Eine Medaille für eine unabhängige Meinung

Von: Sarah Sillius
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Setzen mit dem Preisträger ein Zeichen für Meinungsfreiheit: Kuratoriumsvorsitzende Frauke Gerlach und Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp mit einer Ausgabe der Novaya Gazeta. Foto: Andreas Hermann

Aachen. Wer sich in einem Land wie Russland mit Mut und Idealismus für eine unabhängige politische Meinung einsetzt, der wird dort womöglich mit seinem Leben bezahlen müssen. In einem Land, das für Demokratie steht, sollte eben dieses Engagement nicht bestraft, sondern vielmehr ausgezeichnet werden.

Die russische Zeitung Novaya Gazeta (Neue Zeitung) ist eine der letzten unabhängigen und regierungskritischen russischen Tageszeitungen. Dafür erhält sie in diesem Jahr die zwölfte Karlsmedaille für europäische Medien, die Médaille Charlemagne pour les Médias Européens. Das gab das Kuratorium Donnerstag im Aachener Rathaus bekannt.

Bereits mit der italienischen Verlegerin Inge Schönthal-Feltrinelli, der Preisträgerin des vergangenen Jahres, setzte das Kuratorium ein Zeichen für Presse- und Meinungsfreiheit in Europa. Diese Linie führt es mit der jetzigen Wahl fort. „Die gefährliche Arbeit der Redaktion der Novaya Gazeta verdient hohe Anerkennung und Respekt. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur europäischen Vernetzung Russlands”, sagte die Kuratoriumsvorsitzende Frauke Gerlach über die Zeitung, die unter anderem in Deutschland, England, Frankreich und Spanien erhältlich ist. „Sie gibt uns einen Einblick in ein Land, das sehr groß und heterogen ist, sie öffnet uns ein Fenster in eine uns fremde Welt.”

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp hält den Blick nach Russland noch für genauso wichtig wie vor 40 Jahren. Die aktuellen politischen Entwicklungen seien dabei eher nebensächlich. Er stellte heraus, dass „trotz oder aufgrund der schwierigen Verhältnisse auf Seiten der Redakteure Idealismus und Berufung im Vordergrund stehen.” Bei der Novaya Gazeta werde hoch professioneller investigativer Journalismus betrieben, „wobei neutral und unabhängig gearbeitet wird”.

Jürgen Linden, Kuratoriumsmitglied und Sprecher des Karlspreisdirektoriums, lobte die Journalisten dafür, „den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich auf Basis unabhängiger Informationen eine eigene Meinung zu bilden”.

Nicht eingeschüchtert

Der Zeitung gehörte auch die regimekritische Journalistin Anna Politkowskaja an. Sie wurde im Jahr 2006 ermordet, nachdem sie kritisch über den Tschetschenien-Krieg berichtet hatte.

Trotz der ständigen Bedrohung hat sich die Novaya Gazeta seit ihrer Gründung im Jahr 1993 nicht einschüchtern lassen. Ebenso wenig wie die Putin-Gegner auf der Straße geben die Journalisten ihren Kampf für Demokratie und Menschenrechte auf. In einem Land, das wie kaum ein anderes enormen Druck auf Andersdenkende ausübt, ist ein solches Medium ein kleiner, aber bedeutender Hoffnungsschimmer. Einer, der in Aachen Anerkennung findet.

Ein Preis, der die europäische Identitätstärkt

Mit der Karlsmedaille (genau: „Médaille Charlemagne pour les Médias Européens”) wird seit 2000 im Vorfeld der Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen „eine europäische Persönlichkeit oder Institution ausgezeichnet, die sich auf dem Gebiet der Medien in besonderer Weise um den Prozess der europäischen Einigung und um die Herausbildung einer europäischen Identität verdient gemacht hat.”

Bisherige Preisträger waren Publizist Lord George Weidenfeld, Autor Cees Nooteboom, Produzent Jan Mojto, Regisseur Jean-Jacques Annaud, der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen, Schauspielerin Krystyna Janda, die Stiftung Berliner Philharmoniker, die Regisseure Fatih Akin und Abdellatif Kechiche, „Reporter ohne Grenzen”, Musiker André Rieu und Verlegerin Inge Schönthal-Feltrinelli. Gestiftet wird der Preis vom Verein „Médaille Charlemagne pour les Médias Européens”.

Die diesjährige Preisverleihung findet am 10. Mai im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt. Chefredakteur Dmitrij Muratow wird den Preis entgegennehmen. Wer Laudator wird, steht noch nicht fest.

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