdrummer Deutschlands: Jonas Burgwinkel

Einer der besten Jazzdrummer Deutschlands: Jonas Burgwinkel

Von: Hermann-Josef Delonge
Letzte Aktualisierung:
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Das ist seine Welt: Jonas Burgwinkel ist mit Leib und Seele Jazzdrummer. Foto: Gerd Weigel

Aachen/Köln. Gibt man bei Youtube den Namen Jonas Burgwinkel ein, so stößt man auf Live-Aufnahmen verschiedenster Jazzformationen, bei denen ein ernsthafter junger Mann am Schlagzeug sitzt. Man muss sich nur etwas Zeit nehmen und auf die Musik einlassen, dann kann man nachvollziehen oder wenigstens erahnen, warum dieser Jonas Burgwinkel, 1981 in Aachen geboren und dort aufgewachsen, von der Kritik zu den aufregendsten Jazzdrummern Deutschlands gezählt wird.

Mit der nur wirklich guten Schlagzeugern eigenen Lässigkeit schlägt er vertrackteste Metren und Breaks und stellt den Solisten eine absolut felsenfeste rhythmische Basis zur Verfügung.

Die Aufnahmen im Internet werden nicht sonderlich oft geklickt. Jazz gilt als elitär, ist jedenfalls kein Mainstream, schon gar nicht die Art, die Burgwinkel besonders gerne spielt, mit vielen, intensiven Improvisationen. Drummer-Legenden wie Neil Peart, Terry Bozzio oder Dave Grohl haben es da leichter. Aber die spielen halt Rock´n´Roll, lassen es richtig krachen und kriegen deshalb alle Aufmerksamkeit und viele Mädels ab.

Nie neidisch gewesen, Herr Burgwinkel?

Jonas Burgwinkel lacht, schüttelt den Kopf und wechselt schnell zum Du über. Jazz, sagt er, sei für ihn die reichhaltigste und erfüllendste Musik und nicht so einengend wie Rock. „Oder kann man als Schlagzeuger da etwa ein Stück komplett anders klingen lassen, wenn man will?”

Man muss schon richtig gut sein, um so reden zu können. Burgwinkel geht mit seinem Können angenehm selbstverständlich-selbstbewusst um, jede Pose ist ihm fremd. Das hat viel mit seiner hervorragenden, grundsoliden Ausbildung zu tun (mit 17 schon Musikhochschule Maastricht, ein Jahr Stipendium am Berklee College of Music in Boston, dann fünf Jahre Musikhochschule Köln mit Diplomabschluss) - und mit der Tatsache, dass er rund 150 Konzerte im Jahr spielt und deshalb mit seinen jungen Jahren schon über enorm viel Erfahrung verfügt.

In über 15 Ensembles ist er derzeit Mitglied, so genau weiß er es selbst nicht. Auf allen Kontinenten war er schon unterwegs, zuletzt mit dem Goethe-Institut in Kasachstan. Am Donnerstag nahm er mit Hayden Chisholm und Simon Nabatov „eine Platte” in Köln (wo er lebt, wenn er nicht auf Tour ist) auf, am Mittwoch spielt er mit ihnen in Aachen. Seine Kollegen schätzen ihn als verlässlichen, innovativen Sideman („Die Kunst dabei ist, alles zu wissen und es im richtigen Moment zu vergessen”); er hat mehrere Preise gewonnen, darunter 2009 den WDR-Jazzpreis, gemeinsam mit dem Kontrabassisten Robert Landfermann, als Rhythmusgruppe in der Kategorie „Jazz Improvisation” - und er kann von seiner Musik leben, ohne Unterricht geben zu müssen. Das ist eine Besonderheit in deutschen Jazzmusiker-Kreisen.

Burgwinkel ist weit davon entfernt, viel Aufhebens davon zu machen. Das läge auch gar nicht in seiner Natur; Jazzdrummer sind es außerdem gewohnt, nicht im Vordergrund zu stehen. Lieber schwärmt er vom Zusammenspiel mit Größen wie Chisholm oder Nabatov oder von seiner Arbeit im Pablo Held Trio, mit seinen Freunden Held und Landfermann. Für einen jungen Mann noch diesseits der 30 bringt er eine erstaunliche Mischung aus Abgeklärtheit und Enthusiasmus mit sich. Und Zielstrebigkeit. Eine Eigenschaft, mit der sich auch sein Vater, Professor am Institut für Maschinentechnik der Rohstoffindustrie der RWTH, konfrontiert sah, als sein Sohn mit 17 beschloss, das Gymnasium zu verlassen und ganz auf Musik zu setzen.

Big Bandws: Wie Ozeandampfer. Trios: Wie Sportwagen

Jazz hatte Jonas schon bei seiner Mutter, einer Journalistin, gehört; endgültig „infiziert” hatte ihn sein Musiklehrer, der ihn, da war er in der 7. Klasse und trommelte in einer Rockkombo, gefragt hatte, ob er nicht Lust habe, in seiner Jazzband zu spielen. Hatte er, und kam nicht mehr davon los.

Heute spielt er am liebsten in kleiner Besetzung („Big Bands sind wie ein Ozeandampfer, Duos oder Trios wie ein wendiger Sportwagen”), da kann er sich am besten ausleben. Berührungsängste kennt Burgwinkel nicht; HipHop, Funk oder moderne elektronische Musik nimmt er auf, wenn sie ihn bereichern können. Nur das Gedudel im Radio, das bleibt für ihn schwer erträglich.

Das allerdings hat nichts mit elitärem Dünkel zu tun, sondern nur mit Qualität.

Jonas Burgwinkel ist am Mittwoch, 8. Dezember, wieder live in seiner Geburtsstadt zu erleben. Ab 20 Uhr spielt er gemeinsam mit Hayden Chisholm (Saxofon) und Simon Nabatov (Piano) in der Klangbrücke im Alten Kurhaus an der Kurhausstrasse. Veranstalter ist die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik.

Auch der Neuseeländer Chisholm und der Russe Nabatov gelten als Stars. Gemeinsam mit Burgwinkel bilden sie eines der „aufregendsten Spitzentrios, die derzeit in Europa unterwegs sind” - so jedenfalls der Veranstalter.

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