Eine frische Liebe mit Silberhaar

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
Schoßhündchen Kiwi als Amor?
Schoßhündchen Kiwi als Amor? Carol (Uta-Maria Schütze) und Ralph (Erwin Geisler) finden zueinander. Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. Ausgerechnet hier treffen Carol und Ralph aufeinander. Der gut erhaltene Mittsiebziger Ralph steht ganz schön unter der Fuchtel seiner resoluten Schwester Rose, mit der er seit dem Tode seiner Frau zusammenlebt. Der ungepflegte Park ist für ihn ein heimliches Refugium, und die elegante Carol ist ihm sofort aufgefallen.

Ihr winziger Hund Kiwi wird zum Anknüpfungspunkt zwischen beiden.

Witzig und angenehm lässig spielt Erwin Geisler den silberhaarigen Charmeur mit italienischen Wurzeln, einen Mann, den die zurückhaltende Carol zunächst in die Schranken weist. Fein und lebensecht verkörpert Uta-Maria Schütze die Frau, die viele Geheimnisse zu haben scheint. Köstlich der Auftritt von Jutta Schmidt als misstrauische Schwester Rose, die ihren Bruder bekocht und bewacht wie eine italienische Mamma. Auch der erfolgreiche Autor selbst, der US-Amerikaner Joe DiPietro, ist italienischer Abstammung. Die tollen Kostüme (und Perücken) stammen wie das Bühnenbild von Pascale Arndtz.

Arien von Mozart und Verdi

„Noch einmal verliebt”, 2008 in Kansas uraufgeführt, geht im Grenzlandtheater als Deutsche Erstaufführung über die Bühne. Eine Bühne, die später mit einem Dreh zum Wohnzimmer der Geschwister wird, einem Raum, wo Rose die beiden Turteltäubchen im intimen Clinch „überrascht”. Bitter sind die Gefühle der wackeren „Haushälterin” Rose, der Jutta Schmidt so viele menschliche Nuancen verleiht. Über die Musik der Opernwelt hat sich das Pärchen gefunden, und diese Musik wird ganz und gar lebendig in den Erinnerungen Ralphs, der früher ernsthaft Opernsänger werden wollte.

Der 22-jährige Maximilian Krummen, Gesangsstudent an der Musikhochschule Köln und in Aachen bereits in Purcells „Dido und Aeneas” aufgetreten, wird zum Alter Ego Ralphs und darf mit wunderbaren Arien von Leoncavallo, Massenet und Mozart bis hin zu Verdis „La Traviata” das Publikum erfreuen. Und selbst Carols kleiner Schoßhund Kiwi, den Ralph auch gerne „Litschi”, „Mango” oder „Papaya” ruft, tritt leibhaftig auf.

Die junge Regisseurin Stefanie Stroebele aus Stuttgart, die auch Schauspielerin und Autorin ist, glänzt mit einer ebenso unterhaltsamen wie subtilen Inszenierung, die boulevardeske Elemente, Situationskomik und glänzende Dialoge stilsicher verknüpft. Geheimnisse und Enttäuschungen werden sichtbar, auch Rose muss sich ihren Verletzungen stellen. Entertainment mit Tiefgang könnte man diese gelungene Komödie nennen, die keineswegs nur ältere Zuschauer begeistert.

Ob sich am Ende Carol und Ralph wirklich für immer finden, bleibt offen. Doch „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben” - der alte Schlager-Hit passt gut zum Thema, dem Autor DiPietro so viele Facetten verleiht. Das Publikum - zwischen 20 und über 80 - zeigte sich begeistert und sparte nicht mit Beifall.
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