Ein Leben für die Kultur, für die Zeitung

Von: Bernd Mathieu
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Starb im Alter von 84 Jahren: Der frühere AVZ-Kulturchef Wolfgang Richter. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der langjährige Leiter der Kulturredaktion der „Aachener Volkszeitung”, Wolfgang Richter, ist tot. Der bekannte Aachener Journalist starb Anfang März im Alter von 84 Jahren. Literatur, Bildende Kunst, Theater: Das war seine Welt!

Und natürlich die Zeitung, „seine” Zeitung. In Kritiken, Berichten, Kommentaren, Reportagen und Interviews setzte er Akzente, die ihn weit über Aachen hinaus zum hoch angesehenen Kulturredakteur werden ließen.

Kultur war für ihn ein überragendes Kapitel unersetzbarer Lebensqualität. Den Journalismus hielt er, so formulierte er es einmal, für „eine der spannendsten, aber auch eine der schönsten Formen menschlicher Kommunikation”. Beides über Jahrzehnte so exzellent zu kombinieren, war letztlich sein ganz persönliches Kunststück.

Wolfgang Richter wurde am 28. Dezember 1925 in Aachen geboren und wohnte ein Leben lang in seiner Heimatstadt. Ein Mann seines Formats blieb dabei nicht auf einem provinziellen Pepita-Muster kleben.

Richter war nie einer, der nur um die kaiserstädtische Kultur kreiste. Seine unerschöpfliche Energie und seine gesunde Neugier trieben ihn immer wieder in andere Regionen, wo er Eindrücke sammelte, mit interessanten Menschen sprach oder nur beobachtete und schrieb. Ungewöhnliches, anderes zu entdecken: Das war ein wesentlicher Teil seines Lebens und seines Metiers.

Seine Texte über die Kultur in Aachen, in der Euregio, über die Theater und Opernhäuser der Nachbarstädte, über das In- und Ausland hinterließen stets die Spuren eines Kenners und Könners. Ein Anreger und Beweger, der impulsiv sein konnte, ja, jedoch nicht aggressiv. Der konstruktiv und konkret argumentierte, aber nicht überheblich und pauschal.

Einer mischt sich ein

Für ihn steht früh fest, dass er Journalist werden will. Und so ist er einer der ersten Absolventen der von den Amerikanern gegründeten Aachener Journalistenschule. 1947 wird er freier Mitarbeiter der „Aachener Volkszeitung”, 1948 verantwortlicher Redakteur der Eschweiler Ausgabe.

Es folgen viele Jahre als Feuilletonredakteur und ab 1. Juni 1963 als Kulturchef bei der AVZ. 1982 wechselt er in die Geschäftsleitung des Zeitungsverlages Aachen, wo er sich neben der Printausgabe um die neuen Medien vom Bildschirmtext über die Tele-Information Aachen bis zum lokalen Hörfunk kümmert.

Er mischte sich ein, auch kommunalpolitisch. Nie sah er Kultur als Luxus, als Prestige, als eine abgehobene Art repräsentativen Müßiggangs höherer Kreise. Vom Journalismus konnte der Kollege Richter nie genug kriegen, interviewte Zeitzeugen wie Ida Ehre, Heinrich Böll, Andy Warhol, Johannes Mario Simmel und Joseph Beuys.

Er schrieb Romane, schuf herrliche und ausgezeichnete Bildbände über Aachen. Vor allem war er ein regionaler Gestalter und Begleiter, Kritiker und Ideengeber.

Ein Richterspruch konnte für manchen Akteur in der Kulturszene Ansporn und Rückenwind sein, für andere, wenn es denn kritisch sein musste, eine Hypothek. Beide Varianten stehen für seine unbestechliche Kompetenz und seine hohe Autorität.

Wir vermissen diesen außergewöhnlich engagierten Kollegen, seinen Rat, sein Lob, seine konstruktive Kritik. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten.
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