Eine neue Krone für den „King Of Pop”?

Von: Michael Loesl
Letzte Aktualisierung:
jacksonbild
Neues vom Geschäft mit seinem Nachlass: Jetzt gibt es ein frisches Album von Michael Jackson - das Bild entstand am 5. März 2009 bei einer Pressekonferenz zu seinem geplanten Bühnencomeback in London. Jackson starb am 25. Juni 2009.

Aachen. Nein, Pop von königlicher Größe offenbart „Michael”, das am Freitag erschienene erste postum veröffentlichte Michael-Jackson-Album mit bisher unveröffentlichten Songs, wahrlich nicht. Zu gerne würden seine Hinterbliebenen, die sich in ihrer Geschäftstüchtigkeit „The Jackson Estate” nennen, in Vereinbarung mit Sony Music den einstigen Pop-Regenten mit restaurierten Archivbändern aus dem Wahnsinn seiner letzten 15 Jahre befreien.

Angeblich soll er in den zwei Jahren, bevor er an einer Überdosis Arzneimittel starb, unaufhörlich Lieder geschrieben und aufgenommen haben. „Dies geschah mit einer kleinen, handverlesenen Gruppe von Mitarbeitern an verschiedensten Orten, vom Haus eines Freundes in New Jersey bis hin zu Studios in Las Vegas und Los Angeles. Es lassen sich einzigartige Geschichten zu den Songs erzählen, die auf dem Album Michael zu finden sind.

Fans erhalten dadurch einen überwältigenden Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers und die Chance, jene Lieder zu hören, an denen er bis kurz vor seinem Tod arbeitete und die er bis zuletzt verwirklichen wollte”, hieß es in einer sich selbst kommentierenden Gebrauchsanweisung auf Jacksons offizieller Website.

Aber die Vermenschlichung des Entrückten scheitert schon beim Betrachten von „Michael”. Noch einmal wird der Hohepriester der ewigen Kindheit in allen Facetten einer längst ausgebrannten Popkultur vorgeführt. Als Gutmensch, „Thriller”, Moonwalker, Dompteur, Soulstar mit negroiden Zügen und Träger eines einzelnen Glitzerhandschuhs, dem Symbol für die Allerweltskultur des 20. Jahrhunderts.

Die bleichgesichtige Groteske Jackson hat der Ölgemälde-Cover-Künstler geflissentlich im goldenen Sarg gelassen, der im Staples Center von Los Angeles vor 18 Monaten betrauert worden war. Einer wundersamen Wiederauferstehung gleich dominiert Jacksons Konterfei das „Michael”-Cover aber vor allem so, wie er sich vermutlich am liebsten selbst sah: halb Cleopatra, halb König Ludwig, dem von Engeln eine Krone aufgesetzt wird.

Zweifel an der Stimme

Könige leben nicht selten einsam, entfremdet von ihrem Volk. Einen wirklichen Freund hatte der „King Of Pop” allerdings: Kollege Will.I.Am. Der verurteilte „Michael” vor dessen Veröffentlichung barsch. „Ich finde, diese Platte hätte nie rauskommen dürfen, weil Michael nicht Teil des Produktionsprozesses gewesen ist. Ich halte die Veröffentlichung für respektlos, gerade weil er mein Freund war. Er war ein Perfektionist und hätte die Platte in dieser Form nicht rausgegeben”, sagte Mr. Black Eyed Peas der Nachrichtenagentur Associated Press.

Zwischenzeitlich ätzte Jacksons Bruder Randy in seinem Twitter-Account, dass auf einigen der „Michael”-Songs die Stimme von irgendwem zu hören sei, aber nicht die des Namenspatrons dieses Albums. Die Frage nach der Authentizität von Michael Jacksons Gesang im Song „Breaking News” wurde angeblich sogar vom halben Jackson-Clan angezweifelt.

Die Authentizitätsfrage wäre sicher schnell vom Produzenten-Ehrenmann und Pop-Grandseigneur Quincy Jones zu klären gewesen, der Jacksons kreativer und kommerzieller Hochphase eine künstlerische Klasse verlieh. Jones wird aber weder in den Album-Credits noch im Zuge der weltweiten Vermarktung von „Michael” erwähnt. Vermutlich hält er sich wohlweislich aus dem Geschäft mit dem Nachlass Jacksons raus.

„Michael” lässt nämlich vor allem Stringenz vermissen. Immer wieder taucht die lauwarme R&B-Rezeptur des „Invincible”-Albums in ihrer Midtempo-Beliebigkeit auf. Zwar kann nicht mal Akon die erste Single „Hold My Hand” als Reminiszenz an „Remember The Time” ruinieren. Aber der Rap von 50 Cent in „Monster” ist nicht nur unpassend, sondern gleich völlig daneben.

Erst die letzten beiden Nummern, der mit dem Yellow Magic Orchestra in den Achtzigern geschriebene Psychedelic-Funk von „Behing The Mask” und „Much Too Soon” aus der „Thriller”-Ära, verleihen der Plünderung von Jacksons Archiven so etwas wie eine künstlerische Note. Bis dahin darf sich durch acht Kapitel postum vervollständigte Irrelevanz gehört werden, die dem Gesamtwerk Jacksons wenig zuträglich ist.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert