Aachen - „Ein Sommernachtstraum” als zweieinhalbstündiger Bühnenspaß

„Ein Sommernachtstraum” als zweieinhalbstündiger Bühnenspaß

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
So schräg wie die Bühne ist
So schräg wie die Bühne ist stellenweise auch die Inszenierung von Shakespeares „Sommernachtstraum” im Aachener Grenzlandtheater: mit (von links) Michael Raphael Klein, Torben Föllmer, Stéphanie Signer und Sarah Härtling.

Aachen. Glatt und abschüssig ist der Boden im Shakespeareschen Elfenwald - eine Rutschbahn aus Holz, auf der die verwirrten Gefühle der Liebenden mächtig ins Kullern geraten.

Auf schiefer Ebene geht „Ein Sommernachtstraum” im Aachener Grenzlandtheater über die Bühne, da müssen die Darsteller beachtliche Standfestigkeit beweisen - und Wandlungsfähigkeit. Acht Schauspieler füllen 15 Rollen aus - rechnet man die Partien der Handwerksburschen aus dem Spiel im Spiel noch dazu, dann sind es 21. Da lässt sich entfernt ahnen, wie es bei dem permanenten Wechsel der Kostüme (Noelie Verdier) hinter der Bühne gewirbelt haben muss.

Am Anfang noch seriös

Am Anfang noch ganz seriöses Sprechtheater, am Ende ein schräger Bauernschwank bis zur Schmerzgrenze - Regisseur Ulrich Wiggers lässt die derben Puppen nur so tanzen. Dem Premierenpublikum hat es jedenfalls gefallen - der begeisterte Beifall mündete in Standing Ovations.

Drei Welten begegnen sich bekanntermaßen im sommerlichen Elfenwald: der Hof Athens mit Theseus und Hippolyta und zwei glücklich/unglücklich verliebten Paaren, eine Bande roher Handwerker, die sich in der hohen Bühnenkunst versucht, und Elfenkönig Oberon im Ehezwist mit seiner holden Titania.

Mit einem stummen Prolog minutenlang Schweigender baut Wiggers feierlich die keineswegs froh stimmende Erwartung auf: Wenns so griechisch-erhaben weitergeht, schläft in zehn Minuten alles ein. Doch da holt Theseus (Boris Becker) auch schon sein Handy aus der Leinenanzugtasche und deutet ganz klar an: So tierisch ernst kann der Abend nicht werden. Und in der Tat: Spätestens wenn sich die Elfen mit bunt gestrickten Masken als singende Teletubbies zeigen und „Mr. Sandman” anstimmen, nimmt ein fröhliches Spektakel seinen Lauf.

All die munteren Verwechslungen, der böse Schabernack, den der beinharte, am Oberkörper flächendeckend tätowierte Oberon (auch Boris Becker) den armen, mehr und mehr verwirrten Menschlein spielt, das zeigt Wirkung. Leidenschaftlich schleudern sich die gewaltsam verkuppelte Hermia (Sarah Härtling), die sich allseits verschmäht wähnende Helena (Stéphanie Signer), Lysander (Michael Raphael Klein) und Demetrius (Torben Föllmer) die Emotionen auch mit körperlichem Insistieren schwungvoll um die Ohren. Doch zum Glück ist den antiken Herren bereits Joe Cockers Ohrwurm „You are so beautiful” geläufig, was die derart schmachtend angesungenen Damen - wie Hermia - zwar in beträchtlich erstaunte, aber mildere Stimmung versetzt.

Nach der Pause gewinnt das Schwankhafte mächtig an Fahrt.Ein blitzartig auf- und abtauchender, koboldhaft gewitzter Puck (Lisa Laura Quarg) lässt das Publikum rätseln, welche Zauberhand hier wohl walten mag. Ein raffinierter Trick etwa des Bühnenbildners Matthias Winkler? Aber halt: Wir befinden uns doch in einem Zauberwald...

Hemmungslos, aber gekonnt greift die Regie schließlich im Verein mit bestens aufgelegten Darstellern in die Klamottenkiste bei der heftig belachten Aufführung der Handwerksburschen. Tim Riedel gibt einen Esel mit Biss, der Janna Horstmann als Titania titanisch betört; Sarah Härtling steckt die Spanne zwischen leidenschaftlicher Hermia und stotterndem Löwen perfekt weg, gleichfalls Boris Becker als Theseus und Oberon. Michael Raphael Klein und Torben Föllmer sind die smarten Lysander/Flaut und Demetrius/Schnauz. Stéphanie Signer gibt ein sehr schön gelungenes Debüt in ihrem ersten Engagement nach der Ausbildung in der Doppelrolle Helena/Schlucker. Und der Puck von Lisa Laura Quarg ist einfach genial - auch in tänzerischer Hinsicht.

Ein leichter, gut gemachter Bühnenspaß.

Aufführungen bis zum 1. November

„Ein Sommernachtstraum” von Shakespeare im Aachener Grenzlandtheater. Aufführungen in der Aachener Elisengalerie: bis 21. Oktober, bis 1. November in der Region, 20 Uhr.

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